FPÖ Tirol: „Gefahr im Verzug“ wegen Nazischrott im Hinterzimmer

Nach etlichen Stunden des Schweigens über den Nazi-Schrott im Hinterzimmer des FPÖ-Funktionärs und langjährigen Präsidenten der Tiroler Apothekerkammer gab es dann doch noch Bewegung. Am Dienstag erklärte Martin Hochstöger seinen Rückzug aus dem Landesvorstand der Tiroler FPÖ. Schließlich – nach einer Rücktrittsaufforderung der Grünen – sein Parteiausschluss „wegen Gefahr im Verzug“. Die Staatsanwaltschaft hat noch am Dienstag eine „Nachschau“ in der Apotheke veranlasst.

Nach der Veröffentlichung von Fotos auf dem Blog dietiwag.org am Dienstag, 26.9., und unserem Bericht dazu war zunächst einmal Schweigen im Walde.

Einzig die Tiroler Grünen forderten Konsequenzen. „Diese Sammlung an strafbarem Material überschreitet jede Grenze und darf nicht folgenlos bleiben“, erklärte ihr Klubobmann Gebi Mair. Karl Öllinger, Abgeordneter zum Nationalrat, kündigte der TT dazu eine Sachverhaltsdarstellung an, aber die Justiz war von sich aus schon tätig. Noch am Dienstag erfolgte eine „Nachschau“, also eine Hausdurchsuchung in den Räumlichkeiten der Landecker Stadtapotheke, bei der auch „Sicherstellungen“ erfolgten.

Am Mittwoch nach der „Schockstarre“ (TT) dann die Erklärung von Tirols FPÖ-Parteichef Markus Abwerzger, wonach das Mitglied des Tiroler Landesparteivorstandes „wegen Gefahr in Verzug“ mit sofortiger Wirkung von ihm aus der FPÖ ausgeschlossen worden sei.

Facebook-Kommentar von Abwerzger

Die „Tiroler Tageszeitung“ (TT) dazu:

„Besonders bitter für ihn: Hochstöger galt als möglicher Kandidat auf ein Regierungsamt, sollte die ÖVP nach der Landtagswahl 2018 eine Koalition mit der FPÖ bilden“.

Nicht alle waren begeistert von Abwerzgers Kommentar

Die Tiroler SPÖ zeigte sich am Mittwoch auch „entrüstet“ über die FPÖ und die Tiroler Grünen setzten mit offenen Fragen noch einmal nach. Klubobmann Gebi Mair will wissen, ob Abwerzger und seine Parteikollegen schon früher von dem Nazi-Schrott im Hinterzimmer gewusst haben:

„Grünen-Klubobmann Gebi Mair spielte dabei auf einen Besuch auf einen offenbaren Besuch der FPÖ Landesparteispitze im Juli in der Landecker Apotheke Hochstögers an, die auf Facebook ersichtlich sei. „Welche Räume wurden da alle besichtigt? Hat Hochstöger die Nazi-Gegenstände beim Besuch von Abwerzger in der Apotheke versteckt?“ (APA).