„Wochenblick“ am Ende: eine statistische Einordnung

In fast 50 Beiträ­gen von „Stoppt die Recht­en“ taucht das im März 2016 gegrün­dete recht­sex­treme Medi­um „Wochen­blick“ (WB) auf. Eine Charak­ter­isierung war von Beginn an dom­i­nant: Es war ein recht­sex­tremes Het­zmedi­um, gepaart mit sys­tem­a­tis­ch­er Desin­for­ma­tion. Nun ist Schluss mit dem WB. Von der Reich­weite her war er im Sink­flug, aber auch andere Desin­for­ma­tion­ss­chleud­ern müssen Fed­ern lassen.

Gle­ich in ein­er ganzen Rei­he von Nachrufen ver­laut­barte der WB, dass er zus­per­ren müsse – und das aus­gerech­net im Jahr sein­er ange­blich größten Online-Reich­weite. Es seien der Boykott von Google, die Zen­sur der sozialen Medi­en, „unzäh­lige Angriffe und Anzeigen“ und schließlich die Teuerung, die die recht­en Reck­en zum Aufgeben gezwun­gen hätten.

Geheime Geldge­ber

Nie aufgek­lärt wurde, woher die finanziellen Zuwen­dun­gen fürs „Desin­for­ma­tion­spro­jekt am recht­en Rand“( DÖW) gekom­men waren, obwohl der Geschäfts­führer Nor­bert Geroldinger in einem Gericht­sprozess angedeutet hat­te, dass es für jährlich 850.00 Euro an Zuwen­dun­gen durch anonyme Geldge­ber auch eine Art von Auf­trags­berichter­stat­tung gäbe. Im Zuge der Grün­dung des WB gab Geroldinger bekan­nt, der Betrieb sei für fünf Jahre gesichert. Nun, im sieben­ten Jahr, ist die externe Quelle offen­bar ver­siegt. Dass zwis­chen 2020 und 2022 ins­ge­samt 213.531,64 €uro an staatlichen Förderun­gen geflossen sind, hat der WB zwar ver­schwiegen, aber der Gel­dregen aus Steuergeldern hat ihm wohl ein paar Monate Lebensver­längerung eingebracht.

Wer in den let­zten Tagen in die Web­site des WB geblickt hat, stößt auf für dieses Medi­um symp­to­ma­tis­che Inser­ate: Die Seit­en waren vor­wiegend mit FPÖ-Ein­schal­tun­gen zugepflastert. Immer wieder war die FPÖ auch als Spon­sorin ins Spiel gebracht wor­den – sie hat­te den WB jeden­falls kräftig mit Inser­at­en ali­men­tiert. Dazu kommt Wer­bung des eben­falls aus der recht­en Ecke stam­menden „Kopp-Ver­lags“, für Ste­fan Mag­nets neues Buch und für weit­ere hoch dubiose Pro­duk­te. Diese sehr eingeschränk­te Palette an Anzeigenkun­den reichte wohl nicht, um den Betrieb zu finanzieren.

FPÖ-Inserate prägten den WB bis zu seinem Ende (WB 14.12.22)

FPÖ-Inser­ate prägten den WB bis zu seinem Ende (WB 14.12.22)

Recht­sex­treme Flurbereinigung

2021 sind mit „report24“ und „AUF1.tv“ auch weit­ere recht­sex­treme Medi­en aus Oberöster­re­ich in den Ring gestiegen und dürften dem WB im Kampf ums Spon­sor­ing zuge­set­zt haben. Wenn der WB nun in mehreren Abschied­sar­tikeln betont, 2022 mit „62 Mil­lio­nen Klicks“ das reich­weit­en­stärk­ste Online-Jahr gehabt zu haben, dann erstaunt das.

