Skip to content
Stoppt die Rechten

Stoppt die Rechten

Antifaschistische Website

social media logo x social media logo facebook social media logo bluesky
  • Suche
  • Wissen
    • Rechtsextremismus
    • Ist die FPÖ rechtsextrem?
    • Rechtsextreme Medien in Österreich
    • Faschismus
    • Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
    • Antisemitismus
    • Rassismus
    • Wiederbetätigung und Verbotsgesetz
    • NS-Symbole und Abzeichengesetz
    • Verhetzung. Was ist das? Was kann ich dagegen tun?
  • Handeln
    • Aktiv werden und handeln
    • Was kann wie wo gemeldet werden?
    • Gegen Sticker & Geschmiere
    • How to “Prozessreport”?
  • Hilfreich
    • Anleitung Sicherung von FB-Postings/Kommentaren
    • Strafbare Inhalte im Netz: eine Anzeige/Sachverhaltsdarstellung einbringen
    • Newsletter
    • Open Data Archiv
    • Archiv aller Beiträge
    • Schlagwörter-Wolke
    • RSS-Feeds
  • Wochenrückblick
  • Gastbeitrag
  • Materialien
  • Rezension

„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

FPÖ
Einzelfallzähler

aktuell 0 Fälle
alle Fälle lesen

Waffenfunde
 

0
alle Fälle lesen

Startseite | Dokumentation | FPÖ-Einzelfall

Lesezeit: 5 Minuten

2x Eiernockerl-Codes am 20. April: 1 Freispruch, 1 Schuldspruch

Zwei Eiernockerl-Codes am 20. April, zwei Prozesse, zwei Welten: in St. Pölten ein klarer Schuldspruch, in Korneuburg Freispruch für einen FPÖ-Gemeinderat – das, obwohl seine codierte Hitlerhuldigung expliziter war. Was beide Angeklagten eint: Sie waren um Ausreden nicht verlegen.

7. Okt. 2025
Eiernockerl-Code am 20. April (KI-generiert)
Eiernockerl-Code am 20. April (KI-generiert)

Eiernockerl am 20. April sind kein „Zufall“, sondern ein Code – seit Jahren vor österreichischen Gerichten Thema. Stoppt die Rechten hat sich vor zehn Jahren auf die Suche nach dem Ursprung dieses Neonazi-Codes gemacht und ist beim Holocaustleugner Wolfgang Fröhlich gelandet – übrigens lange, bevor es soziale Medien gab. In der letzten Woche landeten zwei von uns angezeigte Fälle vor Geschworenengerichten: am 1.10. in St. Pölten, am 3.10. in Korneuburg. Die Ergebnisse könnten gegensätzlicher nicht sein.

St. Pölten: der schnelle, klare Schuldspruch

Angeklagt war Stefan L.. Der 41-Jährige hatte am 20.4.2022 auf seinem öffentlich einsehbaren Facebook-Profil unter einem Pseudonym gepostet: „Ja wohl heute gibt es Eiernockal mit grünen Salat“ – flankiert von zwei roten Herz-Emojis.

„Ja wohl heute gibt es Eiernockal mit grünen Salat“ (Screenshot FB 20.4.22)
„Ja wohl heute gibt es Eiernockal mit grünen Salat“ (Screenshot FB 20.4.22)

Das Gericht arbeitete in der Befragung heraus, dass L. Datum, Code und Reichweite kannte. Auf die Standardausrede „war ein Blödsinn“, „nicht nachgedacht“ reagierte der Vorsitzende trocken: Ein bewusst gestaltetes Posting (mit Hintergrundbild) entstehe nicht gedankenlos. Schließlich räumte L. selbst ein, der Code vermittle, „dass ich seinen Geburtstag feiere“ und damit den Bedeutungsgehalt. Die Verteidigung versuchte, mit „kein Bezug zu rechtsextremen Organisationen“, „keine Bereicherung“, „kein Vorteil“-Bausteinen zu relativieren. Das sei rechtlich irrelevant, konterte der Richter.

Befragt wurde der Niederösterreicher auch nach seinem Cousin, der als Identitärer beim Staatsschutz vorgemerkt sei und dem der Account, auf dem L. sein Eiernockerl-Posting platzierte, ursprünglich zugeordnet worden sei. „Den sehe ich fast nie“, antworte L..

