Terrorgruppe S. (Teil 2): die Kicks aus Österreich

Der Ter­ro­rakt von Hanau hat die Ver­haf­tung der zwölf Mit­glieder aus der mut­maßlichen Ter­rorzelle „Gruppe S.“ über­schat­tet. Es waren jedoch Hor­rorszenar­ien, die die Gruppe offen­bar geplant hat­te. Virtuelle Kicks holte sie sich auch aus Österreich.

Mehrere gle­ichzeit­ige Anschläge auf Moscheen nach Vor­bild des Ter­ro­rak­ts in Christchurch waren geplant, die einen Bürg­erkrieg provozieren hät­ten sollen – das klingt nach einem Hor­rorszenario, was da offen­bar geplant war. In abge­hörten Gesprächen haben „die Beschuldigten über ‚weiche’ und ‚harte’ Ziele disku­tiert. Als ‚weiche Ziele’ seien etwa Schwarzafrikan­er genan­nt wor­den, als ‚harte Ziele’ hät­ten deutsche Poli­tik­er gegolten. Namentlich erwäh­n­ten die Recht­sex­trem­is­ten dem­nach Habeck und Hofre­it­er.“ (faz.net, 26.2.20) Und Über­raschung: Hin­weise deuten darauf hin, dass das Net­zw­erk größer ist als ursprünglich ver­mutet und dass es Kon­tak­te zu Polizei und Sol­dat­en gegeben haben könnte.

Eine Rei­he der Ver­hafteten waren in der gewaltaffinen „Brud­er­schaft Deutsch­land“ oder Bürg­er­wehren mit den klin­gen­den Namen „Wodans Erben Ger­manien“ (W.E.G.), „Freiko­rps Heimatschutz“ und „Vikings Secu­ri­ty“ organ­isiert oder sym­pa­thisierten mit ihnen, wie bere­its aus den öffentlich ein­se­hbaren Social Media-Aktiv­itäten ersichtlich war.

Mitglieder der Gruppe S. waren in gewaltaffiner "Bruderschaft Deutschland" und Bürgerwehren

Mit­glieder der Gruppe S. waren in gewaltaffin­er „Brud­er­schaft Deutsch­land” und Bürgerwehren

„Vikings Secu­ri­ty“ war auch in Öster­re­ich kurzzeit­ig aktiv, im Herb­st 2018 hat­te sich eine Gruppe formiert, die meinte, in Linz für Law and Order sor­gen zu müssen, aber nach eini­gen Tagen wegen chro­nis­ch­er Erfol­glosigkeit den Betrieb wieder ein­stellen musste.

Vikings Security Germania gibt die Gründung eines Ablegers in Österreich bekannt

Vikings Secu­ri­ty Ger­ma­nia gibt die Grün­dung eines Ablegers in Öster­re­ich bekannt

Arnold G. mit einer Namensliste der Vikings-Patrouille in Linz (2018)

Arnold G. mit ein­er Namensliste der Vikings-Patrouille in Linz (2018)

Ein satirischer Fanklub begleitete die Linzer Vikings, um sie danach bloßzustellen

Ein satirisch­er Fan­klub begleit­ete die Linz­er Vikings, um sie danach bloßzustellen

 

Recht­sex­treme seien seit 2016/17 in einem Zus­tand der Dauer­mo­bili­isierung, wie es ein Magde­burg­er Experte im MDR for­muliert. Jedes Ereig­nis gebe einen Anstoß, um die Erre­gung hochzukochen und die Absicht, selb­st tätig zu wer­den, zu ver­stärken: Tat­en statt nur Worte!

Die Anlässe sind willkür­lich gewählt, manch­mal kon­stru­iert, manch­mal auf­grund tat­säch­lich­er Ereignisse, meist jedoch ver­schwörungs­the­o­retisch unter­mauert. Wo ver­meintliche oder reale Tatorte liegen, spielt dabei keine große Rolle, sie wer­den hochge­spielt und zu Protestzen­tren stil­isiert – real und virtuell. Das waren Kan­del oder Chem­nitz in Deutsch­land, auf kleiner­er Flamme Wiener Neustadt und Steyr in Öster­re­ich – hierzu­lande bei­de Male orchestri­ert durch die Iden­titären. Und wenn Öster­re­ich nicht reicht, beg­ibt man sich eben nach Deutsch­land und nimmt dort an den Aufmärschen teil. Die Ver­net­zung ist – begün­stigt durch die sozialen Medi­en –über­re­gion­al und län­derüber­greifend – der dro­hende Unter­gang wird mit jedem brauch­baren Argu­ment herbeihalluziniert.

