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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 8 Minuten

Umvolkung und die Logenszene – Vortrag von Johannes Hübner bei der GfP

Johan­nes Hüb­ner, Abge­ord­ne­ter zum Natio­nal­rat für die FPÖ, reüs­sier­te auf einer Ver­an­stal­tung eines rechts­extre­men Ver­eins mit anti­se­mi­ti­schen Wit­zen, – berich­ten der Fal­ter und der Stan­dard in ihren heu­ti­gen Ausgaben.

19. Juli 2017

„Hin­ter­bänk­ler” ist Johan­nes Hüb­ner kei­ner. Er gehört eher zur zwei­ten Rei­he der FPÖ und steht ent­spre­chend häu­fig in der Öffent­lich­keit. Als außen­po­li­ti­scher Spre­cher des FPÖ-Klubs äußert er sich zu allem und jedem: Japan („klas­sisch fried­lie­ben­des Land”), Russ­land („Wirt­schafts­krieg gegen Russ­land”), Isra­el („schwinde[nder] geografische[r] Raum für einen zukünf­ti­gen Paläs­ti­nen­ser­staat”), Krim und Ukrai­ne („Ergeb­nis des Krim-Refe­ren­dums ist sowohl von der EU als auch von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka zu respek­tie­ren”). Sym­bo­lisch posi­tio­niert er sich inner­halb des FPÖ-Klubs durch Tra­gens der Korn­blu­me ein­deu­tig: Die Korn­blu­me war ab 1933 das Erken­nungs­zei­chen der NSDAP, anti­se­mi­ti­sche Stu­den­ten tru­gen sie an den Uni­ver­si­tä­ten, um ihre Gesin­nung zu zei­gen, schon zuvor dien­te die Korn­blu­me als Par­tei­ab­zei­chens von Schö­ne­rers All­deut­schen. Aber nicht nur außen- und sym­bol­po­li­tisch fällt Hüb­ner immer wie­der auf: Auch als einer der Anwäl­te und Rechts­ver­tre­ter der FPÖ und Stra­che ist er aktiv, so zuletzt beim Ver­fah­ren gegen den ORF-Redak­teur Ed Mos­chitz.

Screenshots von der Parlamentshomepage, wo sich die Abgeordneten zum Nationalrat Johannes Hübner und Petra Steger mit Kornblume präsentieren - Bildquelle: Österreichisches Parlament (1/2)
Screen­shots von der Par­la­ments­home­page, wo sich die Abge­ord­ne­ten zum Natio­nal­rat Johan­nes Hüb­ner und Petra Ste­ger mit Korn­blu­me prä­sen­tie­ren — Bild­quel­le: Öster­rei­chi­sches Parlament

Kein Wun­der, dass er auch als Vor­tra­gen­der gefragt ist, bei­spiels­wei­se bei der Gesell­schaft für freie Publi­zis­tik e.V. (GfP), die ihn im Juni 2016 nach Thü­rin­gen ein­ge­la­den hat­te, wie Der Stan­dard schreibt. Der Vor­trags­ti­tet lau­te­te: „Die Mas­sen­zu­wan­de­rung nach Öster­reich – Hin­ter­grün­de des Poli­tik­wech­sels der rot-schwar­zen Bun­des­re­gie­rung” Was dem Titel nach eine poli­tik­wis­sen­schaft­li­che Ana­ly­se erwar­ten lässt, war, wie dem nun öffent­lich gewor­de­nen Audio­mit­schnitt ent­nom­men wer­den kann, ein zwi­schen Anti­se­mi­tis­mus und Ver­schwö­rungs­theo­rien oszil­lie­ren­der Vor­trag für ein ein­schlä­gi­ges Publi­kum. Bun­des­kanz­ler Kern wird als Hand­lan­ger der Juden und Frei­mau­rer-Logen dar­ge­stellt („ ‚Man muss aber wis­sen, dass die­ser Kern exzel­lent ver­an­kert ist.’ Kern sei näm­lich ‚Fried­rich-Tor­berg-Preis­trä­ger der Israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de in Wien, ist exzel­len­test ver­netzt in der Logen­sze­ne.’ ”, derstandard.at)

