FPÖ: Nazi-Schrott im Hinterzimmer

Er hat mehrere Rich­tungswech­sel in sein­er Partei in promi­nen­ter Funk­tion über­lebt. Unter dem Lan­desvor­sitzen­den Wil­fried Tilg (2005 aus der FPÖ aus­geschlossen) wurde er Mit­glied im Tirol­er FPÖ-Lan­desvor­stand, blieb es bei Ger­ald Hauser und bis zum heuti­gen Tag auch bei Markus Abw­erzger. Der Apothek­er Mar­tin Hochstöger ist ein Schw­ergewicht in der Tirol­er FPÖ. Das kön­nte und sollte sich ändern, denn Markus Wil­helm (dietiwag.org) hat etwas her­aus­ge­fun­den.

Auf seinem Blog dietiwag.org veröf­fentlicht Markus Wil­helm Fotos mit hoher Aus­sagekraft. Auf dem einen wird eine große Mar­mortafel gezeigt, die über ein­er Lift­tür hängt. Die Inschrift auf der Mar­mortafel feiert den 11. März 1938, den Tag der „Heimkehr der Ost­mark ins Reich“ und weist darunter die bei der Volksab­stim­mung am 10. April 38 in Lan­deck abgegebe­nen Stim­men aus, die fak­tisch nur Ja-Stim­men waren.

Dann noch ein zynis­ch­er Hitler-Spruch: „Ich habe so gehan­delt wie ich es vor meinem Volk und vor der Geschichte ver­ant­worten kann“.

„Das Erin­nerungsstück an die braune Zeit hängt gut sicht­bar über dem Aufzugsportal, der zu den Ver­wal­tungsräu­men im ersten Stock führt. Das Hin­terz­im­mer im Bild ist für die Angestell­ten nicht nur frei zugänglich, son­dern sie haben dort auch ver­schiedene Arbeit­en zu ver­richt­en“ (dietiwag.org).

Die Apotheke „Zur Mari­ahilf“, in der die Nazi-Tafel aus­gestellt ist, betreiben die Hochstögers schon in der vierten Gen­er­a­tion. Das ist so ähn­lich wie beim Corps Goth­ia Inns­bruck, das fast schon ein aus­ge­lagert­er Fam­i­lien­be­trieb der Hochstögers ist. In der Chronik der Goth­ia sind die Hochstögers durch­num­meriert, damit man sie unter­schei­den kann. Mar­tins Vater Carl Hochstöger war natür­lich auch bei den Gothen, Stadt- und Gemein­der­at für die FPÖ in Lan­deck und so wie sein Sohn Präsi­dent der Tirol­er Apothekerkammer.

Nation­al­sozial­is­tis­ches Pro­pa­gan­da­ma­te­r­i­al zur Volksab­stim­mung vom 10. April 1938

Mar­tins Groß­vater Karl Hochstöger war natür­lich auch schon bei den Gothen. In der Chronik der Stad­tapotheke „Zur Mari­ahilf“ wird seine „über­aus angenehme und her­zliche Wesen­sart“ bejubelt, seine nation­al­sozial­is­tis­che Ver­gan­gen­heit aber diskret ver­schwiegen. Carl Hochstöger war näm­lich 1938 nicht nur SS-Unter­schar­führer, son­dern fungierte für einige Wochen nach dem Anschluss als kom­mis­sarisch­er Bezirk­shaupt­mann von Lan­deck für die Nazis.

In dieser Funk­tion durfte Hochstöger nicht nur die Volksab­stim­mung, son­dern auch den Umbau der Ver­wal­tung in den NS-Staat organ­isieren – die Mar­mortafel hängt nicht zufäl­lig in der Hochstöger-Apotheke.

Neben dem Aufzug mit der Mar­mortafel drüber befind­et sich – so dietiwag.org – aber auch noch eine Vit­rine, „in der Nazi-Insignien zur Schau gestellt wer­den: ein SS-Totenkopf mit Eis­ernem Kreuz auf rotem Tuch sowie ein schwarzes Leibchen mit dem Reich­sadler auf der Brust“.

In der Beschrei­bung der Nazi-Devo­tion­alien fehlt noch etwas: das Hak­enkreuz, das der Reich­sadler auf dem schwarzen Leiberl umfasst. Wed­er das schwarze T‑Shirt noch der SS-Totenkopf, der durch ein Eis­ernes Kreuz auf rotem Grund unter­legt ist, dürften aus der NS-Ära stam­men. Sie sind „neo“, durch die Nazi-Insignien den­noch ver­boten. Wie sie strafrechtlich zu beurteilen sind, sollte eine Ermit­tlungs­be­hörde klären. Von der FPÖ Tirol, die drin­gen­den Hand­lungs­be­darf hat, gibt es bis­lang (26.9., 11h) keine Reaktion.