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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Franco A. in Freilassing

In Frankfurt/Main hat der Prozess gegen den Rechtsextremen Franco Albrecht („Franco A.“) begonnen. Das ist jener Bundeswehroffizier, der im Jänner 2017 nach dem Ball der Offiziere beim Austreten in einem Wiener Gebüsch eine Pistole gefunden haben will. Die hat er daraufhin in einer Flughafentoilette in Wien-Schwechat versteckt. Bei seiner Rückkehr nach Wien, zwei Wochen später, just am Tag des Akademikerballs, flog Albrecht samt Doppelexistenz auf, als er sein „Fund“stück abholen wollte. Wenig beachtet blieb bislang, dass Albrecht 2016 in Freilassing (Bayern) am sehr geheimen Treffen eines sehr geheimen Zirkels teilgenommen hat.

26. Mai 2021

Eine umfassende Darstellung der bisherigen Ereignisse und Verbindungen von und mit Franco Albrecht, der sich selbst eine zweite Fake-Existenz als syrischer Asylwerber mit dem Namen David Benjamin verpasst hat, lieferte die „taz“ (16.5.21) und zeigte auch die Verbindung zu „Hannibal“ und dem Uniter-Netzwerk auf.. Dass Albrecht nach dem Ball der Offiziere am 20. Jänner 2017 in Wien beim Pinkeln ins Gebüsch eine geladene Pistole entdeckt haben will, ist offensichtlich eine Räuberpistole. Die „taz“ schreibt dazu:

Die deutsche Polizei findet später heraus, dass Franco A. die Pistole wohl bereits im Juli 2016 in Paris gekauft hat. Es handelt sich um eine Waffe des Herstellers M.A.P.F., Modell 17, Kaliber 7,65 mm. Solche Waffen haben Wehrmachtsoffiziere im besetzten Frankreich benutzt. Die von Franco A. ist geladen mit sechs Patronen.

Eine weitere Episode im „taz“-Bericht bringt eine ganz andere spannende Verbindung von Franco A. ans Tageslicht. Demnach hat der Oberleutnant nicht nur beim rechtsextremen „Preußenabend“ im Dezember 2016 in München vor Publikum Rechtsextremes referiert, sondern einige Monate vorher schon an der ziemlich geheimen Tagung des „Jagsthausener Kreises“ in Freilassing (Oberbayern) teilgenommen. Die „taz“ bezeichnet diesen Zirkel als „rechtskonservativ“ – ein Euphemismus, wenn man die Geschichte dieses rechtsoffenen Kreises und einige seiner Referenten kennt.

Seinen Namen hat der Kreis von der Ortschaft Jagsthausen (bei Heilbronn in Baden-Württemberg), wo sich im Burggasthof die Mischung aus stramm rechten Militärs, Geheimdienstlern, Politikern und Wirtschaftsleuten ursprünglich immer traf. Später fanden die Treffen auch an anderen Orten, etwa auch in Bad Aussee, statt, aber immer ohne Öffentlichkeit, obwohl unter den Gästen durchaus prominente Persönlichkeiten des rechten Spektrums vertreten waren.

Gegründet wurde der „Jagsthausener Kreis“ in den 1950er-Jahren. Über seine Treffen gibt es keine öffentlich zugänglichen Dokumente, Protokolle oder gar Mitgliederlisten. Der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom schreibt in seinem Buch „Undercover – Der BND und die deutschen Journalisten“ davon, dass die Anschriftenliste vom April 1985 30 Mitglieder aus Deutschland, 24 aus Österreich, drei aus der Schweiz und fünf aus Italien enthalte. „Aida“, das antifaschistische Münchener Dokumentationszentrum, berichtet von einem guten Dutzend älterer Männer und Frauen, die sich 2019 zum 119. Treffen des „Jagsthausener Kreises“ versammeln – an der Grenze zu Salzburg in Freilassing im Gasthof Moosleitner.

2019 waren zwei Prominente dabei: Ján Čarnogurský, der frühere slowakische Ministerpräsident, Vorsitzender einer rechten katholischen Partei und Mitglied des St. Georg-Ordens, der 2017 als Gastredner beim extrem rechten „Marsch für die Familie“ in Wien aufgetreten war. Der zweite Redner war Václav Klaus, der ehemalige tschechische Staatspräsident. „Aida“ schreibt über ihn: „Inhaltlich passt Klaus sowieso gut in diese Kreise: Er war zuletzt gern gesehener Gast der AfD, war Gesprächspartner von Eva Hermann und ist Liebling des ultrarechten Compact-Magazins.“

Wie aber passt Franco Albrecht in diese „Kreise“? Wie kommt er überhaupt zu einer Einladung in diesen verschwiegenen und exklusiven Verein – als Oberleutnant, der in Frankreich stationiert ist und in einer Geflüchtetenunterkunft in Bayern mit seiner Fake-Existenz? 2016 traten beim 115. Treffen des „Jagsthausener Kreises“ drei Referenten auf: Alexander Gauland, Fraktionschef der rechtsextremen AfD im Deutschen Bundestag, Bruno Bandulet, ein AfD-naher Publizist und Ewald Stadler, Ex-FPÖ, Ex-BZÖ und 2016 bei den Rekos (Reformkonservative).

Namen über Referenten oder Teilnehmer des „Jagsthausener Kreises“ werden in der Regel nur deshalb publik, weil einige (wenige) von ihnen eitel bzw. redselig genug sind, um sich ihre Teilnahme als Auszeichnung umzuhängen. Das gilt für Andreas Mölzer, der 2004 referierte, ebenso wie für Ján Čarnogurský und Václav Klaus, der auch gleich zwei Mitglieder aus Österreich preisgab.

➡️ Hannibal, Uniter, Milf‑O und das Bundesheer
➡️ Weitere Infos zu Franco Albrecht: Der Komplex Franco A. Teil 1 – Rechter Soldat unter Terrorverdacht
➡️ Ausführliche Chronologie: Hannibals Schattenarmee, Nordkreuz und der Fall Franco Albrecht

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Schlagwörter: Neonazismus/Neofaschismus | Rechtsextremismus | Rechtsterrorismus | Salzburg | Vernetzung | Weite Welt | Wien

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