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FPÖ-Ballgast Noah Krieger: Kadyrow-Kontakte, Hitler-Postings und offene Haftstrafe

Beim FPÖ-Aka­de­mi­ker­ball posier­te der AfD-Influen­cer Noah Krie­ger mit Leo Lug­ner, Wie­ner Unter­neh­mern und dem Rechts­extre­mis­ten Irfan Peci. Krie­ger ist wegen Gei­sel­nah­me rechts­kräf­tig ver­ur­teilt, ins Kady­row-Milieu ver­netzt und ver­brei­tet NS-Pro­pa­gan­da – inzwi­schen mit Kalasch­ni­kow an Russ­lands Front.

20. Juli 2026
Eintreffen am FPÖ-Akademikerball: v.l.n.r. Alexander Pecka, Ibragim Madarov, Noah Krieger (Foto: Presseservice Wien 20.2.26)
Eintreffen am FPÖ-Akademikerball: v.l.n.r. Alexander Pecka, Ibragim Madarov, Noah Krieger (Foto: Presseservice Wien 20.2.26)

Mit Leo Lugner und Wiener Unternehmern in der Hofburg

Am 20. Febru­ar 2026 ver­an­stal­te­te die Wie­ner FPÖ ihren Aka­de­mi­ker­ball in der Hof­burg. Einen Tag spä­ter ver­öf­fent­lich­te Noah Krie­ger ein Foto aus dem Ball­saal, auf dem er neben dem Wie­ner FPÖ-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Leo Lug­ner steht. Der Bei­trag trägt die Hash­tags #leo­lug­ner, #noah­krie­ger und #hof­burg. Wer Krie­ger die Ein­tritts­kar­te ver­schaff­te oder ihn ein­lud, ist unbekannt.

Wei­te­re Auf­nah­men doku­men­tie­ren Krie­gers Gesell­schaft an die­sem Abend. Ein Foto zeigt ihn beim Ein­tref­fen hin­ter Alex­an­der Pecka und Ibrag­im Mada­rov. Für ein Foto aus der Hof­burg posiert er mit Mada­rov und dem Unter­neh­mer Andre­as König. Ein von Krie­ger ver­öf­fent­lich­tes Video zeigt Mada­rov, Pecka und den in Wien leben­den Rechts­extre­mis­ten Irfan Peci. Die drei win­ken in Rich­tung Kame­ra. Das Video erhielt ein Like des Ball­or­ga­ni­sa­tors Udo Gug­gen­bich­ler. Die Auf­nah­men doku­men­tie­ren, dass Krie­ger sich wäh­rend des Balls in die­sem Per­so­nen­kreis bewegte.

König und Pecka waren jah­re­lang Geschäfts­part­ner und bau­ten gemein­sam ein E‑Com­mer­ce-Geschäft auf, das nach eige­nen Anga­ben inner­halb von zwei­ein­halb Jah­ren zehn Mil­lio­nen Euro Umsatz erziel­te. Ibrag­im Mada­rov ist seit 2021 Geschäfts­füh­rer und Gesell­schaf­ter des Wie­ner Inkas­so-Unter­neh­mens Lionhead GmbH. Die Fir­ma wirbt mit inter­na­tio­na­ler For­de­rungs­ein­trei­bung, der Wie­der­be­schaf­fung von Kryp­to­wäh­run­gen sowie „Ermitt­lung und Observation“.

Irfan Peci gibt sich seit sei­nem Kar­rie­re­en­de als Al-Quai­da-Pro­pa­gan­dist als „Isla­mis­ten­jä­ger“ und war über Jah­re hin­weg gern gese­he­ner Gast bei FPÖ-Ver­an­stal­tun­gen. 2023 woll­te er nach Vor­bild der islam­feind­li­chen „Bür­ger­be­we­gung Pax Euro­pa“ in Öster­reich einen aggres­si­ven Kund­ge­bungs­stil in noch radi­ka­le­rer Form eta­blie­ren. Eine ange­kün­dig­te „Brenn­punkt­tour“ mit Mar­tin Sell­ner durchs gan­ze Bun­des­ge­biet ende­te im April 2023 nach einer geflopp­ten Kund­ge­bung in Wien-Favo­ri­ten abrupt.

