Über die peinlichen Versuche FPÖ-naher Werbeagenturen, bei AfD-Organisationen lukrative Verträge abzuschließen, haben „profil“ (23.10.26) und „Standard“ (27.10.26 und 28.10.26) geschrieben.
Die Daten der AfD-Leaks reichen faktisch bis zur Gründung der AfD im Jahr 2013 zurück. Welche und wie viele Accounts der AfD durch den Hack geknackt wurden, ist nicht ganz klar. Neben offiziellen Partei-Accounts wie dem Bundesschiedsgericht waren auch solche von prominenten Funktionär:innen wie Alexander Gauland, dem ehemaligen Bundesvorsitzenden der AfD, betroffen.
Der Ex-FPÖ-Politiker Horst Rudolf Übelacker über Angela Merkel
Im Leak sind auch Mails von Horst Rudolf Übelacker aus Linz zu finden – quasi als Beifang. Einige seiner Mails zeichnet Übelacker mit diversen Titeln: Universitätsprofessor, Bundesbankdirektor a.D., Gemeinderat der Stadt Linz a.D. In den Aufzählungen fehlt eigenartigerweise seine langjährige Tätigkeit als Funktionär des rechtsextremen Witiko-Bundes, die von Stoppt die Rechten ausführlich gewürdigt wurde. Übelacker saß zwischen 2009 und 2015 für die FPÖ im Linzer Gemeinderat.
Als eines seiner Mails 2018 im Postfach des AfD-Bundesschiedsgerichts auftauchte, war er nicht mehr FPÖ-Gemeinderat in Linz – seine politische Einstellung hat sich aber vermutlich nicht geändert. Übelackers Mail besteht aus einer „Weiterleitung“ und einem Kommentar dazu. Weitergeleitet wurde ein mittlerweile wegen Hassrede gesperrtes YouTube-Video über Angela Merkel. Der beigefügte Kommentar von Walter C. ist auf wenigen Zeilen zugleich antisemitisch, rassistisch und revisionistisch.
Übelacker übernimmt diese Mail und fügt seinen Kommentar hinzu:
Liebe Freunde,
hier eine Information, die vom Mainstream (al. „Lügenpresse“) und von weiteren angepaßten Medien bisher gekonnt unterdrückt worden ist:
Angela Merkel (verheiratet, öffentlich allein auftretend, sich zur Ehe für alle (!) bekennend, neuerdings womöglich sogar schon getrennt lebend) ist Jüdin, spricht hebräisch als „Muttersprache“ (vgl. auch den Youtube-Nachweis).
Gründe für das Verschweigen werden dem „mündigen Bürger“ nicht genannt. Warum auch? Er (oder sie) muß ja nicht alles wissen! Wählen gehen genügt.
Gegen die „Vielsprachigkeit“ und gegen das deutschfeindliche Umfeld wäre wohl nichts einzuwenden, wäre da nicht die „fatale Sache“ mit dem Regierungsamt und den daraus erwachsenden Pflichten (vgl. Verfassungseid: Schaden und Nutzen …).
Diese Pflichten verletzt sie nach dem Zeugnis von hohen Juristen und Verfassungsrichtern spätestens seit 2015 permanent, was Ursachen- und Motivforschung auslöst und im Lichte der hier mitgeteilten, bisher unterschlagenen Information samt familiärem Hintergrund ernste Zweifel wecken muß.
Um es klar zu sagen Es geht nicht nur um Merkel, es geht vielmehr um die Beachtung deutscher Interessen, um Volk und Staat, die langlebiger sein sollten als das Individuum.
Deshalb:
Lesen und bedenken – mehr nicht!
MfG
HRÜ
Die Übelacker-Mail zeigt, wie rassistische und antisemitische Inhalte unter blauen Funktionären und Notablen unwidersprochen kursieren und problemlos Landesgrenzen überwinden konnten.