Nach nur 30 Minuten Verhandlungsdauer und einer einstündigen Beratung durch die Geschworenen kam das Urteil: einstimmig schuldig nach § 3g Abs 1 und 2 VerbotsG, acht Monate bedingt, 240 Tagessätze à 16 Euro (3.840 Euro) und die Übernahme einer Pauschale für die Verfahrenskosten. Verteidiger und Staatsanwalt äußerten sich nicht, daher ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Das Gericht ordnete die Einziehung (also Löschung) des Postings an – es ist aber bis heute (7.10.25) online.

Korneuburg: Freispruch für den FPÖ-Gemeinderat

Schauplatzwechsel ins nicht weit entfernte Korneuburg. Am 20. April 2021 erklärte Gisela O. – damals nicht zum ersten Mal – ihre Affinität zu Eiernockerl am 20. April. René Lorenz kommentierte: „Hatten wir auch, is ja Pflicht an so einen Ehrentag“ Stoppt die Rechten dokumentierte die Postings und schickte im Jänner 2025 eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Korneuburg. Lorenz kandidierte damals für die FPÖ Gänserndorf auf Listenplatz 7. Nach der Wahl und dem Mandatsverzicht des Ehepaars O., das weit vorne kandidiert hatte, rückte Lorenz nach und ist heute Gemeinderat – zuständig u.a. für Kulturangelegenheiten.

"Wer arbeitet muss auch essen ....heute bei uns Eiernockerl mit grünem Salat. Mahlzeit." Kommentar Lorenz: "Hatten wir auch is ja Pflicht an so einen Ehrentag" (Screenshot FB 20.4.21)
„Wer arbeitet muss auch essen …heute bei uns Eiernockerl mit grünem Salat. Mahlzeit.“ Kommentar Lorenz: „Hatten wir auch is ja Pflicht an so einen Ehrentag“ (Screenshot FB 20.4.21)

Vor Gericht bestätigte Lorenz die Urheberschaft des Kommentars, fuhr aber Zickzack: Er habe „erst durch die Medien gewusst“, dass er das geschrieben habe. „Es war ein Blödsinn, ich hab mich hinreißen lassen“, „weiß nicht, warum“, „kann mich nicht erinnern“, mäanderte er vor Gericht herum.

Was er schon wusste: dass am 20. April Hitlers Geburtstag ist und Eiernockerl als dessen „Lieblingsspeise“ gelten. Als Entlastung für seinen braunen Kulinarikkommentar brachte er Privates vor, etwa den Tod seiner Großmutter im Jahr 2023, die er gepflegt habe – wie das im Zusammenhang mit einem zwei Jahre früher veröffentlichten Kommentar steht, wurde vor Gericht nicht klar. Für seinen ehemals angeblich labilen psychischen Zustand wurde auch seine Ehefrau als Zeugin aufgeboten, die zwar zum Kommentar nichts sagen konnte, aber meinte, sie sprächen über „solche Sachen“ – gemeint war der Nationalsozialismus – nicht.

Außerdem kam das uralte „Ich habe doch Ausländer in meinem Umfeld“-Persilschein-Modul: Lorenz war mit einer Rumänin verheiratet, habe mit Ausländern in seiner Arbeit zu tun und mit niemandem Probleme. Seine politische Haltung als Mandatar der xenophoben FPÖ war genauso wenig Thema wie seine Bekanntschaften in einer Facebook-Runde, in der alle Beteiligten die Vorzüglichkeit von Eiernockerl am 20. April betonten.

Nach knapp zwei Stunden zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück und kamen mit einem Freispruch retour: 2:6 nicht schuldig. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, daher ist das Urteil nicht rechtskräftig. 

Welche Tat ist im Sinn des Verbotsgesetzes klarer?

Sprachlich ist Lorenz’ Kommentar der deutlichere Fall: „Ehrentag“ und „Pflicht“ beziehen sich unmissverständlich positiv auf Hitlers Geburtstag. L.s Posting arbeitet „nur“ mit dem Code plus zwei Herzen – das ist in der Szene lesbar, jedoch weniger explizit. Juristisch kann zweifellos beides § 3g des Verbotsgesetzes erfüllen, aber in der Textklarheit liegt Lorenz vorne. Dass in Korneuburg ein Freispruch erfolgte, hat jedenfalls nichts mit der fehlenden Erkennbarkeit des Codes zu tun. Die beiden unterschiedlichen Urteile in einem sehr ähnlich gelagerten Setting werfen wohl Fragen zur Konsistenz der Rechtspraxis, insbesondere der Geschworenengerichtsbarkeit auf.

