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Lesezeit: 6 Minuten

„The European Race“: Weißer Überlegenheitsrassismus als Facebook-Lifestyle und Metas Wegschauen

Die Face­book-Sei­te „The Euro­pean Race“ zeigt eine hoch­ak­ti­ve Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne: ras­sis­ti­sche Über­le­gen­heits­fan­ta­sien, Segre­ga­ti­ons­pa­ro­len und auch NS-affi­ne Bot­schaf­ten erzie­len teils zehn­tau­sen­de Reak­tio­nen und Mil­lio­nen­reich­wei­te. Mel­dun­gen an den Face­book-Kon­zern Meta blei­ben folgenlos.

2. März 2026
White supremacy-Facebook-Seite "The European Race"
White supremacy-Facebook-Seite "The European Race"

Propagandakanal mit dichter Taktung und hoher Reichweite

Die Face­book-Sei­te „The Euro­pean Race“ mit rund 160.000 Fol­lo­wern* bespielt ihren Feed in dich­ter Fre­quenz und ver­brei­tet ein geschlos­se­nes rechts­extre­mes Welt­bild. Die Pro­pa­gan­da­sei­te ist seit 2021 online, Infor­ma­tio­nen über die Betrei­ber sind nicht ver­füg­bar – das Menü „Sei­ten­trans­pa­renz“ ist leer.

Schon die Pos­ting­fre­quenz zeigt, wie pro­fes­sio­nell die Sei­te auf Sicht­bar­keit arbei­tet. Es fin­den sich immer wie­der Seri­en von Bei­trä­gen in kur­zen Abstän­den, teils im Stunden‑, manch­mal sogar im Minu­ten­takt. Die Sei­te ist eine getak­te­te Con­tent-Maschi­ne, die ihre Bot­schaf­ten per­ma­nent in den Feed drückt. Wir haben durch die Bei­trä­ge von vier Wochen ab dem 25. Jän­ner gescrollt und die Mus­ter herausgearbeitet.

Ästhetisierung des Rassismus

Als inhalt­li­che Scha­blo­ne steht die Behaup­tung einer über­le­ge­nen wei­ßen Ras­se, ver­bun­den mit der Auf­for­de­rung, deren Iden­ti­tät bio­lo­gisch, kul­tu­rell und poli­tisch zu ver­tei­di­gen. Die­se Ideo­lo­gie wird in weich gezeich­ne­ter Life­style-Bild­spra­che mit blon­den Kin­dern, wei­ßen Fami­li­en, heroi­sier­ten Män­ner­fi­gu­ren und länd­li­chen Idyl­len ver­brei­tet. Dass die Sei­te unter der Kate­go­rie „Bil­den­de Küns­te“ läuft, passt zur Inten­ti­on: Ras­sis­mus erscheint als Schön­heit, Ord­nung und Nor­ma­li­tät. Selbst wenn Pos­tings – meist Memes mit Over­lay-Text, manch­mal auch Vide­os – neo­na­zis­ti­schen Con­tent ver­brei­ten, sind die Bil­der so bear­bei­tet, dass ihnen jeg­li­che Här­te genom­men wird. Sel­ten, qua­si zum Zwi­schen­durch-Auf­hei­zen, wer­den Vide­os von Gewalt­sze­nen eingespielt.

Am 23. Febru­ar wird etwa die For­mel „The Most Beau­tiful Race In The World Is The White Race“ („Die schöns­te Ras­se der Welt ist die wei­ße Ras­se“) ver­brei­tet. Eben­falls am 23. Febru­ar fin­det sich die Aus­sa­ge „Whites are the stron­gest, smar­test, nicest & most attrac­ti­ve race of all time“ („Wei­ße sind die stärks­te, klügs­te, net­tes­te und attrak­tivs­te Ras­se aller Zei­ten“). Sol­che Sät­ze bil­den das ideo­lo­gi­sche Grund­rau­schen der Seite.

Ein zwei­ter roter Faden ist die demo­gra­fi­sche Mobi­li­sie­rung. Am 25. Jän­ner wird mit „Blon­des & Red­heads need to start bree­ding White babies NOW!“ („Blon­de und Rot­haa­ri­ge müs­sen jetzt anfan­gen, wei­ße Babys zu bekom­men!“) und dem Hash­tag #SaveOur­White­Fu­ture gear­bei­tet. Im wei­te­ren Ver­lauf tau­chen stän­dig Vari­an­ten der­sel­ben Bot­schaft auf, etwa zu „white babies“, „white fami­lies“ und einer „white future“. Die­se Spra­che tarnt völ­ki­sche Bevöl­ke­rungs­po­li­tik als Familienidylle.

