Hermagor (Ktn): Angriff auf Erinnerungsarbeit

Im Okto­ber 2013 besuchen die 5. Klassen der HLW Her­magor im Rah­men ein­er Exkur­sion den Per­schmannhof in der Nähe von Bad Eisenkap­pel. Der Obmann des Vere­ins Erin­nern Gail­tal, Bern­hard Gitschtaler, organ­isiert die Führung, der Kla­gen­furter Zei­this­torik­er Valentin Sima referiert. Für die FPÖ und anonyme Brief­schreiber war diese Exkur­sion eine „links­faschis­tis­che Het­zver­anstal­tung“.

Anneliese Kitzmüller sitzt für die FPÖ im Nation­al­rat. Neben­bei ist sie Funk­tionärin der recht­sex­tremen Öster­re­ichis­chen Lands­man­nschaft und im Bere­ich der deutschna­tionalen „Mädelschaften“ aktiv. Ende Jän­ner ver­fasste die Mädelschaf­terin eine bemerkenswerte Presseaussendung mit der Über­schrift „Nie wieder Kärn­ten, nie wieder Frei­heitlich, nie wieder Nazis­chweine!“, in der sie den Vor­tra­gen­den vom Vere­in Erin­nern Gail­tal unter­stellte, alle Kärnt­ner als Nation­al­sozial­is­ten beze­ich­net zu haben. Schw­er vorstell­bar, denn auch die Vor­tra­gen­den sind Kärntner!

Aber um Fak­ten ging es der frei­heitlichen Abge­ord­neten ja auch nicht wirk­lich: in ihrer Presseaussendung bedankt sie sich zwar bei den Schülern der HLW, „welche den Mut hat­ten, den Ver­lauf dieser skan­dalösen und extrem­istis­chen Het­zver­anstal­tung an die Öffentlichkeit zu brin­gen“, ver­schweigt sich aber über die näheren Umstände dieser „Öffentlichkeit“.

Die „Öffentlichkeit“ war näm­lich ein anonymer Brief, der an ver­schiedene Behör­den gerichtet war und als Absenderin eine Schü­lerin der 5. Klasse benan­nte. Die fün­ften Klassen, die an der Exkur­sion teilgenom­men hat­ten, reagierten „schock­iert“ auf die in diesem anony­men Brief getätigten Aus­sagen und wiesen auch die Behaup­tung, eine Mitschü­lerin sei die Ver­fasserin, als „Ver­leum­dung“ zurück.

Die Stel­lung­nahme der 5. Klassen war zum Zeit­punkt der Presseaussendung von Anneliese Kitzmüller schon längst bekan­nt — wurde aber kon­se­quent ignori­ert. Ignori­ert wurde auch, dass der zweite ange­blich Vor­tra­gende vom Vere­in Erin­nern Gail­tal gar nicht anwe­send war bei der Exkur­sion.

Der Vere­in Erin­nern Gail­tal und dessen Obmann Gitschtaler, die durch den anony­men Brief und die Vor­würfe der FPÖ mas­siv dif­famiert wur­den, haben auf die „Schmutzkü­belkam­pagne“ mit ein­er öffentlichen Erk­lärung und ein­er Sachver­halts­darstel­lung an die Staat­san­waltschaft reagiert.

Das Doku­men­ta­tion­sarchiv des Öster­re­ichis­chen Wider­standes (DÖW) weist in sein­er Stel­lung­nahme nicht nur auf einen der möglichen Ini­ti­a­tioren für den anony­men Brief hin, son­dern auch auf den tief­er­en Sinn der Sudelkam­pagne: mit solchen Angrif­f­en sollen Lehrkräfte offen­sichtlich von der Erin­nerungsar­beit abgeschreckt werden.