Wien: Braune Barden im Anmarsch!

Für den 27. 10. 2011 hat sich die Nazi-Band Death in June für Wien angesagt. Die Promotion für die Europa-Tour von Death in June läuft vorwiegend über Netzwerke. Das Konzert, das Death in June gemeinsam mit Fire & Ice und Vurgart geben, wird als Privatveranstaltung beworben. So versuchen die Veranstalter, das Wiener Veranstaltungsgesetz und das NS-Verbotsgesetz zu umgehen. Handelt es sich bei Death in June um eine Nazi-Band? Wikipedia gibt sich vorsichtig – ja schon, aber…! Die Sache ist aber glasklar, wenn man den Text unten liest, den wir einer ausgezeichneten Dokumentation entnehmen (Dank an die VerfasserInnen)! Fire & Ice liegt auf gleicher Wellenlänge, nur Vurgart hebt sich deutlich ab.


Death in June: Hommage an SA- Chef Röhm

Die Bezeichnung Death In June, „Der Tod im Juni“, ist eine Hommage an Ernst Röhm, den langjährigen Führer der SA, der Sturmabteilung der NSDAP. Zwar streitet Douglas Pearce dies als Grund für die Namensgebung ab, aber verschiedene Statements untermauern diese Annahme.

Pearce: „Auf der Suche nach einer zukünftigen politischen Perspektive stolperten wir über den Nationalbolschewismus, der sich wie ein Leitfaden durch die Hierarchie der SA zog. Leute wie Gregor Strasser und Ernst Röhm […] fielen uns auf.“1 Neben der Namensgebung huldigten Death in June auch mit ihren ersten Veröffentlichungen dem SA-Führer Röhm. Die Maxi Heaven Street und die Single State Laughter erhielten die Katalognummern SA 290634 beziehungsweise SA 300634 auf dem eigens für Death in June gegründeten Label New European Recordings (NER). Die Daten stehen für die Nacht vom 29. auf den 30. Juni 1934, die als „Röhmputsch“ in die Geschichte einging.

Das bekanntere der beiden Bandsymbole wurde mit dem Erscheinen der ersten Single State Laughter 1982 eingeführt. Auf dem Cover prangte ein SS-Totenkopf, das Symbol der soldatischen Elite des Nationalsozialismus. Dass die Wahl dieses Symbols bewusst getroffen worden ist, hob Pearce im Interview mit dem rechten Szenemagazin Sigill hervor: „Ja, Death in June hat immer alles mit sündlosem gutem Geschmack getan und mit dem passenden Verständnis zur Ästhetik und dem Symbolismus hinter den Dingen.“2 Laut Pearce verwendet seine Band den SS-Totenschädel aus den gleichen Gründen wie die SS: „Es zeigt den totalen Einsatz. Und es zeigt deinen Feinden, dass sie nicht toleriert werden..“.3

Am Cover des Albums All pigs must die präsentiert sich Pearce im Tarnfleck der Waffen-SS, in der rechten Hand hält er einen Dolch der SA mit der Aufschrift: „Alles für Deutschland“. Pearce verwendet in diesem Album auch antisemitische Codes. So wird im Lied We said destroy II offen auf das orthodoxe Judentum angespielt, aus Shakespeares Der Kaufmann von Venedig zitiert und indirekt die dort handelnde Person des Shylock aufgerufen. In einem anderen Lied ist von shylock piggies die Rede, der Titel der gesamten Veröffentlichung lautet dann auch All pigs must die.4

Von Death In June befinden sich gleich zwei Alben auf dem deutschen Index. So etwa der Tonträger mit dem bezeichnenden Namen Brown Book. Dass es sich dabei um eine positive Retrospektive auf das Dritte Reich und die SA handelt, spiegelt sich in einer darauf befindlichen a cappella Version des Horst-Wessel-Liedes, das einem Trauergesang ähnelt.

Auf dem Tonträger befindet sich auch das Lied Runes and Men, dem es weniger um Runen, als vor allem um den Traum von vergangenen Zeiten geht: „Then my loneliness closes in / So, I drink a German wine / And drift in Dreams of other Lives / And greater Times“. Das Lied wird getragen von einem Sample aus einer Rede des Gauleiters von München-Oberbayern, Adolf Wagner, der 1933 bayrischer Innenminister wurde. Wagner rechtfertigte in ihr die Ermordung der SA-Führung im Juni 1934. Ein derartiges Sample verdeutlicht, von welcher Zeitperiode der Sänger träumte und immer noch träumt: „Während ich mich in der Unsicherheit des „Jetzt“ befinde, sehne ich mich nach einer Zukunft voller Freude und den großen Zeiten des Gestern!!!“ 5, erläuterte Pearce die Textpassage1997. Brown Book befindet sich in der Indizierungs-Kategorie B in Deutschland, wonach „absolutes Verbreitungsverbot“ besteht.6

1992 reiste Douglas Pearce während des Krieges nach Kroatien, um ein Konzert mit Death In June zu geben. Gemeinsam mit Sinisa Ocurscak (Tehom), einem kroatischen Soldaten einer Spezialeinheit, besuchten sie zuvor einen Frontabschnitt, der von einer Einheit der neofaschistischen HOS-Miliz gehalten wurde.7 Für das Album Theriomorphic Spirits von Ocurscak, die in Kooperation mit Pearce entstand, ließ sich Ocurscak martialisch in einer Uniform mit dem Emblem der HOS auf dem rechten Arm ablichten. Auf dem Logo der HOS, befindet sich der Ausspruch „Za dom spremni“, der von der faschistischen Ustascha- Bewegung ausgegeben wurde.8

