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Lesezeit: 4 Minuten

Mélange KW 25/26 (Teil 2): FPÖ Graz liefert jede Woche

Hans-Jörg Jene­wein wur­de nicht rechts­kräf­tig ver­ur­teilt. Bei der FPÖ Graz kam es zu über­ra­schen­den Par­tei­aus­schlüs­sen, und weni­ger über­ra­schen­de Chats wur­den öffent­lich. Wal­ter Rosen­kranz emp­fing wie­der ein­mal inter­na­tio­na­le Rechts­extre­me im Parlament.

28. Juni 2026
Rückblick FPÖ
Rückblick FPÖ

Inhalt

Togg­le
  • FPÖ Graz: Not­aus­schlüs­se und neue Chats
  • Wien: EX-FPÖ-Abge­ord­ne­ter Jene­wein verurteilt
  • Wien: Rosen­kranz emp­fängt inter­na­tio­na­le Rechts­extre­me im Parlament

FPÖ Graz: Notausschlüsse und neue Chats

Kurz vor der Graz-Wahl berich­tet der „Stan­dard“ (19.6.26) über Not­aus­schlüs­se, inter­ne Macht­kämp­fe und neue Chats inner­halb der FPÖ Graz.

Per Not­ver­ord­nung wur­den der Lis­ten­drit­te Bern­hard Dohr und Fabi­an Gut­schrei­ter, bei­de Stadt­par­tei­vi­ze, aus der FPÖ aus­ge­schlos­sen. Offi­zi­ell wirft ihnen die Par­tei „sys­te­ma­tisch illoya­les Ver­hal­ten“ vor. Mehr sagt sie dazu aller­dings nicht. Dohr sei für die Zeit nach der Wahl als Klub­ob­mann vor­ge­se­hen gewesen.

Gut­schrei­ter gehör­te eben­falls zur jün­ge­ren Gra­zer FPÖ-Rie­ge. Er fun­giert als Obmann des in Graz eher unbe­deu­ten­den „Ring Frei­heit­li­cher Stu­den­ten“ (RFS). Sei­nen Job als par­la­men­ta­ri­scher Mit­ar­bei­ter von Kas­seg­ger dürf­te er wohl los sein. Sowohl Dohr als auch Gut­schrei­ter sol­len laut „Stan­dard“ bei eini­gen Afri­ka-Rei­sen, die Kas­seg­ger in wech­seln­den Beset­zun­gen unter­nom­men hat, dabei gewe­sen sein. Stoppt die Rech­ten hat die­se selt­sa­men Trips bereits im Sep­tem­ber 2023 the­ma­ti­siert. Angeb­lich soll nach der Wahl eine nächs­te Aus­schluss­wel­le fol­gen. Das wür­de bedeu­ten, dass Kandidat:innen, die heu­te noch auf den Gra­zer FPÖ-Wahl­lis­ten ste­hen, bald nicht mehr Mit­glied der Par­tei sein könnten.

Im Novem­ber 2021, kurz nach­dem die mitt­ler­wei­le legen­dä­ren Excel-Datei­en über die Aus­ga­ben der Gra­zer FPÖ öffent­lich wur­den, hat­ten wir den Stei­ri­schen Ver­lags­ver­ein als zen­tra­les Vehi­kel beschrie­ben: Armin Sip­pel soll über die­sen Ver­ein jah­re­lang eine Zusatz­ga­ge erhal­ten haben, wäh­rend der Ver­ein öffent­lich kaum greif­bar war. Der „Stan­dard“ berich­tet nun, dass im Jus­tiz­akt Ver­trä­ge über die „Ver­lei­hung“ Sip­pels lie­gen: Er soll knapp 2.500 Euro monat­lich vom Ver­lags­ver­ein bekom­men haben, wobei die Lan­des­par­tei die­sen Betrag an den Ver­ein gezahlt haben soll.

Im Akt fin­det sich auch ein Pro­to­koll der Gene­ral­ver­samm­lung des Ver­lags­ver­eins 2019, in der es über die „Ver­eins­tä­tig­keit der abge­lau­fe­nen Peri­ode” heißt, die­se „beschränkt sich auf die Beschäf­ti­gung von (…) Sip­pel”. (derstandard.at)

Damit gerät die bis­he­ri­ge Erzäh­lung der stei­ri­schen FPÖ ein­mal mehr ins Wan­ken, die Affä­re sei bloß ein Gra­zer Pro­blem gewe­sen. Sip­pel schrieb schon 2020 in einem Chat, es gehe um „Par­tei­fi­nan­zen“, die Sache sei „äußerst sen­si­bel“ und betref­fe ein „Sys­tem“, in dem vie­le Ver­ant­wort­li­che invol­viert seien.

Auch Mario Kuna­sek kommt in die­ser Kon­struk­ti­on erneut vor. Gegen ihn ermit­telt die Staats­an­walt­schaft wegen des Ver­dachts der Bei­trags­tä­ter­schaft durch Unter­las­sen. Der „Stan­dard“ ver­weist auf eine lang­jäh­ri­ge Mit­ar­bei­te­rin Kuna­seks, deren Gehalt eben­falls über den Ver­lags­ver­ein gelau­fen sein soll. Aus­ge­rech­net sie war spä­ter als Rech­nungs­prü­fe­rin an der Auf­ar­bei­tung der Affä­re betei­ligt. Kuna­seks Anwalt bestrei­tet sinn­ge­mäß, dass die Lan­des­par­tei Bescheid gewusst habe.