"Mit über 62 Millionen Klicks wird der Wochenblick dieses jahr mit seiner historisch höchsten Reichweite abschließen." (WB 14.12.22)

„Mit über 62 Mil­lio­nen Klicks wird der Wochen­blick dieses jahr mit sein­er his­torisch höch­sten Reich­weite abschließen.” (WB 14.12.22)

Laut sta­tis­tis­ch­er Erfas­sung durch „Sim­i­lar­web“, das die Per­for­mance von Web­sites mißt, war der Traf­fic des WB in den Monat­en Mai bis Okto­ber 2021 weit höher als aktuell, auch wenn schon damals der erst im März 2021 gelaunchte „report24“ den bish­eri­gen Platzhirsch WB schnell ein- und zeitweise sog­ar über­holte. In diesen sechs Monat­en verze­ich­nete der WB zwis­chen knapp vier Mil­lio­nen (Mai 21) und dann absteigend etwa 2,4 Mio. vis­its, während­dessen „report24“ von knapp über ein­er Mil­lion (Mai 21) auf etwa 2,8 Mio vis­its hochstieg. Bere­its hier sind die Auswirkun­gen der Konkur­renz, die der WB durch „report24“ erhal­ten hat, zu sehen.

Visits WB und report24, Mai 21 - Okt 21 (similarweb)

Vis­its WB und report24, Mai 21 — Okt 21 (sim­i­lar­web)

Im Win­ter 2021 stiegen die Reich­weit­en der aus Oberöster­re­ich stam­menden Desin­for­ma­tion­s­me­di­en noch ein­mal an, bevor sie – mit dem weit­ge­hen­den Aus­set­zen der Anti-Coro­na-Maß­nah­men – enorm absanken: der report24 von 3,3 Mio vis­its im Feb­ru­ar 22 auf 1,7 Mio im Novem­ber 22, der WB von 2,8 Mio auf 910 Tausend und AUF1 von 1,7 Mio auf 1,1 Mio.

Visits report24, WB, AUF1 Dez 21-Feb 22 und Sep 22 - Nov 22 (similarweb)

Vis­its report24, WB, AUF1 Dez 21-Feb 22 und Sep 22 — Nov 22 und Besuchs­dauer, Absprun­grate und Seit­en­klicks (sim­i­lar­web)

Weit­ere Dat­en (hier Nov. 2022) zeigen, dass die durch­schnit­tliche Besuchs­dauer auf den jew­eili­gen Seit­en rel­a­tiv kurz ist: report24 schafft keine zwei Minuten, der WB ist ganz knapp drüber, nur AUF1 kann knapp über vier Minuten vor­weisen – was jedoch den an sich sehr viel länger dauern­den Videos zu ver­danken ist. Besucher*innen von report24 haben im Schnitt 1,81 Seit­en aufgerufen, jene des WB 3,53 Seit­en und jene von AUF1 2,63 Seiten.

Zum Ver­gle­ich nehmen wir eine Qual­ität­szeitung, den Stan­dard: Der hat­te im Novem­ber 2022 20,7 Mio vis­tis mit ein­er durch­schnit­tlichen Besuchs­dauer von 5‘20“ zu verze­ich­nen, Standard-Leser*innen riefen im Schnitt 3,7 Seit­en auf.

Vistis Standard Sep-Nov 22: zw. 23,6 Mio und 20,7 Mio (similarweb)

Vis­tis „standard.at” Sep-Nov 22: zw. 23,6 Mio und 20,7 Mio (sim­i­lar­web)

Es zeigt sich: Die recht­sex­tremen Pro­duk­te sind Trashme­di­en, die auf schnelles Kon­sum­ieren hin­aus­laufen. Die Kuchen­stücke sind klein­er gewor­den, mit dem Ende des WB fand let­ztlich eine recht­sex­treme Flurbere­ini­gung statt.

Zudem: report24 und AUF1 zie­len offen­bar vor­rangig auf den deutschen Markt ab, bei­de haben in Deutsch­land weit mehr Konsument*innen als in Öster­re­ich. Nur der WB fand die Mehrheit der Leser*innen in Öster­re­ich. Und da ist der Markt offen­bar zu gesät­tigt, um gle­ich drei Desin­for­ma­tion­s­me­di­en auss­chließlich mit Inser­at­en und dem, was durch Spende­naufrufe lukri­ert wer­den kann, zu tragen.

Country report WB, report24, AUF1 (Herbst 2022; similarweb)

Coun­try report WB, report24, AUF1 (Herb­st 2022; similarweb)

➡️ Bern­hard Wei­dinger, Medi­en von heute für eine Zukun­ft von gestern. Ein pub­lizis­tis­ches Panora­ma des österreichischen Recht­sex­trem­is­mus (Wien 2021)