Offene Fragen zu Sebastian Ortner

Vier Stun­den Film­ma­te­r­i­al über Neon­azis bei Wehrsportübun­gen, beim Exerzieren, bei Inter­views, bei poli­tis­chen „Schu­lun­gen“ durch VAPO-Chef Got­tfried Küs­sel. Ziem­lich promi­nent darunter: Sebas­t­ian Mül­leg­ger alias Ort­ner. Ort­ner ist jet­zt Klubob­mann der FPÖ im Linz­er Gemein­der­at. Gegenüber dem „Kuri­er“ beteuert Ort­ner, er sei 1988 aus der VAPO aus­ge­treten und habe sei­ther keine Kon­tak­te zu Küs­sel. Da haben wir noch Nach­fra­gen.

So manche Sequen­zen des ungeschnit­te­nen Film-Mate­ri­als sind ermü­dend: etwa wenn sich Got­tfried Küs­sel in ein­er poli­tis­chen Schu­lung für seine Neon­azi-Truppe ver­sucht. Da kämpfen nicht nur die jüng­sten VAPO-Kam­er­aden in der Runde heftig mit dem Schlaf, son­dern auch die, die sich das viele Jahre später ansehen.

Got­tfried Küs­sel und Sebas­t­ian Ort­ner beim Stockkampf:
[youtube o5mlUZqiPLE] 

Im übri­gen wird viel exerziert, marschiert und gekämpft. Sebas­t­ian Ort­ner, der damals noch Mül­leg­ger hieß, ist mit­ten dabei, wenn Halsstich, Kehlkopf­schnitt und Nieren­stich am poten­tiellen Feind demon­stri­ert und geübt wird.

Sebas­t­ian Ort­ner ist heute Klubob­mann der FPÖ im Linz­er Gemein­der­at. Damals war er stel­lvertre­tender Kam­er­ad­schafts­führer der Volk­streuen Außer­par­la­men­tarischen Oppo­si­tion (VAPO) des Got­tfried Küs­sel in Salzburg. Das Film­ma­te­r­i­al zeigt ihn bei mehreren Inter­views. In mäßigem Englisch beant­wortet er Fra­gen zu sein­er poli­tis­chen Gesin­nung und den Zie­len sein­er Gruppe. Got­tfried Küs­sel im Hin­ter­grund ist gön­ner­hafter Beobachter. In anderen Auss­chnit­ten beant­wortet er die Fra­gen des Inter­view­ers auf Deutsch. So wie etliche andere Kam­er­aden, die sich über ihre nation­al­sozial­is­tis­che Gesin­nung ausbreiten.

Hans-Jörg Schi­manek jun. schult Sebas­t­ian Ortner:
[youtube tIl3MxfMxPA] 

Aus dem Film­ma­te­r­i­al selb­st lassen sich keine exak­ten Rückschlüsse auf den Zeit­punkt der Drehar­beit­en ziehen. War es 1988? Sebas­t­ian Ort­ner alias Mül­leg­ger behauptet, er sei 1988 aus der VAPO aus­ge­treten – das müsste kurz nach den Auf­nah­men gewe­sen sein. Oder war es doch später?

Got­tfried Küs­sel, der vor kurzem zu 9 Jahren Haft (nicht recht­skräftig) im Alpen-Donau- Prozess verurteilt wurde, hat viele neg­a­tive Eigen­schaften. Eine aber ist lobenswert, auch wenn sie ihm selb­st nicht unbe­d­ingt nüt­zlich war: er schreibt gerne Lis­ten. Auch in sein­er Ära als VAPO-Chef ver­fer­tigte er solche Listen.

Sebas­t­ian Ort­ner und der Halsstich:
[youtube SbxC-P2nv98] 

Die Zeitschrift „Wiener“ veröf­fentlichte im Mai 1992 eine solche Liste, die Got­tfried Küs­sel angelegt hat­te: rund 900 Kon­tak­te, darunter auch Sebas­t­ian Mül­leg­ger. Das allein sagt noch nicht viel. Eine andere Liste von Küs­sel nen­nt Mül­leg­ger als stel­lvertre­tenden Kam­er­ad­schafts­führer für Salzburg, erre­ich­bar über ein Post­fach in Salzburg. Und dann gibt es noch ein Schreiben vom 4.April 1991, das Küs­sel mit dem Titel „Der Bere­ich­sleit­er“ und dem Gruß „Sieg und Heil“ an den Salzburg­er Kam­er­ad­schaft­sleit­er Gün­ther Reinthaler richtete. In diesem Schreiben bit­tet Küs­sel den „lieben Gün­ther“ um eine Aktu­al­isierung der beigelegten Kon­tak­te aus Oberöster­re­ich und Salzburg und um genaue Infor­ma­tio­nen, „wann und wo das Tre­f­fen am 20. April stat­tfind­en wird“. Auch in dieser Liste wird Mül­leg­ger angeführt.

Nach den Angaben Ort­ners war Mül­leg­ger damals schon längst nicht mehr bei der VAPO. Dur­chaus möglich? Aber wo war er dann? Nach den Angaben Ort­ners hat­te Mül­leg­ger seit 1988 keine Kon­tak­te mehr zu Küs­sel. Denkbar – aber hat­te er danach Kon­tak­te zu anderen Neon­azis bzw. Neon­azi-Grup­pen? Nach den Angaben Ort­ners gegenüber dem „Kuri­er“ hat er sich glaub­haft von sein­er Ver­gan­gen­heit dis­tanziert. Wann und wie? Ist die FPÖ Linz wirk­lich ein glaub­hafter Ort für die Resozialisierung?

Wehrsport-Hop­palas mit Got­tfried Küssel:
[youtube Sedli3h4CFQ] 

Uwe Sail­er, Krim­i­nalpolizist und Daten­foren­sik­er aus Linz, hat gegen Sebas­t­ian Ort­ner und andere Anzeige wegen des Ver­dachts der NS-Wieder­betä­ti­gung erstat­tet. Der „Kuri­er“ berichtet in sein­er Print-Aus­gabe vom 17.4.2013, dass die Staat­san­waltschaft Linz prüft, ob ein Ermit­tlungsver­fahren ein­geleit­et wird.

Unsere bish­erige Berichter­stat­tung zu Sebas­t­ian Ortner:

Stoppt­dierecht­en-Beiträge zu Sebas­t­ian Ort­ner.