Mit Leo Lugner und Wiener Unternehmern in der Hofburg
Am 20. Februar 2026 veranstaltete die Wiener FPÖ ihren Akademikerball in der Hofburg. Einen Tag später veröffentlichte Noah Krieger ein Foto aus dem Ballsaal, auf dem er neben dem Wiener FPÖ-Landtagsabgeordneten Leo Lugner steht. Der Beitrag trägt die Hashtags #leolugner, #noahkrieger und #hofburg. Wer Krieger die Eintrittskarte verschaffte oder ihn einlud, ist unbekannt.
Weitere Aufnahmen dokumentieren Kriegers Gesellschaft an diesem Abend. Ein Foto zeigt ihn beim Eintreffen hinter Alexander Pecka und Ibragim Madarov. Für ein Foto aus der Hofburg posiert er mit Madarov und dem Unternehmer Andreas König. Ein von Krieger veröffentlichtes Video zeigt Madarov, Pecka und den in Wien lebenden Rechtsextremisten Irfan Peci. Die drei winken in Richtung Kamera. Das Video erhielt ein Like des Ballorganisators Udo Guggenbichler. Die Aufnahmen dokumentieren, dass Krieger sich während des Balls in diesem Personenkreis bewegte.
König und Pecka waren jahrelang Geschäftspartner und bauten gemeinsam ein E‑Commerce-Geschäft auf, das nach eigenen Angaben innerhalb von zweieinhalb Jahren zehn Millionen Euro Umsatz erzielte. Ibragim Madarov ist seit 2021 Geschäftsführer und Gesellschafter des Wiener Inkasso-Unternehmens Lionhead GmbH. Die Firma wirbt mit internationaler Forderungseintreibung, der Wiederbeschaffung von Kryptowährungen sowie „Ermittlung und Observation“.
Irfan Peci gibt sich seit seinem Karriereende als Al-Quaida-Propagandist als „Islamistenjäger“ und war über Jahre hinweg gern gesehener Gast bei FPÖ-Veranstaltungen. 2023 wollte er nach Vorbild der islamfeindlichen „Bürgerbewegung Pax Europa“ in Österreich einen aggressiven Kundgebungsstil in noch radikalerer Form etablieren. Eine angekündigte „Brennpunkttour“ mit Martin Sellner durchs ganze Bundesgebiet endete im April 2023 nach einer gefloppten Kundgebung in Wien-Favoriten abrupt.