Die Staats­an­walt­schaft Kla­gen­furt ermit­telt mitt­ler­wei­le gegen neun Per­so­nen wegen des Ver­dachts der Ver­un­treu­ung, Urkun­den­fäl­schung, Untreue, För­de­rungs­miss­brauch und in eini­gen Fäl­len des Betrugs. Acht davon sind aktu­el­le oder frü­he­re FPÖ-Funk­tio­nä­re bezie­hungs­wei­se Mitarbeiter:innen. Die Ermittler:innen wer­ten laut „Stan­dard“ mehr als 440.000 Kom­mu­ni­ka­ti­ons­da­ten­sät­ze aus.

Soll­te Kuna­sek ange­klagt wer­den, könn­te auch die schwarz-blaue Koali­ti­on in der Stei­er­mark ins Rut­schen gera­ten. Der „Stan­dard“ schreibt, dass die ÖVP sich bereits um Alter­na­ti­ven umse­he. Gleich­zei­tig krach­te es zuletzt auch in meh­re­ren schwarz-blau­en Gemein­den. Was als Finanz­af­fä­re der FPÖ Graz begann, ist damit zu einem Macht­pro­blem der gesam­ten stei­ri­schen FPÖ gewor­den – mit offe­nem Ausgang.

Für alle genann­ten Per­so­nen gilt die Unschuldsvermutung!

➡️ Hör­tipp: Wer den Finanz­skan­dal der Gra­zer FPÖ akus­tisch zusam­men­ge­fasst kon­su­mie­ren will, ist mit der Fol­ge 339 des Dun­kel­kam­mer-Pod­casts gut bedient: Die Gra­zer Finanz­af­fä­re: Oh, wie schön ist Panama

Wien: EX-FPÖ-Abgeordneter Jenewein verurteilt

Der ehe­ma­li­ge FPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te und nun­meh­ri­ge Pres­se­spre­cher der AfD-Frak­ti­on im Thü­rin­ger Land­tag Hans-Jörg Jene­wein ist am Lan­des­ge­richt Wien wegen Ver­let­zung der Geheim­hal­tungs­pflicht schul­dig gespro­chen wor­den. Er erhielt eine beding­te Zusatz­stra­fe von sechs Mona­ten, eben­so eine frü­he­re Mit­ar­bei­te­rin des dama­li­gen Innen­mi­nis­ters Her­bert Kickl. Die Urtei­le sind nicht rechtskräftig.

Laut Urteil hat­te Jene­wein die dama­li­ge Kabi­netts­mit­ar­bei­te­rin von Her­bert Kickl dazu auf­ge­for­dert, ihm als „geheim“ klas­si­fi­zier­te Unter­la­gen zum „Ber­ner Club“ zu beschaf­fen. Die­se soll­ten an eine Inves­ti­ga­ti­v­jour­na­lis­tin wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Die Frau habe damit ihre Geheim­hal­tungs­pflicht ver­letzt, Jene­wein wur­de als Bestim­mungs­tä­ter ver­ur­teilt. Bei­de hät­ten laut Urteils­be­grün­dung in Kauf genom­men, „die öffent­li­che Sicher­heit zu gefähr­den“.

Ver­han­delt wur­de auch die Beschaf­fung einer pro­to­kol­lier­ten Zeu­gen­aus­sa­ge des dama­li­gen SPÖ-Poli­ti­kers Franz Schnabl. Die Ver­tei­di­gung argu­men­tier­te mit öffent­li­chem Auf­klä­rungs­in­ter­es­se und bestritt, dass es sich um gehei­me Unter­la­gen gehan­delt habe. Das Gericht folg­te dem nicht. Ein frü­he­res Urteil wegen Amts­miss­brauchs war vom OGH auf­ge­ho­ben wor­den, nun erfolg­te der Schuld­spruch wegen Geheimhaltungsverletzung.

(Quel­le: kurier.at, 19.6.26)

Wien: Rosenkranz empfängt internationale Rechtsextreme im Parlament

Der Natio­nal­rats­prä­si­dent hat erneut Rechts­extre­me im Par­la­ment emp­fan­gen. Anläss­lich der blau­en Fes­ti­vi­tä­ten zum 70-jäh­ri­gen Bestehen der FPÖ emp­fing und bewir­te­te er am 19. Juni Vertreter:innen der „Patri­ots for Euro­pe“ (PfE), jener EU-Frak­ti­on, der auch die FPÖ ange­hört. Harald Vilims­ky jubel­te: „Patrio­ten im öster­rei­chi­schen Par­la­ment.“ Rosen­kranz ver­öf­fent­lich­te auf sei­nen Social-Media-Accounts Auf­nah­men, dar­un­ter ein Grup­pen­fo­to vor dem Wand­bild des Nazi-Malers Rudolf Her­mann Eisen­men­ger.

Ges­tern hat Wal­ter Rosen­kranz wie­der ein­mal eine rechts­extre­me Dele­ga­ti­on im Par­la­ment emp­fan­gen, dar­un­ter Geert Wil­ders. Das Par­la­ment ist zum Durch­zugs­haus für Rechts­extre­me gewor­den. Unerträglich!

Und wenn jetzt ÖVP, SPÖ, Neos wie­der auf­schrei­en: Abwahl von Rosen­kranz ermöglichen!

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— Stoppt die Rech­ten (@stopptdierechten.at) 20. Juni 2026 um 08:10

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Schlagwörter: FPÖ | Korruption/Betrug/Untreue | Steiermark | Wien

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