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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Franz M., die Rheinwiesenlager und der oberste EU-General (Teil 2)

Franz M.s Einlassungen zu den geschichtsrevisionistischen Narrativen über die Rheinwiesenlager sind Teil der holocaustleugnerischen Obession, die über seinen Facebook-Account augenscheinlich wird. Ein ehemaliger oberster österreichischer Bundesheergeneral und nunmehr Vorsitzender des EU-Militärausschusses kommentiert bei M. zustimmend, was hochgradig irritiert.

20. Apr. 2024
Soldat (Symbolbild; pixabay planet_fox)
Soldat (Symbolbild; pixabay planet_fox)

M.s FB-Postings zu den Rheinwiesenlagern begannen bereits am 18.12. 2015, als er einen Link zu einer Website setzte, auf der behauptet wird, dass deutsche Tote aus den Rheinwiesenlagern ausgegraben und als jüdische Leichen ausgegeben worden seien, um so die Opferzahlen des Holocaust zu manipulieren. Eine an Impertinenz kaum zu überbietende Lüge!

Franz M. Rheinwiesenlager: "Deutsche Leichen wurden als jüdische Leichen ausgegeben" (Screenshot FB 18.12.15)
Franz M. Rheinwiesenlager: „Deutsche Leichen wurden als jüdische Leichen ausgegeben“ (Screenshot FB 18.12.15)
Die Rheinwiesenlager (April-September 1945)
Ab April 1945 hatten die Alliierten unter US-amerikanischer Bewachung entlang des Rhein 23 Lager für deutsche Kriegsgefangene (Prisoner of War Temporary Enclosure, PWTE) errichtet, zuerst vorwiegend, um zu verhindern, dass Deutsche auf die Seite der noch nicht besiegten Teile von Nazi-Deutschland wechseln. Alleine bei den Orten Remagen und Sinzig waren in zwei Lagern („Goldene Meile“) auf Äckern ohne feste Unterkünfte und wenig Nahrung 300.000 Gefangene in Haft. Ab Mai wurden die Bedingungen verbessert, aber auch sukzessive Häftlinge entlassen. Im September 45 waren alle Rheinlager wieder aufgelöst. Die Zahl der Todesopfer wird laut wissenschaftlichen Forschungen zwischen 10.000 und maximal 40.000 geschätzt – bei rund einer Million Menschen, die insgesamt in den Rheinwiesenlagern inhaftiert waren.

Rechtsextreme stricken aus den Lagern gräuelpropagandistische Erzählungen und verbreiten, es seien Hunderttausende bis zu einer Million Häftlinge gezielt umgebracht worden. Den Gipfel der Perfidie stellt die Lüge dar, Opfer aus den Rheinwiesenlagern seien ausgegraben und als jüdische KZ-Opfer ausgegeben worden.
Infokasten aus: Geschichtsrevisionistisches Treffen an den Rheinwiesen und eine Österreicherin mittendrin

2019 setzt M. mit einem Link zur rechtsextremen Seite von „Anonymous News“ und dem Titel „Rheinwiesenlager – Der vergessene Völkermord der Alliierten an den Deutschen“ nach. Auch diesen deutlich rechtsextremen Beitrag postet wie andere holocaustleugnende Beiträge mehrfach. Dazwischen setzt M. auch noch einen anderen revisionistischen Beitrag: „Rheinwiesenlager -eine verschwiegene Schuld“ Wessen Schuld da angeblich verschwiegen wird, ist aus Kommentaren ersichtlich: „War ein Teil des Planes, möglichst viele Deutsche ,auch noch nach dem Krieg, ausrotten. Churchill war dagegen, aber Churchill hatte nach dem Krieg nicht mehr viel zu melden. Trumm hatte das Sagen, und Truman warf auch die A-Bomben“, schreibt ein Arzt aus Wien dazu.

Die Rheinwiesenlager, der Brigadier und der General

2023 ein neuer Anlauf: M. verlinkt zu einer Fotocollage einer deutschen Rechtsextremen, die mit „Ein verschwiegenes Kapitel deutscher Geschichte …“ betitelt ist. Auch diese Behauptung ist eine Lüge. Die historische Aufarbeitung der Rheinwiesenlager erfolgte zwar spät, ist aber umfassend und spätestens seit den 1970er-Jahren öffentlich. Der deutlich rechtsextrem positionierte pensionierte Bundesheer-Brigadier Josef Paul Puntigam meldet ein: „Der ehemalige Justizminister E.Forreger [sic]) war in einem Rheinwiesenlager und hat die beschrieben [sic!] Zustände in einer Broschüre bestätigt!“

Ein weiterer Militär setzt nach: „Es ist vor allem ein verschwiegenes Kapitel in der Geschichte der Sieger.“ Das ist ein deutlicher Satz, der das rechtsextreme und neonazistische Narrativ über die Rheinwiesenlager stützt, es geradezu unterstreicht.

Franz M. Rheinwiesenlager mit Kommentar Robert Brieger und Josef Paul Puntigam (Screenshot FB 26.11.23)
Franz M. Rheinwiesenlager mit Kommentar Robert Brieger und Josef Paul Puntigam (Screenshot FB 26.11.23)

Der Kommentar stammt von Robert Brieger, Chef des Generalstabs des österreichischen Bundesheeres bis 2022, der danach zum Vorsitzenden des Militärausschusses der EU, also so etwas wie zum ranghöchsten Militär der EU, aufgestiegen ist. Was ihn wohl dazu gebracht hat, einen dermaßen irritierenden Kommentar auf dem sehr einschlägigen, mit Holocaustleugnung durchsetzten Facebook-Profil des Franz M. abzugeben?

➡️ Teil 1: Ein Polizist als besessener Holocaustleugner?
➡️ Der „Standard“ berichtet über den Fall und hat bei Polizei und General Brieger nachgefragt: Polizist teilte auf Facebook jahrelang offen Holocaust-Leugnung
➡️ „Stoppt die Rechten“ zu den Rheinwiesenlagern
➡️ Eine gründliche Auseinandersetzung mit James Bacque, einem kanadischen Revisionisten der 1990er-Jahre, liefert Brigitte Bailer-Galanda: Eisenhower und die deutschen Kriegsgefangenen. Seriöse Historiographie gegen die Mythen des kanadischen „Revisionisten“ James Bacque – eine Buchbesprechung
➡️ derspiegel.de, 4.7.22 (Paywall): Was geschah wirklich in den Rheinwiesenlagern? (Printartikel zum Download)

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Schlagwörter: Bundesheer | Holocaustleugnung/-verharmlosung | Neonazismus/Neofaschismus | Polizei | Steiermark | Wiederbetätigung

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