Von Murad Dadaev zum AfD-Influencer Noah Krieger
Noah Krieger wurde 1989 als Murad Dadaev in Tschetschiens Hauptstadt Grosny geboren. Er sei 2013 nach Deutschland gekommen. Auf Instagram erreichte er zeitweise rund 440.000 Follower und wurde zu einem der reichweitenstärksten Influencer im AfD-Umfeld. Auch der gefallene Ex-FPÖ-Politiker Johann Gudenus zählt zu seinen Followern.
Krieger warb an Infoständen für die Partei, posierte mit Bundestagsabgeordneten und empfing Funktionäre in einer in Hannover angemieteten Villa. Der lokale Vorstand des AfD-Kreisverbands traf sich dort mehrfach.
Schweigender Zeuge im Mordfall Umar Israilow
Kriegers Familiengeschichte führt nach Wien. Dort wurde der tschetschenische Regimekritiker Umar Israilow am 13. Jänner 2009 erschossen. Israilow hatte den tschetschenischen Diktator Ramsan Kadyrow beschuldigt, ihn persönlich gefoltert zu haben. Drei Männer wurden wegen ihrer Beteiligung an der Tat zu lebenslanger Haft sowie zu 19 und 16 Jahren verurteilt.
Einer der Verurteilten war Kriegers Bruder Suleyman Dadaev. Er hatte Israilow observiert und erhielt 19 Jahre Haft. Murad Dadaev war als Zeuge zum Komplex „Planung/Vorbereitung/Nachtatverhalten“ geladen, verweigerte im Prozess jedoch die Aussage. Eine direkte Beteiligung Kriegers an der Tat ist nicht belegt. Die Staatsanwaltschaft hielt einen Auftrag aus Kadyrows Umfeld für möglich. Suleyman Dadaev wurde 2022 vorzeitig aus der Haft entlassen, reiste nach Moskau, wo er unter dem falschen Namen Surkho Shikaro einen Pass erhielt und, wie Corectiv (3.3.26) berichtet, dennoch in Deutschland einreisen konnte „und in Hannover offenbar in Geschäfte verwickelt war, die ihm eine Anzeige wegen Erpressung einbrachten”.
Zwei Jahre und vier Monate Haft
Beim Akademikerball war Krieger bereits längst rechtskräftig wegen Geiselnahme, gefährlicher Körperverletzung und Nötigung verurteilt. Das Landgericht Hannover verhängte zwei Jahre und vier Monate Haft. Das Urteil ist ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen (17.7.26) seit August 2025 rechtskräftig. Krieger hat die Strafe bislang nicht verbüßt.
Ausgangspunkt war ein Streit um verschwundene Pitbullwelpen im Juli 2019. Eine Gruppe brachte zwei Betroffene in einer Wohnung in Hannover-Linden unter ihre Kontrolle, verlangte 3.000 bis 5.000 Euro und drohte einem Opfer, es „aufzuschlitzen“. Krieger fuhr mit dem eingeschüchterten Mann zu dessen Vater und später zu einer fingierten Geldübergabe. Dort nahm ihn die Polizei fest. Krieger verharmloste den Fall als eskalierten privaten Streit.
Kadyrows Netzwerk und ein Hakenkreuz-Dolch
Bereits vor dem Ball hatten iStories und Correctiv (9.12.25) Kriegers Beziehungen in das Umfeld von Ramsan Kadyrow offengelegt. Krieger empfing Vertreter eines Kadyrow-treuen Diaspora-Netzwerks in Hannover und erklärte gegenüber iStories, er unterstütze die russische Regierung und Kadyrow. Dieser verdiene für den Aufbau Tschetscheniens „Respekt“.
Im März 2026 reiste Krieger nach Grosny. Er absolvierte ein Schießtraining mit einer Kalaschnikow, besuchte eine Parlamentssitzung mit Kadyrow und traf hochrangige Funktionäre. Dem Informationsminister übergab er einen Wehrmachtsdolch mit Hakenkreuz-Emblem.
Mit Samid Tschalajew, dem Kommandeur eines nach Kadyrows Vater benannten Spezialpolizeiregiments, ließ er sich im Restaurant abbilden. Nach Berichten der Nowaja Gaseta führt das Regiment unter Tschalajews Führung außergerichtliche Hinrichtungen in Tschetschenien durch. (correctiv.org, 8.4.26)
Selbst der AfD Niedersachsen war das zu viel: Sie schloss ihn im Frühjahr 2026 aus.
Hitler-Look und antisemitische Verschwörungen
Am 7. April veröffentlichte Krieger ein Porträt mit einer deutlich an Adolf Hitler angelehnten Frisur. Darüber stand: „Ich suche neuen Bundeskanzler – Gerne auch ein Österreicher!“
Am 18. Mai teilte er eine antisemitische Karikatur. Stereotyp gezeichnete Juden flüstern Muslimen und Christen, Schwarzen und Weißen sowie Linken und Rechten ein, gegeneinander zu kämpfen. Das Bild verbreitet den Verschwörungsmythos, Juden würden gesellschaftliche Konflikte im Hintergrund steuern. Die taz (7.7.26) dokumentierte außerdem eine SS-Uniform, eine israelische Flagge mit Hakenkreuz anstelle des Davidsterns sowie Videos mit Reden Hitlers und Joseph Goebbels’. In einem Video erklärte Krieger: „In unser Land kommen und regieren die Juden. Das ist ein Fakt.“

Mit russischen Truppen in der Ukraine
Seit Ende Juni präsentiert sich Krieger im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Aufnahmen zeigen ihn mit Schutzweste und Kalaschnikow im zerstörten Awdijiwka sowie im Umfeld tschetschenischer „Achmat“-Kämpfer. Welche militärischen Aufgaben er übernommen hat, ist nicht klar. Krieger kündigte ein Bataillon für deutsche Freiwillige an und behauptete, russische Kämpfer würden ihn „Führer“ nennen.
In einem anderen Posting kündigt er an: „Ich werde eines Tages da sein und mein Land von Ratten befreien. Ich habe es politisch versucht; leider war es nicht möglich. Jetzt habe ich ein anderes Mittel gefunden. Für Deutschland Kamerad.“ Dazu postet er eiserne Kreuze und martialische Musik. Und: Zwei Blitze, die wohl an SS-Siegrunen erinnern sollen, dazu eine deutsche und eine russische Flagge, dazwischen zwei sich schüttelnde Hände. (taz, 7.7.26)
Begleitet von einem kuriosen Video, in dem Krieger erneut im NS-Style auftritt, einen Dolch mit Hakenkreuz und eine Pistole in die Kamera zeigt, erklärte er am 16. Juli, nach Kriegsende mit bewaffneten Männern nach Deutschland ziehen zu wollen.
Wenn der Krieg in der Ukraine beendet ist, werden wir nach Deutschland marschieren, um unser Land zu befreien. Stellt euch vor: 300 deutsche Männer in voller Ausrüstung vor dem Reichstag, dann werden die da oben sich in die Hosen machen und schleunigst nach Amerika abhauen.

Krieger besitzt nach Angaben der Ausländerbehörde Hannover derzeit kein Recht zur Wiedereinreise nach Deutschland, wo eine eine rechtskräftige Haftstrafe auf ihn wartet. Aber vielleicht geht sich ein Besuch beim nächsten FPÖ-Ball im Februar 2027 aus? Vielleicht, um sich mit Johann Gudenus über den Mord an Israilow und Kadyrovs „Wohltaten” auszutauschen?
Unabhängige Recherche ermöglichen...
Jetzt unterstützen »


