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Lesezeit: 5 Minuten

Nette Bilder, radikale Inhalte: Die AfD Sachsen-Anhalt auf Werbetour bei der FPÖ Salzburg

Hotel-Work­shop statt Skan­dal: Die Salz­bur­ger FPÖ emp­fängt die als gesi­chert rechts­extre­mis­tisch ein­ge­stuf­te AfD Sach­sen-Anhalt. Deren gele­ak­ter Wahl­pro­gramm­ent­wurf setzt auf Abschie­be­fan­ta­sien samt ICE-Vibes, Loya­li­täts­prü­fun­gen und sozia­le Einschnitte.

26. Jan. 2026
FPÖ & AfD Sachsen-Anhalt in Salzburg (Symbolfoto, KI-generiert)
FPÖ & AfD Sachsen-Anhalt in Salzburg (Symbolfoto, KI-generiert)

Die Bil­der aus Salz­burg, die am 12. und 13. Jän­ner prä­sen­tiert wur­den, sind bewusst banal gehal­ten: Hotel, Hän­de­schüt­teln, Land­tags­füh­rung, Sva­zek Sei­te an Sei­te mit Ulrich Sieg­mund, „Work­shop“ – Poli­tik als Manage­ment­se­mi­nar. Sie soll­ten Nor­ma­li­tät ver­mit­teln und die vom Ver­fas­sungs­schutz 2023 als gesi­chert rechts­extre­mis­tisch ein­ge­stuf­te AfD-Lan­des­par­tei, die sich für die Land­tags­wahl im kom­men­den Herbst rüs­tet, als regie­rungs­fä­hig präsentieren.

Der Par­tei­chef Ulrich Sieg­mund wür­de „auch gut in die Salz­bur­ger FPÖ pas­sen“, wird Sva­zek von den „Salz­bur­ger Nach­rich­ten“ (17.1.26, S. L4) zitiert. Damit mag sie sogar recht haben, denn auch ihre Lan­des­par­tei ist durch­zo­gen von „Ein­zel­fäl­len“. Sva­zek steht dabei nicht abseits, was nicht nur ein Foto belegt, auf dem sie an der Sei­te ihres dama­li­gen Jung­funk­tio­närs Roman Möse­ne­der mit einem „White Power“-Gruß (aka OK-Zei­chen) posiert, son­dern auch ihre Nähe zu Trumps Repu­bli­ka­nern, die sie mit ihrer Teil­nah­me an einem repu­bli­ka­ni­schen Socie­ty-Event im Dezem­ber 2023 in New York zur Schau stellte.

Ein Wahlprogrammentwurf aus der autoritär-rassistischen Suppenküche

Dass nicht die Inhal­te weni­ger extrem wer­den, son­dern nur die Ver­pa­ckung geschönt wer­den soll, zeigt auch ein Ent­wurf des Wahl­pro­gramms der AfD LSA, das der mdr (25.11.26) ana­ly­siert hat. Der Pro­gramm­ent­wurf setzt als Leit­mo­tiv auf das rechts­extre­me Kampf­vo­ka­bel „Remi­gra­ti­on“ und kop­pelt das an einen auto­ri­tä­ren Staats­ent­wurf: Asyl wird zum blo­ßen „Gast­recht auf Zeit“ degra­diert, eine „Abschie­be­of­fen­si­ve“ zur poli­ti­schen Haupt­auf­ga­be erklärt. Migra­ti­on wird dabei als Bedro­hung mit völ­kisch auf­ge­la­de­nen Begrif­fen („kul­tur­fremd“, „inlän­der­feind­lich“) mar­kiert. Prak­tisch bedeu­tet das mas­si­ve Ein­grif­fe in den All­tag und Grund­rech­te von Schutz­su­chen­den: zen­tra­le Unter­künf­te außer­halb der Städ­te, flä­chen­de­cken­de Arbeits­pflich­ten und die Kon­fis­zie­rung von Bar­geld, Kre­dit­kar­ten und Ver­mö­gens­wer­ten bei der Ein­rei­se, flan­kiert von einer Hel­den­rhe­to­rik für Abschie­be­be­diens­te­te. Kir­chen­asyl soll fak­tisch aus­ge­höhlt wer­den, indem Gemein­den haft­bar gemacht werden.

