Themar: Die österreichischen „Rocker_innen gegen Überfremdung“

Am 15. Juli 2017 fand im südthüringischen Themar das „Rock gegen Überfremdung” statt, welches zu den größten Nazi-Konzerten der vergangenen Jahre zählt. Natürlich unter Beteiligung österreichischer Kamerad_innen.

Lukratives Geschäft
Knapp 6000 Rechtsextreme versammelten sich vergangenes Wochenende auf Einladung von Neonaziaktivist und Anmelder Tommy Frenck auf dem Grundstück des AfD-Lokalpolitikers Bodo Dressel um bei Rechtsrock-Klassikern von Lunikoff, Sleipnir oder Stahlgewitter zu schunkeln und sich Hitlergrüße zuzuwerfen. Dass es bei der Veranstaltung nicht nur um den subkulturellen Aspekt ging, sondern auch von einer europäischen Vernetzungsveranstaltung die Rede sein muss, zeigt sich einerseits an der langen Liste von eingeladenen Redner_innen und andererseits an der breiten Teilnahme aus dem deutschen Bundesgebiet sowie der internationalen Beteiligung.

Auch der finanzielle Aspekt von Konzerten in dieser Größenordnung ist beachtlich. Nach dem “Rocktoberfest” vergangenen Herbst, bei dem sich über 5000 Neonazis im schweizer Toggenburg zusammenfanden und die Veranstalter_innen mutmaßlich einen Gewinn von 150.000€ erwirtschafteten, geht die thüringische Landesregierung beim “Rock gegen Überfremdung” von einem möglichen Gewinn von über 400.000€ aus. Geld, welches die Neonazis nach dem Zerfall der NPD, und damit der Streichung der Parteienfinanzierung gut gebrauchen können, um ihre Strukturen zu erhalten und auszubauen.

Besuch aus Österreich
Wenig überraschend, dass auch Rechtsextreme aus Österreich nach Themar gereist sind. Neben Dorothee Lindemuth-Müller und Rolf Müller, welche Anfang des Jahres wegen Wiederbetätigung zu relativ hohen Bewährungsstrafen verurteilt worden sind und für welche das Konzert wohl ein Pflichtbesuch gewesen ist, hat zum Beispiel auch Daniel P. aus Graz die Reise auf sich genommen. P. wird von Recherche Wien zum Umfeld der Neonazi-Gruppe “Unwiderstehlich” gezählt.

Identitärer Einfluss?
Bemerkenswert war die Teilnahme von André R., der im Prozess rund um den Angriff auf das Ernst-Kirchweger-Haus im Herbst 2013 auf der Anklagebank saß, hat sich im vergangenen Jahr dadurch profiliert, dass er immer wieder auf Veranstaltungen der “Identitären” anzutreffen war. Bei der letztjährigen Demonstration der Gruppe in Wien hat R., mit anderen Schlägernazis, den Demoschutz gestellt und heuer ist er sogar mit ihnen nach Berlin gereist. Die rege Beteiligung an den Aktionen der “Identitären” und das bei diesen Veranstaltungen zur Schau gestellte Naheverhältnis stehen im krassen Widerspruch zur Teilnahme R.’s am Nazi-Konzert in Themar – distanzieren sich die “Identitären” doch offiziell von jeglichem Neonazismus.

Beispielfoto für die zunehmende Verbreitung von Merchandise aus dem “Phalanx Europa”-Versand - oben ein Foto von Themar im Juli 2017, unten der Pulli im Angebot des Phalanx-Versands

Beispielfoto für die zunehmende Verbreitung von Merchandise aus dem “Phalanx Europa”-Versand – oben ein Foto von Themar im Juli 2017, unten der Pulli im Angebot des Phalanx-Versands. Bildquelle: Lionel C. Bendtner

Neben einem ihrer Aktivisten waren die “Identitären” vor allem durch ihren Merchandise aus dem “Phalanx Europa”-Versand repräsentiert. Die Verbreitung ihrer Ästhetik und Symboliken könnte eine zunehmende Relevanz, vor allem aber Akzeptanz der Gruppe in Neonazi-Kreisen andeuten.

Ein weiterer Hinweis für diese Annahme ist das für den 29. Juli angekündigte “Rock für Identität”, bei welchem ein zentraler Begriff der “Identitären” übernommen wird und welches von einem ähnlichen Personenkreis geplant wird wie das “Rock gegen Überfremdung”. Das Konzert soll ebenfalls in Themar auf dem Grundstück von AfD-Politiker Bodo Dressel stattfinden. Die Veranstaltung ist derzeit allerdings verboten.

Besuch auch aus Südtirol
Neben den hier wiedergegebenen Recherchen sei noch auf den Bericht über die Teilnahme von Südtiroler Neonazis am „Rock gegen Überfremdung“ in Themar hingewiesen: „Auch 30 Südtiroler bei größtem Neonazi-Treffen in Deutschland dabei“