Alpen-Donau: ein Burschenschafter als „Heiler“

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Die Staats­an­walt­schaft Wien beschul­digt Felix B. im der­zeit lau­fen­den Pro­zess gegen die ver­mut­li­chen Initia­to­ren von Alpen-Donau, im inter­nen Forum unter dem Nick­na­me „Hei­ler“ als Mode­ra­tor tätig gewe­sen zu sein. „Hei­ler“, „Anti­sem“ und „Hei­mat­los“ waren seit dem ers­ten Tag (21.3. 2009) im Forum der Alpen-Nazis registriert.

Hei­ler zeich­ne­te sei­ne Bei­trä­ge mit der Bezeich­nung „Arzt“ und einem wider­li­chen, vom frü­hen Natio­nal­so­zia­lis­ten und Frei­korps­kämp­fer Ger­hard Roß­bach ent­lehn­ten Mot­to: „Das Geschwür auf dem kran­ken Volks­kör­per muss auf­ge­schnit­ten und aus­ge­presst wer­den, bis das rote Blut her­aus­fließt. Man muss es eine gute Wei­le rin­nen las­sen, bis der Kör­per gerei­nigt ist“.

Ende Mai 2009 ver­weist Karl Ash­ni­kow, der sich als FPÖ-Mann vor­ge­stellt hat, auf einen Bei­trag von unzensuriert.at, in dem Harald Vilims­ky, der Gene­ral­se­kre­tär der FPÖ, zu einer Unter­schrif­ten­ak­ti­on für Mar­tin Graf auf­for­dert. Ash­ni­kow: “Die oben ste­hen­de Nach­richt habe ich von mei­nem Par­tei­freund erhal­ten. Unter­stützt ihn doch bit­te den Graf“. Die Reak­tio­nen der ande­ren sind wohl­wol­lend. Stu­ka-Franz meint: „Graf gehört sicher zu den guten vom FPÖ-Deppenverein!“


Hei­ler im Alpen-Donau-Forum
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Auch wewels­burg ist dafür, Graf zu unter­stüt­zen, kri­ti­siert aber die FPÖ und ihren Wahl­kampf-Comic. Da mischt sich Hei­ler in die Debat­te ein: „Das Comic fin­det ganz sicher die rich­ti­gen Abneh­mer, ich will die FPÖ nicht ver­tei­di­gen. Aber das ist sicher­lich gute Pro­pa­gan­da. Die meis­ten die das bekom­men, lesen nichts und haben kei­nen blas­sen Schim­mer, für die ist das gedacht“.

Hei­lers Posi­ti­on zur FPÖ ist also durch­aus dif­fe­ren­ziert, auch und gera­de weil er im glei­chen Pos­ting eine nega­ti­ve Bemer­kung zu Goeb­bels durch die FPÖ so cha­rak­te­ri­siert: “Na ja da sind die halt ganz Sys­tem­par­tei“.

In einem ande­ren Dis­kus­si­ons­strang wird deut­lich, dass Hei­ler ein inti­mer Ken­ner der Bur­schen­schaf­ter- Sze­ne ist, ein Bur­schi eben! User Rag­nar prä­sen­tiert ein Inter­view mit dem Spit­zen­kan­di­da­ten des RFS, Phil­ipp Schrangl, der sich zu der Aus­sa­ge hin­rei­ßen ließ: “Die Uni­ver­si­tät soll ein Kul­tur­schmelz­punkt sein, da soll aus allen Kul­tu­ren etwas zusam­men­kom­men, Ras­sis­mus oder Aus­län­der­feind­lich­keit hat auf Uni­ver­si­tä­ten nichts ver­lo­ren“. Rag­nar ist ent­setzt: “Was ist denn mit die­sem Idio­ten los?“

Hei­ler, der Bur­schi-Ken­ner ant­wor­tet: “OÖ Ger­ma­nen halt, geben ja nicht Unbe­ding­te Satis­fak­ti­on. Lasch im „klei­nen”, Lasch im Gro­ßen“.

Hei­ler ist der flei­ßigs­te unter den Initia­to­ren des Alpen-Donau-Forums ali­n­fo­do. Er stellt die meis­ten Mel­dun­gen rein, ist aber sehr knapp mit Kom­men­ta­ren. Das macht es nicht ein­fach, ihm per­sön­li­che Merk­ma­le zuzu­ord­nen. Sicher ist, Hei­ler hat bes­te Kennt­nis­se über das Innen­le­ben der Bur­schis: nur Ein­ge­weih­ten ist geläu­fig, wel­che Kor­po­ra­tio­nen in Öster­reich noch dem Prin­zip der unbe­ding­ten Satis­fak­ti­on (ver­ein­facht: dem Duell) anhän­gen. Auch sein Ver­hält­nis zur FPÖ ist abge­klär­ter als bei den meis­ten ande­ren. Auf­fäl­lig ist aber, dass sein Renom­mee im Forum eher beschei­den bleibt, wäh­rend Anti­sem, der mit Bei­trä­gen geizt, ein hohes Anse­hen im Forum genießt.

Felix B. ist Bur­schen­schaf­ter der Grenz­lands­mann­schaft Cim­bria, einer Ver­bin­dung, die nicht nur etli­che Nach­wuchs­ka­der für die neo­na­zis­ti­sche VAPO in den 90er Jah­ren gestellt hat, son­dern schon vor­her am rech­ten Rand ange­sie­delt war: „Durch ihre Anzahl und ihre Bereit­schaft, Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, haben in unse­rem Bund die in den Drei­ßi­ger Jah­ren aktiv gewe­se­nen Bun­des­brü­der über­ra­gen­de Bedeu­tung bis weit in die Acht­zi­ger Jah­re gehabt“, heißt es in der Fest­schrift der Cim­bern. Felix B., der zunächst in der Neu­en Jugend­of­fen­si­ve (NJO) werk­te, ist ein Ver­trau­ter von Gott­fried Küs­sel, bei den meis­ten Auf­trit­ten sowie woh­nungs­mä­ßig eng an des­sen Sei­te, hat­te aber auch – nicht nur im Alpen-Nazi-Forum, wo Frei­heit­li­che wie Karl Ash­ni­kow mit Neo­na­zis über Nick­na­mes kom­mu­ni­zier­ten – immer wie­der mal öffent­li­che Kon­tak­te zu Frei­heit­li­chen, refe­rier­te etwa 2003 beim RFJ Donau­stadt (Mar­cus Vet­ter) und 2004 beim Kul­tur­ring, einer Vor­feld­or­ga­ni­sa­ti­on der FPÖ.

Mal sehen, was der Pro­zess gegen die mut­maß­li­chen Alpen-Nazis offen­le­gen wird.

Stan­dard-Bericht­erstat­tung.