Der Ent­wurf zeich­net das Bild eines star­ken, durch­grei­fen­den Staa­tes, der Ord­nung not­falls mit Zwang durch­setzt. In Ton­fall und Maß­nah­men erin­nert das Kon­zept an die US-Abschie­be­be­hör­de ICE mit zen­tra­ler Unter­brin­gung, Arbeits­pflich­ten und rigo­ro­ser Durch­set­zung von Aus­rei­se­pflich­ten. (mdr.de)

Gleich­zei­tig atta­ckiert der Ent­wurf demo­kra­ti­sche Infra­struk­tur: Brief­wahl wird dele­gi­ti­miert, wäh­rend Ver­ei­ne und Initia­ti­ven För­de­run­gen nur nach „Bekennt­nis“ zu „patrio­ti­scher Grund­hal­tung“ erhal­ten sol­len – eine Loya­li­täts­prü­fung, die zivil­ge­sell­schaft­li­che Arbeit, Kul­tur und Dorf­fes­te poli­tisch gleich­schal­tet. Medi­en­po­li­tisch zielt das Pro­gramm auf die Zer­schla­gung des öffent­lich-recht­li­chen Sys­tems und auf das Abwür­gen frei­er Medi­en durch Förderstreichungen.

Sozi­al­po­li­tisch dro­hen Ein­schnit­te gera­de dort, wo der Staat ohne­hin dünn ist: Inklu­si­on in Schu­len soll been­det, Flücht­lings­kin­der sol­len in Son­der­klas­sen sepa­riert und Schu­len mit Wach­diens­ten „geord­net“ wer­den. Zugleich will die AfD Gleich­stel­lungs- und Inte­gra­ti­ons­struk­tu­ren kip­pen. Beson­ders in länd­li­chen Regio­nen trä­fe die Strei­chung kirch­li­cher Staats­leis­tun­gen Kitas, Pfle­ge und Bera­tung. Fami­li­en­po­li­tisch ver­bin­det der Ent­wurf ein reak­tio­nä­res Leit­bild mit Angrif­fen auf repro­duk­ti­ve Selbst­be­stim­mung und que­er­feind­li­cher Demografie-Rhetorik.

Unterm Strich: Den als feind­lich mar­kier­ten Grup­pen soll es schlech­ter gehen, Kol­la­te­ral­schä­den für eige­ne Wähler:innen inklu­si­ve. Es darf stark bezwei­felt wer­den, dass das unter einem star­ken Bevöl­ke­rungs­rück­gang lei­den­de Bun­des­land für Jun­ge so attrak­tiv wird, dass sie dort hin­zie­hen und für Nach­wuchs sorgen.

Warum der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt die AfD als „gesichert rechtsextremistisch“ einstuft

Der Ver­fas­sungs­schutz­be­richt Sach­sen-Anhalt 2023 beschreibt den AfD-Lan­des­ver­band ideo­lo­gisch als der „Neu­en Rech­ten“ zuzu­ord­nen; Funk­ti­ons- und Man­dats­trä­ger unter­hiel­ten Ver­bin­dun­gen „in das gesam­te rechts­extre­mis­ti­sche Spek­trum“, zudem zur Reichs­bür­ger- und Delegitimiererszene.

