Braune auf Facebook

In den sozialen Net­zw­erken von „Face­book“ bis „Youtube“ tum­meln sich auch Recht­sex­treme bzw. Neon­azis. Mehr als 13.000 Fans hat­te etwa die Gruppe „Kinder­schän­der – für Euch eröff­nen wir wieder Mau­thausen!!“, bevor sie von „Face­book“ geschlossen wurde.
Einige dieser Grup­pen dienen aber nicht nur der Mobil­isierung von Emo­tio­nen, son­dern auch der besseren Organ­isierung von Neon­azis untere­inan­der. In den let­zten Monat­en waren das etwa die Grup­pen „Objekt 21“, „AG Pas­sau“ und „Son­nen­stu­dio 88“, die – nach­dem über sie berichtet wurde – ihre öffentliche oder hal­böf­fentliche Präsen­ta­tion auf­gaben bzw. die Zugänge sperrten.

Sonnenstudio 88

Schon beim „Aufruhr“-Versand kon­nte man sich die ein­schlägi­gen Shirts bestellen: vorne die Auf­schrift „Son­nen­stu­dio 88“ und hin­ten „Auch ohne Sonne braun“, damit auch der dümm­ste Nazi über diesen lusti­gen Witz wiehern kann.
Im Früh­jahr 2010 wurde eine „Facebook“-Gruppe mit dem Titel „Son­nen­stu­dio 88“ ein­gerichtet. Als Admin­is­tra­tor fungierte ein „E‑Mani Aryan“. So wie die meis­ten der über 20 Teil­nehmerIn­nen an der Gruppe kommt er aus der Gegend um Wiener Neustadt.
Auf­fäl­lig die Inter­essen bzw. „Gefällt mir“-Seiten der „Sonnenstudio“-TeilnehmerInnen: „Nationale Volkspartei“, „NPD-Die soziale Heimat­partei“, „Bar­bara Rosenkranz“ und natür­lich „HC Stra­che“ dominieren. Etlichen gefällt „Jagd­kom­man­do“, eine Spezialein­heit des Öster­re­ichis­chen Bun­desheeres, die auf Face­book mit ein­er nicht offiziellen Fan­seite vertreten ist. Ein­er der User nen­nt als Mot­to „Meine Ehre heisst Treue“, ein ander­er war mit sein­er Bun­desheer-Uni­form im „Son­nen­stu­dio 88“ präsent.

Das Forum präsen­tierte sich mit fol­gen­der Beschreibung:

All­ge­meines
Name: Son­nen­stu­dio 88
Kat­e­gorie: Organ­i­sa­tio­nen — Interessenvereinigungen
Beschrei­bung: auch OHNE Sonne braun ;)
Art der Privatsphäre:
Offen: Alle Inhalte sind öffentlich zugänglich.
Es gibt diese Leute die in ferne Län­der fliegen, um schwitzend in der heißen Mit­tagssonne rum zu liegen, Typen schwarz wie Neger, Fraun wie Afrikaner­in­nen, wis­sen die denn nicht Gesunde Bräune kommt von Innen.

Ende März 2010 ist „ Son­nen­stu­dio 88“ aus Face­book ver­schwun­den. Die Teil­nehmerIn­nen haben sich mit­tler­weile ein­er anderen Partei zuge­wandt. Nicht mehr die „Nationale Volkspartei“(NVP) , son­dern die recht­sex­treme „Heimat­partei Öster­re­ich“ ist jet­zt ihr Favorit.
Die NVP des Robert Fall­er dürfte spätestens seit der Ver­haf­tung ihres Aktivis­ten Mario Aula­bauer aus Wiener Neustadt weit­er an Akzep­tanz inner­halb der Neon­azi-Szene ver­loren haben. Die „Heimat­partei Öster­re­ich“, ursprünglich eine Abspal­tung der NVP in Salzburg, ver­sucht nun den Platz zu füllen.

