Der kritische Journalismus des Herrn Vilimsky

Der Job eines FPÖ-Gen­er­alsekretärs ist ein­er der härtesten in diesem Land – das sei zur Entschuldigung für Har­ald Vil­im­sky hier voraus­geschickt. Ein Taser-Selb­stver­such ist ja eine harm­lose und leichte Auf­gabe, ver­glichen mit der, die Auf­forderung zur „Breivikisierung“ von Par­la­men­tari­ern und Jour­nal­is­ten wegzureden.

In sein­er Presseaussendung zeigte sich der Gen­er­alsekretär der FPÖ, Har­ald Vil­im­sky, „schock­iert“: nicht über die Neon­azi-Sprüche auf unzensuriert.at, son­dern über das Vorge­hen der Par­la­mentspräsi­dentin Pram­mer gegen „kri­tis­che Jour­nal­is­ten“. An ander­er Stelle präzisiert Vil­im­sky noch: „Frau Pram­mer wün­scht sich — eben­so wie der Grün-Abge­ord­nete Öllinger — , dass regierungskri­tis­che Jour­nal­is­ten ins Gefäng­nis gesteckt wer­den. Ganz so wie das beispiel­sweise in Weißrus­s­land der Fall ist“. (OTS, 30.5.2012)

Wen meint Vil­im­sky mit den (regierungs-)kritischen Jour­nal­is­ten, die krim­i­nal­isiert wer­den? Etwa den ORF-Jour­nal­is­ten Ed Moschitz, der von Stra­che angezeigt wor­den war wegen des Ver­dachts der Ans­tiftung zur NS- Wiederbetätigung?

Oder meint er den Büroleit­er von Mar­tin Graf, den Olympia-Burschen­schafter Wal­ter Asperl und den Press­esprech­er von Mar­tin Graf, Alexan­der Höferl, eben­falls Burschen­schafter? Bei­de sind für unzensuriert.at tätig. Nebenbei?

Wenn Jour­nal­istIn­nen Stel­lung­nah­men zu den Post­ings auf unzensuriert.at ein­holen wollen, rufen sie den Press­esprech­er von Mar­tin Graf, den Her­rn Höferl, an. Der gibt ihnen dann die fol­gende Auskun­ft: „Von dem Post­ing höre er zum ersten Mal, sagte Höferl am Dien­stag auf Anfrage von derStandard.at. Er werde es umge­hend löschen…“.

Hat er diese Auskun­ft jet­zt als Press­esprech­er von Mar­tin Graf gegeben oder als Chefredak­teur von unzensuriert.at? Und in welch­er Funk­tion sagt er, Mar­tin Graf habe damit nichts zu tun? Span­nende Fragen!

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Oder meint Vil­im­sky etwa gar, dass ein unzen­suri­ert-Post­ing, in dem die „Breivikisierung“ von „Par­la­mentswanzen“ und „Redak­tion­shet­zern“ gefordert wird, regierungskri­tis­chen Jour­nal­is­mus darstellt?

Vil­im­sky erk­lärt in sein­er Presseaussendung, die Redak­tion von unzensuriert.at habe sich vom Post­ing des Users Eule „klar dis­tanziert“. Wo bitte und wie?

Das Breivikisierungs-Post­ing wurde nach fünf Tagen ein­fach gelöscht. Ohne Kom­men­tar – ohne Dis­tanzierung. So wie die zahlre­ichen anderen Hetz-Post­ings erst nach fünf Tagen still und heim­lich entsorgt wurden!

Gelöscht wur­den auch jene Post­ings, die die Redak­tion von unzensuriert.at auf das straf­bare Post­ing aufmerk­sam gemacht hat­ten. Ist das der „kri­tis­che“ Jour­nal­is­mus von unzensuriert.at?

Vil­im­sky nimmt in sein­er Presseaussendung kein einziges Mal direkt Bezug zu den Het­z­post­ings. Eine klare Dis­tanzierung von der Het­ze gegen Schwule, Par­la­men­tari­er und Jour­nal­is­ten kommt ihm nicht über die Lip­pen. Stattdessen ver­steigt er sich zu einem riskan­ten Ver­gle­ich: Pram­mer und Öllinger wür­den offen­sichtlich Jour­nal­is­ten gerne ins Gefäng­nis steck­en wollen – so wie das der Fall ist in Weißrussland.

Der Gen­er­alsekretär der FPÖ sei in diesem Zusam­men­hang nicht nur an den Ver­such seines Parte­ichefs, den Jour­nal­is­ten Ed Moschitz zu krim­i­nal­isieren, erin­nert, son­dern auch an die selt­same Allianz, die der FPÖ-Abge­ord­nete Wern­er Neubauer im Jahr 2010 auf Ebene der OSCE geschlossen hat: das „Forum of Iden­ti­ties“. Da waren nicht nur recht­sex­treme Par­la­men­tari­er dabei, son­dern auch ein weißrus­sis­ch­er Abge­ord­neter — kein Oppos­tioneller und Kri­tik­er der Regierung Lukaschenko! Neubauer bejubelte damals den gemein­samen Auf­trag, mit dem die Ideen der Frei­heit und des gegen­seit­i­gen Respek­ts der Iden­tität der Völk­er unter­stützt wer­den sollten.

Vielle­icht ist Vil­im­sky doch eher nur für weit­ere Taser-Selb­stver­suche geeignet und nicht für den Job als Generalsekretär?