Die Ein­stu­fung als „gesi­chert rechts­extre­mis­tisch“ wird im Bericht damit begrün­det, dass sich die poli­ti­sche Agi­ta­ti­on „gegen essen­ti­el­le Prin­zi­pi­en der frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung“ rich­te. Expli­zit genannt wer­den schwer­wie­gen­de und regel­mä­ßi­ge Äuße­run­gen gegen das Prin­zip der Men­schen­wür­de – unter ande­rem in Bezug auf Aus­län­der, Mus­li­me und ande­re Grup­pen. Expli­zit ange­führt wer­den Funk­tio­nä­re, „die einen ein­deu­ti­gen rechts­extre­mis­ti­schen Vor­lauf auf­wei­sen. Das Spek­trum der Orga­ni­sa­tio­nen, in denen die genann­ten Per­so­nen zuvor aktiv waren oder es zum Teil noch sind, reicht ideo­lo­gisch von der Neu­en Rech­ten bis hin zum Neo­na­zis­mus“.

Wer in Salzburg anreiste: Hardliner mit Szene-Andockpunkten

Laut „Cor­rec­tiv“ (16.1.26) reis­te eine hoch­ran­gi­ge Dele­ga­ti­on aus Sach­sen-Anhalt an, ange­führt von Ulrich Sieg­mund, Spit­zen­kan­di­dat für die Land­tags­wahl im Sep­tem­ber 2026. Mit dabei: füh­ren­de Landespolitiker:innen und Fraktionsvertreter:innen, dar­un­ter auch Hans-Tho­mas Tillschneider.

Till­schnei­der ist ein ideo­lo­gi­scher Takt­ge­ber im Lan­des­ver­band. Sei­ne poli­ti­sche Rol­le wird seit Jah­ren im Kon­text der „Neu­en Rech­ten“ und ein­schlä­gi­ger Vor­feld­struk­tu­ren dis­ku­tiert. 2023 grün­de­te er gemein­sam mit „Compact“-Chef Jür­gen Elsäs­ser den Ver­ein „Ost­wind“, den der taz-Redak­teur Andre­as Speit als „Ver­ein für rech­te Putin-Freun­de“ cha­rak­te­ri­siert. Bei der Ver­eins­grün­dung und in Salz­burg dabei war eben­falls Oli­ver Kirch­ner, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der der AfD im Land­tag Sach­sen-Anhalts. Dass die Putin-Nähe sich auch im Ent­wurf des Wahl­pro­gramms nie­der­schlägt, ist daher nicht verwunderlich.

Der Ver­fas­sungs­schutz­be­richt führt auch die zur FPÖ gereis­ten Nadi­ne Kop­pe­hel, Jan Mol­den­hau­er und Felix Ziet­mann nament­lich mit Zita­ten an, die als Bespie­le für ver­fas­sungs­feind­li­che Bestre­bun­gen der Lan­de­par­tei dienen.

Fazit: Salzburg als Scharnier der Normalisierung

Die ent­schei­den­de Fra­ge lau­tet nicht, ob FPÖ und AfD „mit­ein­an­der reden dür­fen“. Sie lau­tet: Wel­che Art von Poli­tik wird hier ex- und impor­tiert? Die AfD Sach­sen-Anhalt kam als von der Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­de als gesi­chert rechts­extre­mis­tisch ein­ge­stuf­ter Ver­band nach Salz­burg, des­sen Agi­ta­ti­on laut Behör­den wie­der­holt men­schen­wür­de- und demo­kra­tie­feind­li­che Lini­en über­schrei­tet und des­sen Per­so­nal in neo­na­zis­ti­sche Vor­feld-Kon­tex­te hineinreicht.

Die Salz­bur­ger FPÖ agier­te dabei nicht als unschul­di­ge Gast­ge­be­rin, son­dern als Tür­öff­ne­rin: mit Semi­nar­for­mat, Land­tags­ku­lis­se und dem Signal, dass die Schwel­le zur Regie­rungs­fä­hig­keit nicht durch Ent-Radi­ka­li­sie­rung, son­dern durch bes­se­re Ver­pa­ckung sinkt.

➡️ derstandard.at (16.1.26): Work­shop zu rech­tem Regie­ren: Wie AfD und FPÖ immer enger kooperieren

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Schlagwörter: AfD | FPÖ | Neonazismus/Neofaschismus | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Rechtsextremismus | Salzburg | Weite Welt

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