FPÖ: Einzelfälle am Fließband und keine Distanzierung

Als Stoppt die Rechten die Eiernockerl-Postings im Jänner öffentlich machte, waren Gisela und Peter O. sowie René Lorenz Kandidat*innen der FPÖ Gänserndorf. Die Eiernockerl-Postings über mehrere Jahre sind dokumentiert, ebenso ein „Gaskammer“-Kommentar und rechtsextreme Musikbezüge.

Beim Prozessauftakt im Juli präsentierten die O.s die „große Hackerverschwörung“ – von „regelmäßig gehackt“ bis „nur provozieren wollen“. Auf die Frage, ob die Partei Distanz geübt oder den Rücktritt nahegelegt habe, kam sinngemäß: „im Gegenteil“. Von einer parteiinternen Distanzierung oder gar Aufarbeitung ist bis heute nichts erkennbar. Das wurde auch in der Causa Lorenz deutlich.

Wir danken prozess.report für die Beobachtung der beiden Verhandlungen!

Unabhängige Recherche ermöglichen...

Jetzt unterstützen »
  • teilen 
  • teilen 
  • teilen 
  • teilen 
  • E-Mail 
Keine Beiträge mehr verpassen: Email-Benachrichtigung aktivieren
abgelegt unter: Dokumentation, FPÖ-Einzelfall
Schlagwörter: FPÖ | Neonazismus/Neofaschismus | Niederösterreich | Verbotsgesetz | Wiederbetätigung

Verwandte Beiträge

  • 15. Juli 2025
    Eiernockerl- und andere Postings: Große Hackerverschwörung
    Im Inneren des Landesgerichts Korneuburg (© SdR)
  • 28. Apr. 2015
    Hitlers Geburtstag (II): Eiernockerl mit Salat!
    Eiernockerl mit grünem Salat

Beitragsnavigation

« Mélange KW 40/25 (Teil 1): Hitlergruß, Nazi-Chats, FPÖ-Parteimitglied, aber „unpolitisch“
Den Rechtsextremismus endlich wirksam bekämpfen! »

» Zur erweiterten Suche

Unabhängige Recherche unterstützen...

Spenden »

Wissen

  • Rechtsextremismus
  • Ist die FPÖ rechtsextrem?
  • Rechtsextreme Medien in Österreich
  • Faschismus
  • Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
  • Antisemitismus
  • Rassismus
  • Wiederbetätigung und Verbotsgesetz
  • NS-Symbole und Abzeichengesetz
  • Verhetzung

Handeln

  • Aktiv werden und handeln
  • Was kann wie wo gemeldet werden?
  • Gegen Sticker & Geschmiere
  • How to “Prozessreport”?

Hilfreich

  • Postings gerichtstauglich sichern
  • Wie verfasse ich eine Sachverhaltsdarstellung?
  • Newsletter
  • Open Data Archiv
  • Archiv aller Beiträge
  • Schlagwörter-Wolke
  • RSS-Feeds
E-Mail-Benachrichtigung bei neuen Beiträgen
  • Wochenrückblicke
    Beiträge
  • Gastbeiträge
    Beiträge
  • Materialien
    Beiträge
  • Rezensionen
    Beiträge
Um unsere Arbeit fortführen zu können, sind wir auf Ihre Spenden angewiesen – danke für Ihre Unterstützung!

Spenden

Kontakt

Vorfälle und Hinweise bitte über unser sicheres Kontaktformular oder per Mail an:
[email protected]

Wir garantieren selbstverständlich den Schutz unserer Informant*innen, der für uns immer oberste Priorität hat.

Spendenkonto

Um unsere Arbeit fortführen zu können, sind wir auf Ihre Spenden angewiesen – danke für Ihre Unterstützung!

Spenden

Socials

social media logo x social media logo facebook social media logo bluesky

Links

  • Rechtsextremismus
  • Ist die FPÖ rechtsextrem?
  • Rechtsextreme Medien in Österreich
  • Faschismus
  • Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
  • Antisemitismus
  • Rassismus
  • Wiederbetätigung und Verbotsgesetz
  • NS-Symbole und Abzeichengesetz
  • Verhetzung
  • Aktiv werden und handeln
  • Was kann wie wo gemeldet werden?
  • Gegen Sticker & Geschmiere
  • How to “Prozessreport”?
  • Postings gerichtstauglich sichern
  • Wie verfasse ich eine Sachverhaltsdarstellung?
  • Newsletter
  • Open Data Archiv
  • Archiv aller Beiträge
  • Schlagwörter-Wolke
  • RSS-Feeds
  • Über uns
  • Beirat und Unterstützer:innen
  • Datenschutz
  • Impressum
Spenden
Newsletter