Segregation, Opfermythos und Reichweitenlogik

Neben Über­le­gen­heits­fan­ta­sien setzt die Sei­te durch­ge­hend auf Aus­gren­zung und Segre­ga­ti­on. Anfang Febru­ar wird das offen for­mu­liert. In einem Pos­ting heißt es sinn­ge­mäß, die Hei­mat sei nur für Wei­ße gebaut wor­den; ver­bun­den ist das mit Depor­ta­ti­ons­pa­ro­len. Am 10. Febru­ar folgt der noch deut­li­che­re Slo­gan „White schools, just WHITE ONLY AGAIN“(„Wei­ße Schu­len, ein­fach wie­der NUR WEISS“).

Par­al­lel dazu läuft ein stän­di­ger Bedro­hungs- und Opfer­frame. Gesell­schaft­li­cher Wan­del erscheint nicht als Rea­li­tät, son­dern als Angriff auf „die Wei­ßen“. Ein mar­kan­tes Bei­spiel ist ein Bei­trag vom 10. Febru­ar mit der Behaup­tung „Diver­si­ty was forced on us at gun point“ („Diver­si­tät wur­de uns mit vor­ge­hal­te­ner Waf­fe auf­ge­zwun­gen“). So wer­den aggres­si­ve ras­sis­ti­sche Posi­tio­nen als Selbst­schutz insze­niert. Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­nisch ist das das zen­tra­le Framing der Sei­te: weni­ger direk­ter Hass als angeb­li­che Verteidigung.

Hohe Like-Zah­len erzie­len nicht nur Fami­li­en- und Kin­der­bil­der, son­dern vor allem Bei­trä­ge, die ras­sis­ti­sche Iden­ti­tät und zugleich ein poli­ti­sches Feind­bild anbie­ten. Auf­fäl­lig ist etwa ein Bei­trag vom 22. Febru­ar mit Bezug auf den Bri­ten Rupert Lowe, der vor weni­gen Tagen ange­kün­digt hat, aus sei­ner rechts­extrem aus­ge­rich­te­ten Bewe­gung „Res­to­re Bri­tain“ eine neue Par­tei zu grün­den. Das Pos­ting mit dem Beglei­text, „It’s time to ban the word ‚racist‘. The White Race is not respon­si­ble for other races. That’s it.“ (Es ist an der Zeit, das Wort „Ras­sist“ zu ver­bie­ten. Die wei­ße Ras­se ist nicht für ande­re Ras­sen ver­ant­wort­lich. Das ist alles.“), erreicht mehr 10.100 Likes und sehr vie­le Kom­men­ta­re und Shares. Stark per­for­men auch offen segre­ga­tio­nis­ti­sche Inhal­te wie das „white schools“-Posting sowie klas­si­sche „white family“-Motive mit meh­re­ren tau­send Likes.

Verschwörungsideologische Codes

Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche Codes die­nen als Klam­mer, um Ras­sis­mus als ver­meint­lich auf­ge­klär­te Welt­erklä­rung zu ver­kau­fen. Wie­der­keh­rend ist die Rede von „Glo­ba­lists“ oder von im Hin­ter­grund wir­ken­den Mäch­ten und „Eli­ten“, die Migra­ti­on und „Diver­si­ty“ plan­voll len­ken würden.

Ein Pos­ting raunt von „13 fami­lies to eli­mi­na­te our White Race”, gar­niert mit einer Zeich­nung mit schwarz gefärb­ten affen­ähn­li­chen Figu­ren, die auf Wei­ße ein­schla­gen. Die Chif­fre der „13 fami­lies” steht für die anti­se­mi­tisch kon­no­tier­te Erzäh­lung von einer klei­nen, gehei­men Eli­te aus „13 Fami­li­en“ bzw. „13 Blut­li­ni­en“, die ver­meint­lich Poli­tik, Medi­en, Finanz­sys­tem und Krie­ge steue­re (oft unter Labels wie „New World Order“, „Illu­mi­na­ti“, „glo­ba­lists“).

