„Un-fass-bar“, stammelt Stefan Magnet Anfang Juni hyperventilierend in die Kamera, um seinem Publikum kundzutun, dass ein erst zwei Tage zuvor bekanntgegebenes neues Bankkonto schon wieder geschlossen ist. Um dann seine immer gleichen, in apokalyptischer Dramatisierung vorgebrachten Feindbildkonstruktionen samt Opferstilisierung auszubreiten. Alles, was ihm und AUF1 widerfahre, sei auch gegen seine Unterstützer gerichtet. So versucht er sich mit seinen Fans gemein zu machen, was letztlich einem einzigen Zweck dient: Spenden sollen fließen.
Es habe sich, so Magnet, ein neuer Verein gegründet, „ein Medienunterstützungsverein, ein Verein mit sozusagen ohne Vorgeschichte“, der das Konto bei der deutschen „Steyler Ethik Bank“ ordnungsgemäß eröffnet hätte. Was Magnet in der Ansprache an sein Publikum verschweigt, ist, was gegenüber der Bank wohl auch verschwiegen wurde: Der neue Verein (der so neu nicht ist – er wurde bereits im November 2023 gegründet) wird von Magnets Platzhaltern betrieben und lässt bei geringeren Kenntnissen der Hintergründe auf den ersten Blick keinen Konnex zu AUF1 erkennen. So begründet die Bank nach Rückfrage durch den SWR die Kündigung des Kontos auch mit einer „missbräuchlichen Verwendung“ (1wdr.de, 5.6.25).
Der Verein, von dem Magnet nur beiläufig sprach, trägt den Wald- und Wiesen-Namen „Verein für Vielfalt und Objektivität“. Als Obmann fungiert Florian Magnet, Bruder des AUF1-Inhabers und in diversen Funktionen im AUF1-Konstrukt tätig. Sein Stellvertreter und zugleich Kassier ist Jürgen Franzelin, ebenfalls ein alter Bekannter im AUF1-Geflecht. Der Verein habe sich gegründet, so Magnet, „um alternative Medien im Allgemeinen, aber Auf1 im Besonderen zu unterstützen“ – das „im Allgemeinen“ hätte sich Magnet wohl sparen können.
Kurz darauf ist das nächste Konto (beim Zahlungsdienstleister OpenPayd mit Sitz in London), das nach der Kündigung durch die „Steyler Bank“ herhalten musste, auch wieder Geschichte. Und weitere zwei Konten beim Zahlungsdienstleister „Wise“ sind recht schnell von der AUF1-Website verschwunden.

Auf der Vorderbühne ausgeblendet: Vereine und Gesellschaften
Unsere Recherchen zeigen: Es gibt mehrere Vereine, die angeblich Medienvielfalt oder unabhängige Berichterstattung fördern. Es gibt Firmen, die Inhalte produzieren, den Shop betreiben oder als Dachgesellschaft dienen. An der Spitze stehen Personen, die in verschiedenen Rollen wiederkehren: als Vereinsobmann, als Geschäftsführer, als Gesellschafter. Das ist nicht illegal, aber es erklärt, warum AUF1 auch dann weiterarbeiten kann, wenn ein einzelnes Konto Probleme macht. Man hat Ausweichrouten. Im Video erzählt Magnet dagegen eine einfache Geschichte ohne die Überschneidungen zwischen Vereinen und Firmen, die Rolle von Familienmitgliedern, die Möglichkeit, Zahlungen über unterschiedliche Wege zu lenken.
Das Beispiel mit der „Steyler Bank“ zeigt die Diskrepanz zwischen Magnets Empörungserzählung und den tatsächlichen Hintergründen besonders deutlich. Banken müssen bei Kontoeröffnungen prüfen, wer tatsächlich dahintersteht und wofür das Konto genutzt wird. Wenn diese Verbindung nicht klar offengelegt ist oder wenn es Reputationsrisiken gibt, frieren Banken Konten ein oder kündigen sie. Das hat mit politischer Zensur wenig zu tun. Es ist Standardprüfung.
Der Widerspruch springt erst recht ins Auge, wenn man die eigene Unterstützen-Seite von AUF1 ansieht. Dort kann man weiterhin spenden: per Bankeinzug, mit Bank- oder Kreditkarte, über PayPal, über den Shop und mithilfe von Kryptowährungen. Das geht nur, wenn im Hintergrund funktionierende Zahlungswege vorhanden sind. Wer wirklich komplett „abgedreht“ wäre, könnte solche Möglichkeiten nicht in dieser Breite anbieten. Die Panik im Video steht damit im Gegensatz zur Praxis auf der Website. Kurz gesagt: Die Notlage wird dramatisiert, während die Einnahmekanäle offen bleiben.
Debanking-Erzählung als alarmistisch verpacktes Geschäftsmodell
Mit mehreren Vereinen und Firmen lassen sich Konten, Dienstleister und Zahlungsströme trennen. Wenn eine Tür zugeht, bleibt eine andere offen. Das macht den „Alles-aus“-Ton im Video unglaubwürdig. Er erzeugt Aufmerksamkeit und mobilisiert Geld, aber Magnet erklärt nicht, wie AUF1 tatsächlich funktioniert. Wer die Hinterbühne kennt, erkennt das Muster: Die Krise ist Teil der Kommunikation. Die rechtsextreme Desinformationsfabrik AUF1 lebt von der Erzählung, ständig angegriffen zu werden. Die Debanking-Story ist Teil davon. Diese Erzählung schafft Loyalität und sorgt für Spenden. Die eigentliche Geschichte zeigt: Es existiert keine Auslöschung, sondern nur ein alarmistisch verpacktes Geschäftsmodell.
P.S: Zwei weitere Vereine mit Personen aus dem AUF1/Magnet-Geflecht stehen parat: der erst im Mai 2025 gegründete „Verein zur Förderung der Informationsfreiheit und Selbstbestimmung“, in dem wieder Jürgen Franzelin, aber diesmal mit seinem alten Kameraden aus dem RFJ Dominik Frimbichler, im Vorstand sitzt, und der bereits Ende 2021 gegründete „Verein für den Aufbruch zur unabhängigen Medienvielfalt“ – wieder mit Frimbichler und mit der Kauf1-Geschäftsführerin Romana Palmetshofer.


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