Die größ­te Zustim­mung erhielt Hüb­ner aber für sei­nen Sager, Hans Kel­sen hät­te eigent­lich „Kohn” gehei­ßen – Reak­ti­on: „Der gan­ze Saal bricht in Geläch­ter aus.” (Fal­ter, 29/17, S. 9). Im Fal­ter wird der Rechts­extre­mis­mus-Exper­te Andre­as Peham (DÖW) um eine Ein­ord­nung gebe­ten: Jeman­den als „Kohn” zu bezeich­nen sei „ein kla­rer Code”, „Das ist nur eine Chif­fre, damit das Publi­kum weiß, ‚Ach­tung, Jude!’ ” (Fal­ter, 29/17, S. 9). Wie bei der Korn­blu­me, die kei­nes­wegs ein unschul­di­ges, miss­ver­stan­de­nes Blüm­chen ist, han­delt es sich bei den anti­se­mi­ti­schen Angrif­fen auf Hans Kel­sen um schon Dage­we­se­nes: „Das geht zurück bis in die 1930er Jah­re. Schon damals mach­ten hoch­ran­gi­ge Nazis mit dem ‚Kohn’-Kalauer Stim­mung gegen Juden. Nach 1945 bezeich­ne­te der rechts­extre­me Uni-Pro­fes­sor Taras Boro­da­jke­wy­cz [Hans] Kel­sen ger­ne als ‚Kohn’. Dabei hieß Kel­sen nie so.” (Fal­ter, 29/17, S. 9).

Irgend­wem – ent­we­der Hüb­ner und der FPÖ oder aber den Ver­an­stal­tern und der GfP – war das dann offen­bar doch zu ein­schlä­gig. In der in der Fest­schrift abge­druck­ten Ver­si­on des Vor­trags kommt der „Kohn”-Sager nicht vor, dort steht „Grohm”, wie Stan­dard und Fal­ter ein­hel­lig schreiben.

Kurz nach Bekannt­wer­den des Skan­dals gibt es schon eine hand­voll Reak­tio­nen. Die IKG meint etwa: „Hüb­ner ist eine Schan­de für das öster­rei­chi­sche Par­la­ment und als Abge­ord­ne­ter untrag­bar. (…) ‚Das ist die Stun­de der Wahr­heit für die FPÖ, wo sie zei­gen kann, wie ernst es der Par­tei mit der Distan­zie­rung vom Anti­se­mi­tis­mus ist’ kom­men­tiert IKG-Prä­si­dent Oskar Deutsch.” (OTS)

Harald Wal­ser aus dem Grü­nen Klub ana­ly­siert: „Da kön­nen Stra­che und Hofer noch hun­der­te Ver­an­stal­tun­gen mit jüdi­schen Teil­neh­mern insze­nie­ren und noch vie­le Male nach Isra­el rei­sen. Der Fall Hüb­ner offen­bart ein­mal mehr, dass Anti­se­mi­tis­mus eine ideo­lo­gi­sche Klam­mer ist, die die FPÖ seit ihrer Grün­dung bis jetzt zusam­men­hält.” (OTS). Für die FPÖ und Hüb­ner hin­ge­gen sei alles ein „Sturm im Was­ser­glas, um das Som­mer­loch zu fül­len”, eine „Jagd­ge­sell­schaft” und „Nazi­keu­le” gegen die FPÖ, usw. usf. (OTS).

In einem ist Hüb­ner zuzu­stim­men: „Wir ken­nen ja die­se Vor­ge­hens­wei­se bereits aus den letz­ten Jahr­zehn­ten.” So ist es: Anti­se­mi­ti­sche Sager und Andeu­tun­gen aus den Rei­hen der FPÖ haben nie Kon­se­quen­zen, die Über­brin­ge­rIn­nen der Nach­rich­ten wer­den seit Hai­ders Zei­ten als „Jagd­ge­sell­schaft” diffamiert.