The European Race: "Every brown and black is an orchestrated bio weapon for the 13 families to eliminate our White Race. Wake up." (Screenshot FB 12.2.26)
„Every brown and black is an orchestra­ted bio wea­pon for the 13 fami­lies to eli­mi­na­te our White Race. Wake up.” (Screen­shot FB 12.2.26)

Sol­che Codes funk­tio­nie­ren im rechts­extre­men Dis­kurs als Andeu­tungs­rhe­to­rik, die ein Publi­kum mit ein­schlä­gi­gem Vor­wis­sen abholt und zugleich anschluss­fä­hig bleibt, weil sie juris­tisch und platt­form­sei­tig schwe­rer zu grei­fen sind als offe­ne Hass­re­de. Gera­de in der Kom­bi­na­ti­on mit dem „Repla­ce­ment“- bzw. Ver­drän­gungs­nar­ra­tiv wird dar­aus eine Ver­schwö­rungs­er­zäh­lung, die nicht nur Feind­bil­der lie­fert, son­dern Gewalt­fan­ta­sien und „Notwehr“-Rhetorik plau­si­bi­li­sie­ren soll.

Revisionismus, Verbotsgesetz und Verhetzung

Das Mate­ri­al kippt regel­mä­ßig in geschichts­re­vi­sio­nis­ti­sche und NS-nah codier­te Bot­schaf­ten. Ein zen­tra­les Bei­spiel ist ein Meme am 29. Jän­ner mit der Aus­sa­ge „When The Ger­mans Lost… We ALL LOST“ („Als die Deut­schen ver­lo­ren, ver­lo­ren wir alle“). Dazu kommt die Behaup­tung: „Sin­ce 1945 our peo­p­le have been oppres­sed all in Euro­pe. Espe­ci­al­ly in Ger­ma­ny & Eng­land“ („Seit 1945 wird unser Volk in ganz Euro­pa unter­drückt. Beson­ders in Deutsch­land & Eng­land“). Deutsch­land ist grund­sätz­lich mit den reichs­deut­schen Far­ben schwarz-weiß-rot (manch­mal in fal­scher Rei­hen­fol­ge) markiert.

The European Race: "Seit 1945 wird unser Volk in ganz Europa unterdrückt. Besonders in Deutschland & England" (Screenshot FB 29.1.26)
„Seit 1945 wird unser Volk in ganz Euro­pa unter­drückt. Beson­ders in Deutsch­land & Eng­land” (Screen­shot FB 29.1.26)

Auch jen­seits die­ses Bei­spiels fin­den sich lau­fend Inhal­te mit zumin­dest in Öster­reich straf­recht­li­cher Rele­vanz: ras­sis­ti­sche Her­ab­wür­di­gun­gen, Ent­mensch­li­chun­gen und Dämo­ni­sie­run­gen, dar­un­ter For­mu­lie­run­gen wie „third world orcs“ („Drit­te-Welt-Orks“), Nicht-Wei­ße, die als „Bio­waf­fen“ dif­fa­miert wer­den sowie wie­der­keh­ren­de Depor­ta­ti­ons- und Vertreibungsfantasien.

Anglophoner Kanal mit UK-Schlagseite und internationaler Beteiligung

Die Ori­gi­nal­spra­che der Sei­te ist Eng­lisch. Inhalt­lich domi­niert ein kla­rer UK- und anglo­pho­ner Fokus mit Ver­wei­sen auf „White Eng­land“, „Ang­lo-Saxons“ und bri­ti­sche Debat­ten­fi­gu­ren wie Rupert Lowe. Vie­les spricht daher für ein anglo­pho­nes Betrei­ber­um­feld mit deut­li­cher UK-Schlag­sei­te. Dass sich dort auch Österreicher:innen tum­meln, ver­steht sich fast von selbst.

Fest­steht: Es han­delt sich um eine stra­te­gisch geführ­te Sei­te, die rechts­extre­me und ras­sis­ti­sche Pro­pa­gan­da platt­form­ge­recht ver­packt. Die Mischung aus hoher Tak­tung, ästhe­ti­sier­ter Bild­spra­che und poli­ti­scher Zuspit­zung macht die­se men­schen­ver­ach­ten­den Inhal­te anschluss­fä­hig. Dass Meta einen sol­chen Kanal seit fünf Jah­ren online lässt und auf Mel­dun­gen nicht reagiert oder fin­det, die Sei­te wür­de nicht gegen die Com­mu­ni­ty-Stan­dards ver­sto­ßen, ist aber der eigent­li­che Skandal.

*Eine zwei­te Sei­te mit dem­sel­ben Titel und den­sel­ben Sujets, aber weni­ger dicht bespielt, ist offen­bar als Aus­weich­sei­te gedacht und hat rund 9.500 Follower.

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