Es ver­wun­dert daher nicht, dass der deutschen Szene auch Mate­r­i­al aus Öster­re­ich zum Auf­s­tacheln und als Kick dient. Das zeigt schon eine kur­sorische Auswer­tung einiger Face­book-Pro­file der mut­maßlichen Recht­ster­ror­is­ten aus der „Gruppe S.“

Der Neon­azi und Reichs­bürg­er­an­hänger Thomas N. wird zum Führungsquar­tett der Gruppe gezählt, er war mit etlichen aus Öster­re­ich stam­menden FB-Pro­filen – so wie N. selb­st vielfach unter Klar­na­men laufend – „befre­un­det“. Am 10. Feb­ru­ar, also nur vier Tage vor sein­er Ver­haf­tung, teilt N. ein Post­ing von Peter Wes­t­en­thaler mit dem Titel: „6 Minuten Wahrheit über Wien“. Das war zuvor von Wal B. ins „Team 69 – Tirol“, ein­er het­zerischen Face­book-Gruppe, in der sich unzäh­lige Recht­sex­treme tum­meln, geteilt worden.

Thomas N. teilt Peter Westenthaler

Thomas N. teilt Peter Westenthaler

Im Jän­ner taucht in N.s Time­line ein Video von Nor­bert Hofer auf. Begleit­text: „Ham­mer Beitrag! Unbe­d­ingt anschauen! Kli­maschutz ist wichtig ABER wir soll­ten die Kirche im Dorf lassen!“

Thomas N. teilt Video mit Norbert Hofer

Thomas N. teilt Video mit Nor­bert Hofer

Michael B., der zu den mut­maßlichen Unter­stützern der Ter­ror­gruppe gezählt wird, geht offen­bar durch den poli­tisch ful­mi­nant gescheit­erten Ex-FPÖ-BZÖ-Mann Ger­ald Grosz ein Licht auf. In einem zwis­chen AfD-State­ments und Posts zu Mikrochips, die der Bevölkerung eingepflanzt wür­den, einge­bet­teten Video hält Grosz von sein­er Com­put­erkanzel eine an „die linksradikalen Rauf­bolde in Ham­burg“ gerichtete Predigt, an das feige, asoziale Pack, das sich hin­ter seinen „Pudel­hauben“ ver­stecke und deren Heimat, so Grosz ken­nt­nis­re­ich resümierend, die geschlossene Anstalt sei.

Michael B teilt Gerald Grosz

Michael B teilt Ger­ald Grosz

Was wird Grosz wohl dazu sagen, wenn er erfährt, dass er mit seinem Gesülze einen mut­maßlichen Ter­ror­is­te­nun­ter­stützer ide­ol­o­gisch ali­men­tiert hat und dass dann aus­gerech­net der sich wenige Tage später mit „Pudel­haube“ auf seinem Pro­fil­fo­to präsentiert?

Michael B vermummt mit "Pudelhaube"

Michael B ver­mummt mit „Pudel­haube”

Auch der Wochen­blick find­et sich in  Michael B.s FB-Chronik: „Experte: Medi­en planten eigene ‚Schmutzkam­pagne“ gegen AfD“ Amüsant daran ist, dass der Wochen­blick seinen eige­nen Redak­teur, Johannes Schüller, zum „Experten“ gead­elt hat – aber ver­mut­lich sind dort nur „Experten“ für ein­schlägig recht(sextrem)e The­men am Werk.

Michael B teilt den "Wochenblick"

Michael B teilt den „Wochen­blick”

Tony E., auch dem Führungsquar­tett zugerech­net, teilt eben­falls einen Wochen­blick-Artikel, der – Ironie der Geschichte! – von Face­book als Fake-Nachricht markiert wurde: „Merkel hofft auf 12 Mil­lio­nen Ein­wan­der­er“, phan­tasiert da der Wochen­blick. Die Mel­dung kön­nte den Adren­a­lin­spiegel des „UnbeugsamTony“, wie sich E. auf dem mit­tler­weile gelöscht­en Face­book-Account nan­nte, hochge­jagt haben.

Tony E. teilt den "Wochenblick"

Tony E. teilt den „Wochen­blick”

Der Wodans-Erben-Aktivist und mut­maßliche „Gruppe S.“-Unterstützer Frank H. aus München nimmt wiederum bei „unzen­suri­ert“ Anlei­hen, um zu bele­gen, dass der Begriff „Lügen­presse“ zu Recht „immer wieder mal zu lesen“ sei. „Wenn Stim­mungs­mache nur mehr ‚Rechte Gewalt’ erken­nen will .….…. LÜGENPRESSE in Reinkul­tur. sor­ry Fre­unde SO Bitte NICHT.“

Frank H teilt unzensuriert

Frank H teilt unzensuriert

Ter­ror­gruppe S. (Teil 1): der Background
Ter­ror­gruppe S. (Teil 3): „Wodans Erben“ und ihre Fans aus Österreich