Darauf nimmt auch Douglas Pearce Bezug, indem er auf den Vinyl-Platten des Death In June Albums Something is Coming den Schriftzug „Hvala Dinko! Za dom spremni?“9 eingravieren lasst; was soviel heißt wie „Danke Dinko!10 Für das Vaterland, jetzt?“. Eine weitere Gravur lässt sich ebenfalls auf der LP finden: „This is the Hosrotorvator….“.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Solidarität von Pearce mit Kroatien während des jugoslawischen Bürgerkriegs zu sehen, als der Erlös des DIJ-Albums Kapo! – die teilweise auch in Kroatien aufgenommen wurde – an die Bolniki-Klinik in Zagreb gespendet wurde: „Das war keine reine humanitäre Geste. Es war eine kulturelle. Es war eine sozio-europäische politische Geste“.11

Für Pearce stand in diesem Krieg Kroatien „an der Spitze der europäischen Kultur und Zivilisation. Symbolisch bedeutet dieser Krieg alles.“12 Ein Konflikt, der damals international bei den Neonazis hoch im Kurs stand und viele von ihnen bewog an der Seite der HOS zu kämpfen. „Kroatien könnte das erste nationalsozialistische Land werden nach Deutschland“, so ein Neonazi bei der HOS-Miliz gegenüber dem Spiegel 1992.13

Um den potentiellen zukünftigen „Grufties mit Glatze“ eine bildhafte Vorstellung von Death In June und dem entsprechenden Segment der Schwarzen Szene zu geben, griff das rechte Skinhead- Fanzine Rock Nord zu folgendem Vergleich: „Will man dem Leser, der Death In June & Co. nicht kennt, einen musikalischen Vergleich liefern, konnte man da gut und gerne einen Frank Rennicke erwähnen, dessen CDs den neueren DIJ doch sehr ähneln. Damit dürfte wohl auch das Interesse des letzten Rock Nord Lesers geweckt sein.“14 Der Artikel wurde erneut in Volkstreue Zeiten, Heft für den nationalen Widerstand Sachsen-Anhalt veröffentlicht.

Rennicke ist ein Liedermacher, der vorwiegend auf Veranstaltungen der NPD auftritt und alte deutsche Weisen, Marschlieder der Bewegung und selbstersonnenes rechtes Liedgut vorträgt.

Fire & Ice : Bruder im Geist

Fire & Ice ist eine 1991 gegründete englische Neofolk-Band um den Frontmann Ian Read. Read beteiligte sich u.a. an Alben wie „Swastikas for Noddy“ 1996 (Swastika = Hakenkreuz) von Current 93 und „Brown Book“ Death In June. Wenig später wirkte er bei Sol Invictus mit und gründete die Band Fire & Ice.

In einem Interview mit dem Dark Wave Fanzine „Sigill“ (Nr. 8 ) erklärt Read, als er auf „faschistische und rassistische Ideen“ angesprochen wird: „Keine Idee ist völlig wertlos. Die Deutschen hatten einen riesigen Komplex, der ihnen, ehrlich gesagt, von einer Nachkriegsgehirnwäsche eingeimpft worden war. (…) Deutsche Magier sollten sich wirklich von den Meinungen darüber was „korrekt“ ist und was nicht (…), die ihnen die Leute aufgedrängt haben, befreien.“ Das Fanzine „Sigill“ wurde von Stephan Pockrandt herausgegeben.

Vurgart

Ist ein Folk-Bänkelsänger – vermutlich aus dem Saarland. Wir haben sonst nichts Bedenkliches gefunden – bisher!


  1. Richards, Derek B.: Death in June. In: Zillo, Heft 5, 1992
  2. Sexy Uniforms. In: Sigill, Nr. 6, 1994
  3. Douglas Pearce in einem Selbstportrait, in: The Feverish, Nr. 5
  4. http://www.turnitdown.de/91.html
  5. Vgl.: Death In June. Das Interview (20.4.1997). In: Die Pest, Nr. 6, 1997
  6. http://de.wikipedia.org/wiki/Bundespr%C3%BCfstelle_f%C3%BCr_jugendgef%C3%A4hrdende_Medien
  7. „Nach dem Ausflug zur Front folgte ein Besuch des HOS-Hauptquartiers in Zagreb. Hier machte Pearce einig Fotos von der ‚Todesmauer‘, die für die Gestaltung des Tonträgers Death In June presents KAPO! verwandt wurden.“ In: Ästhetische Mobilmachung, Unrast Verlag 2002, S. 150
  8. http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/1564506/Nazi-salutes-to-Croatian-rock-star-Thompson.html
  9. http://www.deathinjune.net/disco/dij-somethingiscoming.htm
  10. Vermutlich wird hier auf Dinko Šakić Bezug genommen: Dinko Šakić (September 8, 1921 – July 20, 2008) was a convicted Croatian war criminal, an army leader of the fascist Independent State of Croatia (NDH), established under Third Reich and Italian tutelage, and commander of the Jasenovac concentration camp during World War II.
  11. Phillip: Death In June
  12. Thiel Marco: Death In June. In: Europakreuz, Nr. 2, 1996
  13. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13682359.html
  14. Thiel, Marco [Herausgeber des neofaschistischen Dark-Wave und Industrial-Magazins Europakreuz]: Rose clouds of holocaust – die englische Band Death In June. In: Rock Nord, Nr. 26, 1997