Unseriöse Bürgerrechtsbewegung abgesoffen

FPÖ-Chef Stra­che hat sie noch vor weni­gen Tagen zur „ser­iösen Bürg­er­rechts­be­we­gung“ gead­elt, kon­nte sich sog­ar vorstellen, an einem Auf­marsch der Pegi­da teilzunehmen, bevor er die Kurve kratzte und nach Ost­tirol abtauchte. Als sich am 2. Feb­ru­ar rund 300 Recht­sex­trem­is­ten, Neon­azis und ver­mut­lich ein Dutzend Naiv­er in Wien ver­sam­melte, war ’nur‘ der frühere Dritte Nation­al­rat­spräsi­dent Mar­tin Graf dabei.

Iden­titäre, Nazi-Hooli­gans und MC-Mit­glieder, Burschen­schafter und auch klas­sis­che Neon­azis bilde­ten das Kern­per­son­al des demon­stri­eren­den Haufens, der sich unter dem Namen „Pegi­da“ in Wien ver­sam­melte. Aus der Ver­samm­lung her­aus wurde mehrfach Hitler- und Küh­nen­gruß gezeigt und neben anti­is­lamis­chen Parolen auch anti­semi­tis­che Sprüche skandiert.


Hit­ler­gruß, Twit­ter @JChristandl
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Küh­nen­gruß, @Twitter
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Küh­nen­gruß, @krone.at
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Mar­tin Graf, der frühere Dritte Präsi­dent des Nation­al­rates (FPÖ) und Alter Herr der Burschen­schaft Olympia, war mit­ten in dem Haufen, ange­blich, um sich ein „Bild zu machen“, hat aber nichts gese­hen und gehört – wie er spätabends noch in ein­er Diskus­sion­ssendung von Puls 4 erklärte.

Während einge­fleis­chte Pegi­da-Fans sofort die Parole aus­gaben, bei den sich offen deklar­i­eren­den Neon­azis han­dle es sich um eingeschleuste Linke, übten einige deut­liche Kri­tik an den Veranstaltern: 

„Diese Leute hät­ten von den Ord­nern sofort ent­fer­nt wer­den müssen“ (Face­book).

Ein frei­heitlich­er Aktivist und Pegi­da-Fan kri­tisierte ganz offen den Pegi­da-Sprech­er Nagel wegen dessen mehrfach­er Aus­sagen, er könne keine Neon­azi-Gesten erkennen:

„Nicht böse gemeint, aber Herr Georg Immanuel Nagel, sie kön­nen doch nicht sagen, das (sic!) auf dem Bild kein Hit­ler­gruß zu sehen ist! …….“ (Face­book).


Dass Nagel ‑so wie Graf- nichts Neon­azis­tis­ches erken­nen wollte, hängt vielle­icht auch damit zusam­men, dass er – wie ihm seine früheren Fre­unde vor­w­er­fen – selb­st vor einem Jahr ein Post­ing mit einem Hak­enkreuz in Umlauf gebracht hat und einen But­ton mit Reich­sadler ent­wor­fen hat. 

Der poly­mor­phe Nagel, der bis vor kurzem auch noch ein eifriger Iden­titär­er war, ist auch Kor­pori­ert­er beim Corps Poso­nia. Ein Foto auf der Face­book-Seite des Corps zeigt ihn bei der Huber­tus-Kneipe im Novem­ber, wie er etwas ver­loren neben die Kam­era blickt. Ahnte er schon seine trau­rige Zukun­ft? „Ein lebendi­ger Bund“ ist das Foto zur Huber­tuskneipe unter­titelt – naja!

Ver­mut­lich meinen die Corps­brüder damit auch den Umstand, dass die Adresse ihrer Bude bis zum Jahre­sende 2014 die Anschrift des Vere­ins ‚TechnoPas­sion‘ mit dem Obmann Georg Nagel war. Über den Vere­in wur­den die Ver­anstal­tungsak­tiv­itäten von „Kräfte/Balance“ abgewick­elt: Gothic‑, Fetish- und ein bißchen Sado­Ma­so. Passt zum ‚lebendi­gen Bund‘ jedenfalls!

Ein Skan­dal so neben­bei: Die Polizei schritt nicht ein, als aus der Pegi­da-Ver­samm­lung die Hände zum Hitler-Gruß gereckt wur­den, und löste die Kundge­bung auch nicht auf. Der Pro­viant­wa­gen der frei­heitlichen Per­son­alvertre­tungsliste bei der Polizei, AUF, war dies­mal auch wieder zur Stelle: die Polizis­ten im Ein­satz durften sich dort laben und sich­er auch mit AUF­muntern­den Sprüchen ver­sor­gen lassen, bevor sie dann zur Fest­stel­lung der Iden­tität der block­ieren­den Gegen­demon­stran­ten schritten.


@Twitter
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Die Demon­stra­tion gegen den Pegi­da-Auf­marsch war eine ein­drucksvolle Man­i­fes­ta­tion, dass Pegi­da nicht erwün­scht ist: rund 5.000 Teil­nehmerIn­nen hat­ten sich schon am Nach­mit­tag ver­sam­melt und einige Hun­dert von ihnen sind dann auch noch zur Pegi­da-Kundge­bung marschiert.

P.S:: Mit­tler­weile gibt es eine reich­lich skur­rile Dis­tanzierung Nagels von einem „ange­blichen Hitler-Gruß“. Der Pegi­da-Sprech­er betont, dass das aber „in kein­er Weise ein Ein­druck gewe­sen, der sich für die Teil­nehmer vor Ort ergab“ (APA). In dem einem Hitler-Fre­und ver­mutet er einen, der die „link­sex­tremen Block­ier­er“ provozieren wollte oder das Gegen­teil davon, einen link­sex­tremen Pro­voka­teur. Auf die anderen neon­azis­tis­chen Vor­fälle bei der Pegi­da-Kundge­bung geht Nagel nicht ein.

Die näch­ste Pegi­da-Kundge­bung find­et nach dem Wiener Desaster am 8.2. in Linz statt. Ter­min für eine neue Pegi­da-Kundge­bung in Wien werde es „früher oder später“ geben, so Nagel. Wir ver­muten eher, dass es eher früher als später einen Ter­min für Nagel geben wird: das Ende sein­er Sprechertätigkeit. Einzelne Pegidis­ten fordern das schon ganz offen.

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