Noah Krieger (Murad Dadaev) am FPÖ-Akademikerball 2026: v.l.n.r.: mit Leo Lugner; Andreas König, unbekannt, Noah Krieger, Ibragim Madarov; Alexander Pecka, Ibragim Madarov, Irfan Peci (Screenshots Noah Krieger Insta)
Noah Krie­ger (Murad Dadaev) am FPÖ-Aka­de­mi­ker­ball 2026: v.l.n.r.: mit Leo Lug­ner; Andre­as König, unbe­kannt, Noah Krie­ger, Ibrag­im Mada­rov; Alex­an­der Pecka, Ibrag­im Mada­rov, Irfan Peci (Screen­shots Noah Krie­ger Insta)

Von Murad Dadaev zum AfD-Influencer Noah Krieger

Noah Krie­ger wur­de 1989 als Murad Dadaev in Tsche­t­schiens Haupt­stadt Gros­ny gebo­ren. Er sei 2013 nach Deutsch­land gekom­men. Auf Insta­gram erreich­te er zeit­wei­se rund 440.000 Fol­lower und wur­de zu einem der reich­wei­ten­stärks­ten Influen­cer im AfD-Umfeld. Auch der gefal­le­ne Ex-FPÖ-Poli­ti­ker Johann Gude­nus zählt zu sei­nen Followern.

Krie­ger warb an Info­stän­den für die Par­tei, posier­te mit Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten und emp­fing Funk­tio­nä­re in einer in Han­no­ver ange­mie­te­ten Vil­la. Der loka­le Vor­stand des AfD-Kreis­ver­bands traf sich dort mehrfach.

Schweigender Zeuge im Mordfall Umar Israilow

Krie­gers Fami­li­en­ge­schich­te führt nach Wien. Dort wur­de der tsche­tsche­ni­sche Regime­kri­ti­ker Umar Israi­low am 13. Jän­ner 2009 erschos­sen. Israi­low hat­te den tsche­tsche­ni­schen Dik­ta­tor Ramsan Kady­row beschul­digt, ihn per­sön­lich gefol­tert zu haben. Drei Män­ner wur­den wegen ihrer Betei­li­gung an der Tat zu lebens­lan­ger Haft sowie zu 19 und 16 Jah­ren verurteilt.

Einer der Ver­ur­teil­ten war Krie­gers Bru­der Suley­man Dadaev. Er hat­te Israi­low obser­viert und erhielt 19 Jah­re Haft. Murad Dadaev war als Zeu­ge zum Kom­plex „Planung/Vorbereitung/Nachtatverhalten“ gela­den, ver­wei­ger­te im Pro­zess jedoch die Aus­sa­ge. Eine direk­te Betei­li­gung Krie­gers an der Tat ist nicht belegt. Die Staats­an­walt­schaft hielt einen Auf­trag aus Kady­rows Umfeld für mög­lich. Suley­man Dadaev wur­de 2022 vor­zei­tig aus der Haft ent­las­sen, reis­te nach Mos­kau, wo er unter dem fal­schen Namen Surk­ho Shi­ka­ro einen Pass erhielt und, wie Corec­tiv (3.3.26) berich­tet, den­noch in Deutsch­land ein­rei­sen konn­te „und in Han­no­ver offen­bar in Geschäf­te ver­wi­ckelt war, die ihm eine Anzei­ge wegen Erpres­sung ein­brach­ten”.

Zwei Jahre und vier Monate Haft

Beim Aka­de­mi­ker­ball war Krie­ger bereits längst rechts­kräf­tig wegen Gei­sel­nah­me, gefähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung und Nöti­gung ver­ur­teilt. Das Land­ge­richt Han­no­ver ver­häng­te zwei Jah­re und vier Mona­te Haft. Das Urteil ist ist nach Anga­ben der Staats­an­walt­schaft gegen­über der Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen (17.7.26) seit August 2025 rechts­kräf­tig. Krie­ger hat die Stra­fe bis­lang nicht verbüßt.

Aus­gangs­punkt war ein Streit um ver­schwun­de­ne Pit­bull­wel­pen im Juli 2019. Eine Grup­pe brach­te zwei Betrof­fe­ne in einer Woh­nung in Han­no­ver-Lin­den unter ihre Kon­trol­le, ver­lang­te 3.000 bis 5.000 Euro und droh­te einem Opfer, es „auf­zu­schlit­zen“. Krie­ger fuhr mit dem ein­ge­schüch­ter­ten Mann zu des­sen Vater und spä­ter zu einer fin­gier­ten Geld­über­ga­be. Dort nahm ihn die Poli­zei fest. Krie­ger ver­harm­los­te den Fall als eska­lier­ten pri­va­ten Streit.

