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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Ulrichsberg: Es ist eine Sauerei!

Wenn aus­ge­rech­net Her­mann Kan­dus­si, Obmann der Ulrichs­berg­ge­mein­schaft, dem am 1. Febru­ar inthro­ni­sier­ten LVT-Chef Ste­phan Tau­schitz zur Sei­te springt, sagt das bereits sehr viel. Auch ist es als über­aus mutig zu bezeich­nen, was Kan­dus­si in sei­ner Stel­lung­nah­me behaup­tet. Aber wir hel­fen sei­ner offen­bar ein­ge­trüb­ten Erin­ne­rung ger­ne auf die Sprünge.

8. Feb. 2022

Von der Klei­nen Zei­tung (Kärn­ten-Aus­ga­be 8.2.22, S. 20) befragt, erklärt Her­mann Kandussi:

Es gibt kei­ne Reden mehr, seit ich Obmann der Ulrichs­berg­ge­mein­schaft bin, nichts Anrü­chi­ges“, sagt Her­mann Kan­dus­si, der das Amt 2013 von Peter Stein­kell­ner (ÖVP) und Rudolf Gal­lob (SPÖ) über­nom­men hat. Viel­mehr arbei­te man eng mit dem LVT zusam­men. „Daher habe ich 2017 auch Mar­tin Rut­ter eine Anspra­che unter­sagt“, so Kan­dus­si. Tau­schitz schät­ze er sehr. „Es ist eine Saue­rei, was mit ihm pas­siert, er war nie in der rech­ten Sze­ne tätig.“

Kann schon sein, dass Tau­schitz – außer­halb sei­ner bei­den Reden beim Ulrichs­berg­tref­fen – nie in der rech­ten Sze­ne tätig war, jedoch obliegt es nicht Her­mann Kan­dus­si, Tau­schitz auf des­sen poli­ti­sche Akti­vi­tä­ten und Kon­tak­te zu beur­tei­len – das bleibt noch immer der Job des Ver­fas­sungs­schut­zes im Zuge einer Sicher­heits­über­prü­fung – zumal Kan­dus­si ohne­hin einen ande­ren Begriff von „rech­te Sze­ne“ zu haben scheint, als er im Fach­dis­kurs nor­ma­ler­wei­se ver­wen­det wird.

Keine Reden?

Aber Kan­dus­si pla­gen offen­bar auch grö­ße­re Gedächt­nis­lü­cken, denn er wird bereits 2012 als Obmann der Ulrichs­berg­ge­mein­schaft (UBG) genannt. Er war es auch, der an der Sei­te des bis heu­te unbe­lehr­ba­ren und stram­men Waf­fen-SS-Vete­ra­nen Her­bert Bell­schan von Mil­den­burg stand, als die­ser beim Tref­fen eine Rede hielt (Foto hier). Und auch Kan­dus­si selbst hat sein Den­ken sehr unver­blümt zum Aus­druck gebracht, näm­lich, dass die Ein­stu­fung der Waf­fen-SS als ver­bre­che­ri­sche Orga­ni­sa­ti­on nicht hin­zu­neh­men sei. „Das waren getrie­be­ne Rich­ter. Sagen sie mir ein Ver­bre­chen, das die Waf­fen-SS began­gen hat.“ Von den „ande­ren SS-Leu­ten“ – sprich der Toten­kopf-SS – distan­zie­re er sich, “von der Waf­fen-SS nicht” (zit. nach heute.at, 16.9.12).

Der Rechts­his­to­ri­ker und heu­ti­ge Bil­dungs- und Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Mar­tin Pola­schek kom­men­tier­te dazu: „Zu leug­nen, dass Mit­glie­der der Waf­fen-SS Kriegs­ver­bre­chen began­gen haben, fällt eigent­lich unter das Ver­bots­ge­setz. Die Gräu­el­ta­ten der Waf­fen-SS sind doku­men­tiert, auch bei Holo­caust-Ver­bre­chen.” (heute.at) Kan­dus­si han­del­te sich damit tat­säch­lich eine Anzei­ge nach dem Ver­bots­ge­setz ein. Die Ermitt­lun­gen wur­den schluss­end­lich ein­ge­stellt, weil laut Staats­an­walt­schaft Kan­dus­si kein Vor­satz nach­ge­wie­sen wer­den konnte.