Presseaussendungen:

IKG (OTS):

FPÖ-Abge­ord­ne­ter Hüb­ner bedient alte Ressentiments
Israe­li­ti­sche Kul­tus­ge­mein­de for­dert sei­nen Rücktritt

Wien (OTS) — Die jetzt bekannt­ge­wor­de­nen Anspie­lun­gen in einer Rede des FPÖ-Abge­ord­ne­ten Hüb­ner mit Kel­sen – Kohn – Grom, erin­nern an Wort­spie­le aus der anti­se­mi­ti­schen Zei­tung „Der Stür­mer” und an die ein­schlä­gi­ge Het­ze gegen Hans Kel­sen seit den Drei­ßi­ger­jah­ren. Die­ses Wort­spiel, das nicht ein­mal einen Tat­sa­chen­be­zug hat, denn Kel­sen hieß nie Kohn, wur­de bereits vom anti­se­mi­ti­schen Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor Boro­da­jke­wy­cz verwendet.

Auch Hüb­ners Anspie­lun­gen auf die Frei­mau­rer, „die nicht katho­lisch, nicht pro­tes­tan­tisch, son­dern anders gefärbt” und ein „ille­ga­les kon­spi­ra­ti­ves Netz­werk” sei­en, ist ein bekann­ter anti­se­mi­ti­scher Code. Die in sei­ner Rede vor­ge­kom­me­ne Bezeich­nung „soge­nann­te Holo­cau­st­über­le­ben­de” ist mög­li­cher­wei­se straf­recht­lich relevant.

Hüb­ner ist eine Schan­de für das öster­rei­chi­sche Par­la­ment und als Abge­ord­ne­ter untrag­bar. Er soll­te raschest in der poli­ti­schen Ver­sen­kung ver­schwin­den, so wie auch der ehe­ma­li­ge Salz­bur­ger FPÖ-Obmann mit sei­nem Lump-Hump-Sager.

„Das ist die Stun­de der Wahr­heit für die FPÖ, wo sie zei­gen kann, wie ernst es der Par­tei mit der Distan­zie­rung vom Anti­se­mi­tis­mus ist” kom­men­tiert IKG-Prä­si­dent Oskar Deutsch.

Grü­ner Klub im Par­la­ment (OTS):

Wal­ser: FPÖ-Abge­ord­ne­ter Hüb­ner ist rücktrittsreif
Laut „Standard“-Bericht Anti­se­mi­ti­scher Eklat

Wien (OTS) — „Die anti­se­mi­ti­schen Aus­fäl­le von FPÖ-Abge­ord­ne­ten Johan­nes Hüb­ner über­ra­schen mich nicht. Sie müs­sen aber Anlass sein, dass wir uns dekla­rie­ren und scharf von einem Gedan­ken­gut abgren­zen, das in unse­rer Gesell­schaft nichts ver­lo­ren hat und noch weni­ger im öster­rei­chi­schen Par­la­ment“, reagiert der ver­gan­gen­heits­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen, Harald Wal­ser, auf eine jetzt durch die Tages­zei­tung „Der Stan­dard“ bekannt­ge­wor­de­ne Rede von Johan­nes Hüb­ner, in der die­ser sich anti­se­mi­ti­scher Ver­satz­stü­cke aus den 1930er-Jah­ren bedient hat­te. Wal­ser: „Es ist ja schon inak­zep­ta­bel, wenn ein öster­rei­chi­scher Par­la­men­ta­ri­er bei einem Kon­gress auf­tritt, der als ‚Jah­res­tref­fen der Geschichts­leug­ner’ bezeich­net wird. Dass Hüb­ner das dor­ti­ge Publi­kum auch noch mit anti­se­mi­ti­schen Hap­pen unter­hält, bringt das Fass end­gül­tig zum Überlaufen.“

Wie „Der Stan­dard“ u.a. berich­tet, bezeich­net Hüb­ner etwa den Schöp­fer der öster­rei­chi­schen Bun­des­ver­fas­sung, Hans Kel­sen, als „eigent­lich Hans Kohn, aber er hat sich Kel­sen genannt“. Kohn ist einer der am wei­tes­ten ver­brei­te­ten jüdi­schen Nach­na­men, Kel­sen hieß nicht Kohn, wur­de aber von sei­nem Wider­sa­cher, dem Staats­recht­ler Carl Schmitt, in den 1930er-Jah­ren mit die­sem Namen öffent­lich verspottet.