Kadyrows Netzwerk und ein Hakenkreuz-Dolch

Bereits vor dem Ball hat­ten iSto­ries und Cor­rec­tiv (9.12.25) Krie­gers Bezie­hun­gen in das Umfeld von Ramsan Kady­row offen­ge­legt. Krie­ger emp­fing Ver­tre­ter eines Kady­row-treu­en Dia­spo­ra-Netz­werks in Han­no­ver und erklär­te gegen­über iSto­ries, er unter­stüt­ze die rus­si­sche Regie­rung und Kady­row. Die­ser ver­die­ne für den Auf­bau Tsche­tsche­ni­ens „Respekt“.

Im März 2026 reis­te Krie­ger nach Gros­ny. Er absol­vier­te ein Schieß­trai­ning mit einer Kalasch­ni­kow, besuch­te eine Par­la­ments­sit­zung mit Kady­row und traf hoch­ran­gi­ge Funk­tio­nä­re. Dem Infor­ma­ti­ons­mi­nis­ter über­gab er einen Wehr­machts­dolch mit Hakenkreuz-Emblem.

Mit Samid Tscha­la­jew, dem Kom­man­deur eines nach Kady­rows Vater benann­ten Spe­zi­al­po­li­zei­re­gi­ments, ließ er sich im Restau­rant abbil­den. Nach Berich­ten der Nowa­ja Gas­eta führt das Regi­ment unter Tscha­la­jews Füh­rung außer­ge­richt­li­che Hin­rich­tun­gen in Tsche­tsche­ni­en durch. (correctiv.org, 8.4.26)

Selbst der AfD Nie­der­sach­sen war das zu viel: Sie schloss ihn im Früh­jahr 2026 aus.

Hitler-Look und antisemitische Verschwörungen

Am 7. April ver­öf­fent­lich­te Krie­ger ein Por­trät mit einer deut­lich an Adolf Hit­ler ange­lehn­ten Fri­sur. Dar­über stand: „Ich suche neu­en Bun­des­kanz­ler – Ger­ne auch ein Österreicher!“

Am 18. Mai teil­te er eine anti­se­mi­ti­sche Kari­ka­tur. Ste­reo­typ gezeich­ne­te Juden flüs­tern Mus­li­men und Chris­ten, Schwar­zen und Wei­ßen sowie Lin­ken und Rech­ten ein, gegen­ein­an­der zu kämp­fen. Das Bild ver­brei­tet den Ver­schwö­rungs­my­thos, Juden wür­den gesell­schaft­li­che Kon­flik­te im Hin­ter­grund steu­ern. Die taz (7.7.26) doku­men­tier­te außer­dem eine SS-Uni­form, eine israe­li­sche Flag­ge mit Haken­kreuz anstel­le des David­sterns sowie Vide­os mit Reden Hit­lers und Joseph Goeb­bels’. In einem Video erklär­te Krie­ger: „In unser Land kom­men und regie­ren die Juden. Das ist ein Fakt.“

Links: Krieger mit Wehrmachtsdolch und dem tschetschnischen Informationsminister Achmed Dudaev; rechts: Krieger im Hitler-Look auf Bundeskanzlersuche (Screenshot li. 23.3.26, re. 7.4.26 Insta)
Links: Krie­ger mit Wehr­machts­dolch und dem tsche­tsch­ni­schen Infor­ma­ti­ons­mi­nis­ter Ach­med Dudaev; rechts: Krie­ger im Hit­ler-Look auf Bun­des­kanz­ler­su­che (Screen­shot li. 23.3.26, re. 7.4.26 Insta)

Mit russischen Truppen in der Ukraine

Seit Ende Juni prä­sen­tiert sich Krie­ger im rus­si­schen Angriffs­krieg gegen die Ukrai­ne. Auf­nah­men zei­gen ihn mit Schutz­wes­te und Kalasch­ni­kow im zer­stör­ten Awdi­jiw­ka sowie im Umfeld tsche­tsche­ni­scher „Achmat“-Kämpfer. Wel­che mili­tä­ri­schen Auf­ga­ben er über­nom­men hat, ist nicht klar. Krie­ger kün­dig­te ein Batail­lon für deut­sche Frei­wil­li­ge an und behaup­te­te, rus­si­sche Kämp­fer wür­den ihn „Füh­rer“ nennen.