Tref­fen fan­den, wenn auch immer wie­der nicht direkt am Berg, jähr­lich wei­ter statt, und jähr­lich waren auch Alt- (von denen natur­ge­mäß immer weni­ger) und Neo­na­zis dabei. Die Web­site u‑berg.at, auf der vie­le Tref­fen gut doku­men­tiert sind, zeigt etwa aus ein Foto aus 2015 vom Lega Nord-Poli­ti­ker Anto­nio Cal­li­ga­ris bei des­sen Fest­re­de, der auch Neo­na­zis im Fest­zelt gelauscht haben.

Das DÖW wid­me­te dem Ulrichs­berg­tref­fen 2016 einen anschau­li­chen Bei­trag:

Als Red­ner tra­ten u. a. (…) der stol­ze Waf­fen-SS-Vete­ran Her­bert Bell­schan von Mil­den­burg, der ehe­ma­li­ge FPÖ-Poli­ti­ker Karl­heinz Kle­ment und (wie bereits 2013) der US-Kroa­te Tomis­lav Sunić auf. Letz­te­rer hat­te bereits im Febru­ar auf einer rechts­extre­men Kund­ge­bung in Kla­gen­furt gespro­chen (sie­he: Tomis­lav Sunić zu Gast bei Iden­ti­tä­ren).
Am „Kame­rad­schafts­abend” haben dem Ver­neh­men nach rund 200 Per­so­nen teil­ge­nom­men, die Kranz­nie­der­le­gung zog nach Medi­en­an­ga­ben fast 150 Per­so­nen an. Dar­un­ter befand sich auch eine aus dem Köl­ner Raum ange­reis­te Dele­ga­ti­on der offen neo­na­zis­ti­schen Par­tei Die Rech­te. In ihrem Rei­se­be­richt freu­en sich die deut­schen Neo­na­zis über ein „mehr als gelungen[es]” Wochen­en­de, wenig über­ra­schend wol­len sie auch 2017 wie­der teilnehmen.

Da haben wir also als Red­ner noch­mals Bell­schan von Mil­den­burg, dazu den Faschis­ten Tomis­lav Sunić und Karl­heinz Kle­ment. Der von der FPÖ drei­mal aus­ge­schlos­se­ne Kle­ment wur­de im Lau­fe sei­ner Jah­re immer ver­hal­tens­auf­fäl­li­ger. 2009 kas­sier­te er rechts­kräf­tig eine Ver­ur­tei­lung wegen Ver­het­zung, und 2010 misch­te er bei der Grün­dung der neo­na­zis­ti­schen „Euro­päi­schen Akti­on“ mit. Trotz sei­ner ein­schlä­gi­gen Vor­ge­schich­ten durf­te er 2016 auf­tre­ten, aber dar­an kann sich Kan­dus­si offen­bar nicht erin­nern, denn es habe ja kei­ne Reden gegeben.

Apro­pos 2013: Gut gelaunt berich­ten deut­sche Neo­na­zis von ihrer Teil­nah­me am Treffen.

Her­vor­ge­ho­ben wird, dass sie schon vor Beginn des offi­zi­el­len Pro­gramms die Gele­gen­heit hat­ten, sich mit „Zeit­zeu­gen” der Wehr­macht und Waf­fen-SS, u. a. auch mit einem Ange­hö­ri­gen aus der „SS-Leib­stan­dar­te Adolf Hit­ler”, zu unter­hal­ten. (…) Dane­ben freu­en sich die deut­schen Neo­na­zis, dass beim heu­ri­gen „Ulrichs­berg­tref­fen” auch Kon­tak­te zu einer „jun­gen Kame­rad­schaft in der Ost­mark” auf­ge­nom­men wer­den konn­ten. (doew.at, Sep. 2013)

Aber Her­mann Kan­dus­si sub­su­miert sei­ne Obmann­schaft ja anders: kei­ne Reden, nichts Anrü­chi­ges. Dafür arbei­tet er mit dem Lan­des­ver­fas­sungs­schutz zusam­men. Mit dem neu­en Chef mög­li­cher­wei­se beson­ders gut. Bleibt die Fra­ge, was denn nun wirk­lich eine Saue­rei ist.

➡️ Kri­tik an neu­em Chef des Kärnt­ner Ver­fas­sungs­schut­zes wei­tet sich aus
➡️ Das rechts­extre­me Ulrichs­berg­tref­fen: Kult­stät­te einer „ver­bre­che­ri­schen Organisation”

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