Rechtsextremes in der APA-Mediendatenbank 

Der APA-Online­M­an­ag­er (AOM) ist ein enorm wichtiges Recherchetool für Per­so­n­en, die pro­fes­sionell mit Medi­en arbeit­en. Die riesige Daten­bank enthält auch eine ganze Rei­he von recht­sex­tremen Medi­en und ver­linkt diese direkt. Das ist hoch­prob­lema­tisch. Warum, argu­men­tieren wir in diesem Beitrag.

Der APA-Online­M­an­ag­er (AOM) ist die zen­trale Infor­ma­tions- und Recherchep­lat­tform für Jour­nal­istin­nen und Entschei­dungsträger.“ So die Pro­duk­tbeschrei­bung auf der APA-Web­site. (1) Tat­säch­lich han­delt es sich bei dem APA-Online­m­an­ag­er (AOM) um die größte Medi­en- und Fach­daten­bank in Öster­re­ich. Die Ziel­gruppe ist weniger der/die herkömm­liche Medi­enkon­sumentIn, son­dern vielmehr pro­fes­sionelle Jour­nal­istIn­nen – oder „Infor­ma­tion­sprofis“, wie es auf der Web­site heißt. Die Bedeu­tung dieser Quelle kann für den öster­re­ichis­chen Jour­nal­is­mus kaum hoch genug eingeschätzt wer­den. 

Alles da

Wenn man im AOM nach bes­timmten Schlag­worten sucht, erhält man eine Liste mit Links zu Tre­f­fern aus Print- und ca. 3.000 Online-Medi­en. Diese Liste erscheint ohne weit­ere Angaben oder inhaltliche Ein­schätzun­gen zu den ver­link­ten Quellen; d.h. also Tageszeitun­gen und ser­iöse Online-Pro­jek­te wer­den eventuell unkom­men­tiert und direkt mit recht­sex­tremen Desin­for­ma­tion­spro­jek­ten aufge­lis­tet. Auch iden­titäre Medi­en find­en sich darunter.    

Wir haben in der let­zte Woche, am 7. Dezem­ber, via Twit­ter darauf aufmerk­sam gemacht: „Dass im APA-Online­m­an­ag­er nun auch schon iden­titäre Medi­en aufgenom­men wur­den, geht eigentlich gar nicht. Die ‚Tagesstimme’ ist ein Pro­dukt der Iden­titären, der ‚Wochen­blick’ zumin­d­est iden­titären-nahe.

Der APA-Chefredake­teur Johannes Bruck­en­berg­er hat darauf noch am sel­ben Tag via Twit­ter geantwortet.

APA-Chefredakteur Bruckenberger: "Die APA-Mediendatenbank umfasst mehrere 100 Millionen Dokumente. Hier handelt es sich konkret um die Quelle Online Medien, die Inhalte von etwa 3.000 Websites sammelt und die Trefferumgebung mit Links zu den Webseiten (ohne Volltext) anzeigt. Wir richten uns mit solchen Dienstleistungen zur Beobachtung von Medieninhalten an professionelle Zielgruppen, die wissen, wie diese Quellen einzuordnen sind. Für Politik oder Medien/JournalistInnen ist es relevant, auch in solchen Quellen recherchieren zu können."

APA-Chefredak­teur Bruck­en­berg­er: „Die APA-Medi­en­daten­bank umfasst mehrere 100 Mil­lio­nen Doku­mente. Hier han­delt es sich konkret um die Quelle Online Medi­en, die Inhalte von etwa 3.000 Web­sites sam­melt und die Tre­f­fer­umge­bung mit Links zu den Web­seit­en (ohne Voll­text) anzeigt. Wir richt­en uns mit solchen Dien­stleis­tun­gen zur Beobach­tung von Medi­en­in­hal­ten an pro­fes­sionelle Ziel­grup­pen, die wis­sen, wie diese Quellen einzuord­nen sind. Für Poli­tik oder Medien/JournalistInnen ist es rel­e­vant, auch in solchen Quellen recher­chieren zu können.”

Der Hin­weis, man wende sich mit dem AOM an „pro­fes­sionelle Ziel­grup­pen“, für die es rel­e­vant sei, „auch in solchen Quellen recher­chieren zu kön­nen“, leuchtet ein. Schließlich bet­rifft dies auch unsere eigene Arbeit. Aber die Sache ist lei­der deut­lich kom­plex­er als sie auf den ersten Blick erscheint. 

Unverdächtiger Look

Suchen wir mit Begrif­f­en nach Artikeln, wer­den ähn­lich wie bei Google oder anderen Such­maschi­nen die entsprechen­den Tre­f­fer gelis­tet. Da kön­nen nun unter vie­len anderen Medi­en auch Tre­f­fer zu diversen recht­sex­tremen Pub­lika­tio­nen dabei sein. Beispiel­sweise das iden­titäre Medi­en­pro­jekt „Tagesstimme“, das im Kostüm ein­er Online-Tageszeitung daherkommt. Die wenig­sten Jour­nal­istIn­nen wer­den nun wis­sen, wer hin­ter der „Tagesstimme“ steckt. Mehr noch: Es gehört wesentlich zur Medi­en-Strate­gie der Iden­titären, ser­iösen Jour­nal­is­mus zu imi­tieren, um völkische Inhalte zu nor­mal­isieren bzw. in ein­er unverdächti­gen Auf­machung im poli­tisch-medi­alen Diskurs zu platzieren. 