In einem ande­ren Pos­ting kün­digt er an: „Ich wer­de eines Tages da sein und mein Land von Rat­ten befrei­en. Ich habe es poli­tisch ver­sucht; lei­der war es nicht mög­lich. Jetzt habe ich ein ande­res Mit­tel gefun­den. Für Deutsch­land Kame­rad.“ Dazu pos­tet er eiser­ne Kreu­ze und mar­tia­li­sche Musik. Und: Zwei Blit­ze, die wohl an SS-Sie­gru­nen erin­nern sol­len, dazu eine deut­sche und eine rus­si­sche Flag­ge, dazwi­schen zwei sich schüt­teln­de Hän­de. (taz, 7.7.26)

Beglei­tet von einem kurio­sen Video, in dem Krie­ger erneut im NS-Style auf­tritt, einen Dolch mit Haken­kreuz und eine Pis­to­le in die Kame­ra zeigt, erklär­te er am 16. Juli, nach Kriegs­en­de mit bewaff­ne­ten Män­nern nach Deutsch­land zie­hen zu wollen.

Wenn der Krieg in der Ukrai­ne been­det ist, wer­den wir nach Deutsch­land mar­schie­ren, um unser Land zu befrei­en. Stellt euch vor: 300 deut­sche Män­ner in vol­ler Aus­rüs­tung vor dem Reichs­tag, dann wer­den die da oben sich in die Hosen machen und schleu­nigst nach Ame­ri­ka abhauen.

Noah Krieger mit Wehrmachtsdolch und Pistole: "Wir Deutschen fürchten Gott, aber sonst nichts auf dieser Welt! Genau solche standhaften, charakterfesten und kampferprobten Männer brauche ich in unserem • Krieger-Bataillon 4 Gemeinsam werden wir Schulter an Schulter kämpfen, für unser deutsches Vaterland und für das deutsche Volk. Wer mich kennt, der weiß genau, was für ein entschlossener Charakter ich bin. Ich mache keine leeren Versprechungen, wie es die Regierung in Berlin tut. Ich stehe aufrecht und bekenne mich mit hundertprozentiger Loyalität zu meinem geliebten Vaterland. Wer noch Ehre und Stolz in sich trägt, der erhebe sich! Unsere Zeit ist gekommen. Wir werden es nicht länger hinnehmen, dass uns unsere Regierung hintergeht und unsere Steuergelder in die Ukraine schickt. Wir werden dieses Geld zurückfordern und in den Aufbau unseres Landes investieren. Heute wende ich mich an Russland, um die Möglichkeit zu prüfen, ob wir den Mut aufbringen, uns von Amerika endgültig loszusagen. Denn unser Land ist fremdbestimmt, wir sind nicht die Herren in unseren eigenen Städten. Jeder scheint tun und lassen zu können, was er will. Doch ich will ein starkes, wehrhaftes und freies Deutschland sehen! Möge Gott und das deutsche Volk mit uns sein. Wenn der Krieg in der Ukraine beendet ist, werden wir nach Deutschland marschieren, um unser Land zu befreien. Stellt euch vor: 300 deutsche Männer in voller Ausrüstung vor dem Reichstag, dann werden die da oben sich in die Hosen machen und schleunigst nach Amerika abhauen. Wir kämpfen nicht um Geld, wir kämpfen für Deutschland, für Freiheit und für wahre Unabhängigkeit. Allein Russland als verlässlicher Geschäftspartner würde uns vollkommen ausreichen. Auf dass wir siegen, für die Ehre Deutschlands! #Deutschland E #Russland = #NoahWolfKrieger #?????????????? #?????????" (Screenshot Insta 16.7.6)
Noah Krie­ger mit Wehr­machts­dolch und Pis­to­le: „Wenn der Krieg in der Ukrai­ne been­det ist, wer­den wir nach Deutsch­land mar­schie­ren …” (Screen­shot Ins­ta 16.7.6)

Krie­ger besitzt nach Anga­ben der Aus­län­der­be­hör­de Han­no­ver der­zeit kein Recht zur Wie­der­ein­rei­se nach Deutsch­land, wo eine eine rechts­kräf­ti­ge Haft­stra­fe auf ihn war­tet. Aber viel­leicht geht sich ein Besuch beim nächs­ten FPÖ-Ball im Febru­ar 2027 aus? Viel­leicht, um sich mit Johann Gude­nus über den Mord an Israi­low und Kady­rovs „Wohl­ta­ten” auszutauschen?

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Schlagwörter: AfD | Antisemitismus | FPÖ | Körperverletzung | Mord/Mordversuch/Totschlag | Neonazismus/Neofaschismus | Weite Welt | Wien

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