Wal­ser ver­weist dar­auf, dass der Tagungs­ver­an­stal­ter, die geschichts­re­vi­sio­nis­tisch aus­ge­rich­te­te „Gesell­schaft für freie Publi­zis­tik“ (GfP), 1960 von ehe­ma­li­gen SS-Offi­zie­ren und NSDAP-Funk­tio­nä­ren gegrün­det wur­de. Der GfP gehört das Who-is-Who der rechts­extre­men Publi­zis­tik­sze­ne an. Nach dem Bericht des deut­schen Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz (2005) ist es „die größ­te rechts­extre­me Kul­tur­ver­ei­ni­gung in Deutschland.

Hüb­ner wur­de im Pro­gramm als außen- und euro­pa­po­li­ti­scher Spre­cher der FPÖ ange­kün­digt, der – so im Ankün­di­gungs­text – „in die­ser Eigen­schaft auch Kon­takt zu gleich­ge­sinn­ten Man­da­ta­ren befreun­de­ter Par­tei­en im Aus­land“ hal­te. Hüb­ner befand sich auf dem Kon­gress in ‚fei­ner’ ein­schlä­gi­ger Gesell­schaft. Das zeigt die Lis­te der Vor­tra­gen­den, unter denen sich immer wie­der Holo­caust­leug­ner fin­den und auch die Tat­sa­che, dass der Chef­re­dak­teur der rechts­extre­men Aula, Mar­tin Pfeif­fer, seit 2010 als Vor­sit­zen­der des GfP-Vor­stan­des fungiert.

„Da kön­nen Stra­che und Hofer noch hun­der­te Ver­an­stal­tun­gen mit jüdi­schen Teil­neh­mern insze­nie­ren und noch vie­le Male nach Isra­el rei­sen. Der Fall Hüb­ner offen­bart ein­mal mehr, dass Anti­se­mi­tis­mus eine ideo­lo­gi­sche Klam­mer ist, die die FPÖ seit ihrer Grün­dung bis jetzt zusam­men­hält“, so Wal­ser. Und: „Wir müs­sen uns klar sein, dass es sich bei Hüb­ner und vie­len sei­ner Gesin­nungs­ka­me­ra­den um kei­ne ‚Kel­ler­na­zis’ im Unter­grund han­delt. Hüb­ner ist Mit­glied des Hohen Hau­ses und als sol­cher end­gül­tig untrag­bar gewor­den. Daher for­de­re ich sei­nen unver­züg­li­chen Rück­tritt. Wie die FPÖ nun mit Hüb­ner umgeht, ist eine Nagel­pro­be für die FPÖ und wird zei­gen, inwie­weit die Par­tei den von ihr nach außen pos­tu­lier­ten Kampf gegen den Anti­se­mi­tis­mus auch nur ansatz­wei­se ernstnimmt.“

Frei­heit­li­cher Par­la­ments­klub (OTS):

FPÖ-Hüb­ner: „Sturm im Was­ser­glas, um das Som­mer­loch zu füllen!“
„Vor­wurf des Anti­se­mi­tis­mus ist völ­lig absurd“

Wien (OTS) — Als einen „Sturm im Was­ser­glas, um das Som­mer­loch zu fül­len“ bezeich­ne­te heu­te der außen­po­li­ti­sche Spre­cher der FPÖ, NAbg. Dr. Johan­nes Hüb­ner die im Juli 2017 erho­be­nen Vor­wür­fe gegen ihn, er habe im Juni 2016 bei einem Vor­trag anti­se­mi­ti­sche Wit­ze gemacht. „Die­ser Vor­wurf ist völ­lig absurd und ich ver­wah­re mich auf das Schärfs­te gegen die­se Infamie!“

„Wir ken­nen ja die­se Vor­ge­hens­wei­se bereits aus den letz­ten Jahr­zehn­ten. Kaum steht ein Wahl­kampf ins Haus, wird gegen die FPÖ die Nazi­keu­le aus­ge­packt. Die Tak­tik ist nicht sehr neu, man kann fast die Uhr danach stel­len. Unbe­re­det, dass natür­lich die Grü­nen – der­zeit in eher bemit­lei­dens­wer­ten Zustand – sofort bei­sprin­gen und ein wenig ‚mit­par­ti­zi­pie­ren‘ wol­len. Wenn man inhalt­lich nichts zu bie­ten hat, dann ver­sucht es die FPÖ-Jagd­ge­sell­schaft eben mit alt­be­währ­ten Metho­den. Das hat aber schon in der Ver­gan­gen­heit nicht funk­tio­niert, so Hübner.”

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