AOM listet bei der Suche "Tagesstimme" und "Contra Magazin"

AOM lis­tet bei der Suche „Tagesstimme” und „Con­tra Magazin”

Was die Prob­lematik erhöht: Recht­sex­treme Medi­en ver­di­enen mitunter Geld durch Ein­nah­men aus Online-Wer­bung und haben somit ein finanzielles Inter­esse, möglichst viele Klicks zu gener­ieren. Mit jedem Klick aus dem AOM ver­di­ent etwa die „Tagesstimme“. Um es mit der nöti­gen Drastik zu for­mulieren: Das Aufrufen solch­er Web­sites bringt poten­ziell Grup­pierun­gen Geld ein, die – wie die Iden­titären – die ide­ol­o­gis­che Basis für Recht­ster­ror­is­ten liefern. Wenn wir über ein recht­sex­tremes Online-Medi­um bericht­en, set­zen wir in unseren Artikel daher nie Links zur Quellen-Website.

Natür­lich ist es für Jour­nal­istIn­nen, die zum The­ma Recht­sex­trem­is­mus recher­chieren, uner­lässlich, die entsprechen­den Web­sites aufzu­rufen, aber dazu benötigt nie­mand den AOM. Bei der AOM-Recherche beste­ht die per­ma­nente Gefahr, auch unab­sichtlich auf einen solchen Link zu klick­en und somit ein­er recht­sex­tremen Web­site einen Gefall­en zu tun. Viele der Head­lines lesen sich ja völ­lig harmlos.

Der APA-Online­m­an­ag­er enthält neben der iden­titären „Tagesstimme“ noch zahlre­iche weit­ere recht­sex­treme und Iden­titären-nahe Web­sites. Dabei sind „Info-Direkt“, das laut DÖW „die Gren­ze zum Neon­azis­mus aus[lotet]“ und der „Wochen­blick“, der nicht nur (ehe­ma­lige?) iden­titäre Kad­er als Redak­ture an Bord hat, son­dern mit Nor­bert Geroldinger auch einen Geschäfts­führer, der schon mal dem Neon­azi Franz Radl zu dessen Ver­hand­lung wegen Wieder­betä­ti­gung ein her­zlich­es „Alles Gute und Dau­men hoch !“ zukom­men hat lassen.

AOM listet bei der Suche den "Wochenblick""

AOM lis­tet bei der Suche den „Wochen­blick””

Es geht sog­ar noch schlim­mer: Der AOM enthält auch das „Con­tra Mag­a­zin“. Bei diesem Online-Medi­um beste­ht das Tages­geschäft aus recht­en Ver­schwörungs­the­o­rien mit­samt codiertem Anti­semitismus, Ver­satzstück­en der „Truther­szene“ und prorus­sis­ch­er Pro­pa­gan­da; das Niveau ist unterirdisch, die Web­site ist als Desin­for­ma­tion­spro­jekt einzustufen (2).   

Gate­keep­er APA?

Die APA leis­tet mit der Auf­nahme solch­er Fak­e­news-Schleud­ern auch einen frag­würdi­gen Beitrag zu der vir­u­len­ten und notwendi­gen Debat­te darüber, was als ser­iöse Medi­en­ar­beit gilt und was nicht. Selb­st wenn die AOM-Daten­bank jede Bes­tim­mung bezüglich der Qual­ität der gelis­teten Medi­en unter­lässt, wer­den diese doch allein schon auf­grund der Auf­nahme in die Daten­bank als „Nachricht­en“ im weitesten Sinn anerkan­nt. Kurzum: Es ist höchst prob­lema­tisch Pro­jek­te in die Daten­bank aufzunehmen bzw. zu belassen, die bere­its als recht­sex­treme Desin­for­ma­tion­skam­pag­nen ent­tarnt wur­den. 

Es stellt sich die Frage, ob der APA in dieser Sache nicht all­ge­mein eine gewisse „Gate­keep­er-Funk­tion“ zukom­men sollte. Oder anders: Öster­re­ichs nationale Presseagen­tur kön­nte sich ihrer Def­i­n­i­tion­s­macht in dieser Sache bewusst sein und dafür sor­gen, dass recht­sex­treme Desin­for­ma­tion­spro­jek­te nicht als Nachricht­en qual­i­fiziert wer­den. Gegen­wär­tig trägt die AOM-Daten­bank aber lei­der – ver­mut­lich ohne es zu wollen – zur weit­eren Nor­mal­isierung und Ver­bre­itung recht­sex­tremer Posi­tio­nen im Netz bei.  

Fußnoten

1 Der APA-Online­m­an­ag­er wird von der Aus­tria Presse Agen­tur betrieben, die im Eigen­tum öster­re­ichis­ch­er Tageszeitun­gen und des ORF steht.
2 Wir haben im Feb­ru­ar diesen Jahres aus­führlich über das „Con­tra-Mag­a­zin“ berichtet. Hier noch ein­mal unser Faz­it: Das „Con­tra Mag­a­zin“ ist eine Desin­for­ma­tion­splat­tform, die recht­sex­tremes Gedankengut mit The­men der „Truther­szene“ vere­int. Als über­greifend­es Motiv fungieren Ver­schwörungs­the­o­rien von den Machen­schaften „glob­al­is­tis­ch­er Eliten“, die das Nar­ra­tiv ein­er regres­siv­en Kap­i­tal­is­muskri­tik bedi­enen, Putins Rus­s­land als autoritären Gegen­pol feiern und immer wieder in (codierten und per­son­al­isierten) Anti­semitismus überge­hen. Die Texte des Her­aus­ge­bers Andreas E. Keltscha zeigen nicht nur deut­lich, dass dieser sich von seinem 2011 evi­dent gewor­de­nen Gedankengut nicht ent­fer­nt hat, son­dern sind auch Belege für die fließen­den Übergänge von recht­sex­trem zu braun.