AG Passau

Die AG Pas­sau war eben­falls bis vor kurzem auf Face­book als Gruppe vertreten und entspricht einem neuen Organ­isierungsmuster der Neon­azis, die nicht mehr über klas­sis­che Parteien, son­dern über „freie Kam­er­ad­schaften“ agieren. Über die „AG Pas­sau“, die sich – damit kein Zweifel offen bleibt – selb­st „aktioN­S­ge­mein­schaft pas­sau“ nen­nt, fan­den Neon­azis aus Oberöster­re­ich und dem süd­deutschen Raum („Wider­stand Süd“) zu gemein­samen Aktionen.

Pöbeleien, Schlägereien, gemein­same Demon­stra­tio­nen (etwa in Pas­sau und Dres­den) oder Nazi-Konz­erte find­en immer häu­figer gren­züber­schre­i­t­end statt.
Von öster­re­ichis­ch­er Seite waren in der AG Pas­sau vor allem die Innviertler Neon­azis und Nazi-Skins vertreten – und ein FPÖ-Gemein­der­at aus Redleit­en („Jür­gen Redloiten“).

Objekt 21

Beziehun­gen, teil­weise per­son­elle Iden­titäten gab es auch zu ein­er weit­eren Seite auf Face­book, dem „Objekt 21“.

„Objekt 21“ ist der Name eines im März 2010 gegrün­de­ten Freizeit- und Kul­turvere­ins in Desselbrunn/OÖ. Der Vere­in, der sich in einem Bauern­hof in Des­sel­brunn eingemietet hat, war der Tre­ff­punkt etlich­er ein­schlägig bekan­nter Neon­azis, darunter Jür­gen Wind­hofer, der als eigentlich­er Betreiber gilt.

Rechte Gäste des Objekts 21
(Quelle: http://rfjwatch.wordpress.com/2010/05/17/neonazi-treff-mit-verbindungen-zu-fp-gemeinderat/ )

Wind­hofer hat eine mehr als frag­würdi­ge Karriere:
2001 wur­den laut Kuri­er bei ihm hun­derte ein­schlägige CDs bei ein­er Haus­durch­suchung gefun­den. Ein­tra­gun­gen ins Strafreg­is­ter waren die Folge.
2005 erfol­gte eine Verurteilung nach dem NS-Ver­bots­ge­setz (§ 3g).
2009 wurde W. wegen der Grün­dung des „Kampfver­ban­des Ober­donau“ gemein­sam mit anderen neuer­lich zu ein­er Haft­strafe verurteilt: 36 Monate, davon 12 Monate unbe­d­ingt.. Wind­hofer hat gegen das – milde ‑Urteil berufen. Beim Prozess sagten Belas­tungszeu­gen nicht aus – offen­sichtlich aus Angst vor den Angeklagten.
2009 fand in Grünau/Almtal ein Nazi-Konz­ert statt, das als Sol­i­dar­ität­skonz­ert für W. gehan­delt wurde.

Der oberöster­re­ichis­che Ver­fas­sungss­chutz, der noch vor kurzem behauptet hat­te, dass gegen den Nazi-Vere­in nichts vor­liegt, hat mit­tler­weile – nach etlichen Bericht­en in „Kuri­er“, „Öster­re­ich“ und „OÖN“ – angekündigt, gegen den Vere­in vorge­hen zu wollen. Sicher­heits­di­rek­tor Lissl sprach beruhi­gend von nur „ein­er Hand voll“ Leuten, die in dem Objekt ein- und ausgehen.

Der Ver­mi­eter des mit­tler­weile mit NS-Sym­bol­en aus­ges­tat­teten Bauern­hofs ist der Vater von Ste­fan Ruzow­itzky („Die Fälsch­er“), der von dem Treiben und der Ein­stel­lung der Mieter keine Ahnung hat­te. Ste­fan Ruzow­itzky macht sich Sor­gen um seinen Vater, weil dieser den Mietver­trag gekündigt hat.

Quellen:
„Kuri­er“, „Öster­re­ich“, „OÖN“, 1.6.2010 ff)
Weit­ere Infor­ma­tio­nen über „Objekt 21“: rfjwatch
Vere­in­sreg­is­ter­auszug „Objekt 21“