Die AfD, die Kornblume und „Stoppt die Rechten“
Ein anderes Beispiel stammt aus dem Jahr 2016. Angeregt durch das Vorbild der FPÖ diskutierten AfD-Funktionäre darüber, ob man nicht die blaue Kornblume als Solidaritäts- und Erkennungszeichen in Form einer Anstecknadel übernehmen sollte. Die FPÖ hatte das Erkennungszeichen der illegalen Nazis zuletzt 2013 zur Angelobung des neu gewählten Nationalrats getragen. 2016 hatte Präsidentschaftskandidat Hofer das Tragen der blauen Kornblume verteidigt. Ein AfD-Funktionär kommentiert den Vorschlag so: „Ja, also ich denke wir könnten das schon machen. Vielleicht sogar als kleine Provokation und Verbundenheit zur FPÖ.“
Ein anderer Funktionär hatte Bedenken. Er hatte nämlich nach der Kornblume gegoogelt und dabei nicht nur den verharmlosenden Eintrag eines mittlerweile abgehalfterten rechtsextremen Linzer FPÖ-Funktionärs gefunden, sondern auch einen „News“-Artikel über „Nazi-Symbole“ und den Beitrag von Stoppt die Rechten„Die blaue Kornblume – schwerst belastetes politisches Symbol“ aus dem Jahr 2013.
Matthias Helferich als Kornblumenzüchter
Die Idee einer blauen Kornblume als AfD-Anstecknadel wurde danach aufgegeben. Einzelne AfD-Funktionäre und -Mandatare wollten aber provozieren. Der bekannteste unter ihnen ist wohl der AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, der ein gegen ihn gerichtetes Ausschlussverfahren, das im AfD-Hack dokumentiert ist, erfolgreich abwenden konnte.
Helferich, der sich selbst als das „freundliche Gesicht des NS“ bezeichnete, hatte 2017 auf Facebook das Foto einer Kornblume mit folgendem Kommentar gepostet: „Die kornblume: geheimes Symbol der nationalsozialisten während des verbots in österreich“ Er fügte hinzu: „Ich züchte sie im garten“ Ein Parteifreund antwortete ihm, dass er die Blume mit dem Dichter Novalis verbinde, worauf Helferich antwortete: „ich die Erschießung der österreichischen staatsführung“
Am Tragen der Kornblume hinderte das Helferich nicht. Im Parteiausschlussverfahren äußerte sich Helferich nicht direkt zu diesem Chatverlauf, sondern in seiner Stellungnahme an den AfD-Bundesvorstand sehr ausweichend:
Am Abend der Bundestagswahl 2017 trug ich eine echte Kornblume aus meinem Garten an meinem Anzug. Dies tat ich in Anlehnung an die FPÖ, deren Mandatare die Kornblume in der Vergangenheit bei jedem Einzug in den Nationalrat trugen. Ich trug die Kornblume aufgrund meiner Sympathie für das „3. Lager“ in Österreich. Im Rahmen meines juristischen Referendariats absolvierte ich meine Wahlstation beim Freiheitlichen Landtagsklub in Kärnten. (…)
Da der Kornblume auch immer wieder eine antisemitische Bedeutung (Verbotssymbol der österreichischen Nationalsozialisten) nachgesagt wird, trug ich sie nicht wieder und bewerte das damalige Tragen der Kornblume als töricht.
Da schließen sich Kreise. Helferich, „ein ganz besonderer Freund der Blauen“ in Österreich, war maßgeblich an der Anbahnung der Gespräche zwischen der Kärntner Werbeagentur „Signs“ und der AfD Nordrhein-Westfalen beteiligt. Außerdem war er immer wieder bei Gesprächen und Vortragsabenden mit FPÖ-Mandataren, der FPÖ-Jugend oder Burschenschaften in Österreich zu Gast, zuletzt im Juni als Festredner bei der Burschenschaft Leder in Leoben; sein Auftritt ging allerdings wegen der Gewaltattacke gegen einen Taxifahrer ziemlich unter.
Unabhängige Recherche ermöglichen...
Jetzt unterstützen »


