Death in June: Versteckspiel mit Polizeibegleitung

Die angekündigten Auftritte der braunen Bar­den von Death in June im Club Mas­siv in Wien Land­straße fan­den nicht statt. Uns wurde mit­geteilt, sie wären behördlich unter­sagt wor­den. Der Ver­anstal­ter Totem Records, der auch einen Laden im 7. Bezirk betreibt, disponierte um: bei­de Konz­erte fan­den im Verkauf­s­laden von Totem statt. Ein Ver­steck­spiel mit Polizeibegleitung.

Death in June müssen wir hier nicht mehr vorstellen – wir haben die Band, die fast auschließlich von ihrem Sänger Dou­glas Pearce lebt, schon im Vor­jahr aus­re­ichend beschrieben. Für den 21. und 22. Novem­ber 2012 waren zwei Konz­erte im Club Mas­siv im 3. Bezirk in Wien angekündigt. Im Vor­feld kündigte die Sozial­is­tis­che Linkspartei (SLP) an, gegen den Auftritt der Nazi-Bar­den von Death in June mobil­isieren zu wollen. Kurz vor der ersten Ver­anstal­tung am 21. Novem­ber kam dann die Nachricht, dass die Konz­erte im Club Mas­siv behördlich unter­sagt wor­den seien. Eine genauere Begrün­dung ist uns nicht bekannt.


SS-Totenkopf-Fahne hin­ter Dou­glas Pearce
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Der Konz­ertver­anstal­ter Totem Records disponierte kurzfristig um, räumte seinen Laden aus und drapierte ihn mit für Death in June typ­is­chen Sym­bol­en: SS-Totenkopf mit der Zahl 6 neben Regen­bo­gen-Fahne. Zum Konz­ert, das Pearce solo absolvierte, erschienen 30 bis 40 Fans, darunter einige Burschen­schafter. Sie wur­den tele­fonisch zwei Stun­den vor Beginn über den neuen Ver­anstal­tung­sort informiert. Auf die beson­deren Umstände des impro­visierten Auftritts nahm auch Pearce Bezug, indem er von den „üblichen Verdächti­gen“ sprach, die Prob­leme bere­it­eten. Dann noch ein bemühter „Scherz“ mit dem unge­fähren Wort­laut „Thanks for accept­ing those anti­se­mit­ic melodies – here’s anoth­er one!“, worauf dann „All Pigs must die“ gespielt wurde.

Auch am näch­sten Tag gab es eine kurzfristige Ver­ständi­gung der Tick­et-Besitzer durch Totem-Records über den Ver­anstal­tung­sort: wieder der Laden im siebten Bezirk, wieder 30 ‑40 Besucher.


Bekan­nt­gabe des Ver­anstal­tung­sort per Mail
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Bei­de Ter­mine wur­den der Polizei gemeldet, die am ersten Tag zum Ende des kurzen Auftritts von Pearce auf­tauchte. Am zweit­en Abend wurde das Konz­ert abge­brochen, als die Polizeistreife im Laden auf­tauchte, nach eini­gen Minuten aber wieder fort­ge­set­zt. Der tele­fonis­che Kom­men­tar eines Polizis­ten an seine Zen­trale: “Wenn man mich fragt, da ist kein­er dabei, der so auss­chaut!“.

Ver­mut­lich war er instru­iert wor­den, nach ein­deutig erkennbaren Neon­azis Auss­chau zu hal­ten. Da im Unter­schied zum let­ztjähri­gen Auftritt Pearce aber nicht „Nationaler Sozial­is­mus – jet­zt, jet­zt, jet­zt!“ brüllte noch Nazi-Skins erkennbar waren, zog die Polizeistreife ein­fach wieder ab.

Ob und welche rechtlichen Kon­se­quen­zen es für den Ver­anstal­ter gibt, wer­den wir hof­fentlich noch in Erfahrung bringen.