Innsbruck: 24 Monate für den „Unbelehrbaren“

Das Südtirol­er Onlinepor­tal „Salto“ nan­nte ihn „Karl den Unbelehrbaren“, als es im Vor­jahr über den neuer­lichen Waf­fen­fund bei dem alten Südtirol-Ter­ror­is­ten Karl A. (84) berichtete. Am Dien­stag, 5.9., musste er sich vor einem Inns­bruck­er Geschwore­nense­n­at wegen Wieder­betä­ti­gung ver­ant­worten, weil neben den Waf­fen auch ein Hitler­porträt und eine Hitler-Kaf­fee­tasse gefun­den wurden.

Warum es im Vor­jahr über­haupt zu der Haus­durch­suchung bei A., der seit den 60er Jahren in der ter­ror­is­tis­chen Südtirol­szene aktiv war und 1989 in Inns­bruck wegen Vor­bere­itung von Ver­brechen mit Spreng­mit­teln als Chef der Ter­ror­gruppe „Ein Tirol“ zu fün­fein­halb Jahren Haft verurteilt wurde.

Schon vorher, in den 60er Jahren war A. im drit­ten Mailän­der Südtirol-Prozess wegen sein­er Beteili­gung an dem für zwei Cara­binieri tödlichen Anschlag auf der Steinalm, zu 24 Jahren Haft verurteilt worden.

Bombe­nan­schlag in Alto Adige

Die Aktio­nen der Ter­ror­gruppe „Ein Tirol“, die in den 80er Jahren einige Sprengstof­fan­schläge (eine Anklage ital­ienis­ch­er Behör­den warf ihr sog­ar 46 vor) durchge­führt hat, sind in der ein­schlägi­gen Szene selb­st sehr wider­sprüch­lich beurteilt wor­den. Karl A. wurde als ein „der Wirk­lichkeit lei­der ent­fremde­ter ehe­ma­liger Südtirol­er Frei­heit­skämpfer“, in anderen Darstel­lun­gen als „ital­ienis­ch­er Agent“ bezeichnet.

Fakt ist, dass A. inten­sive Kon­tak­te zu den Südtirol-Neon­azis um Nor­bert Burg­er hat­te und auch Zahlun­gen von der Nier­mann-Stiftung erhielt, die damals alle möglichen Recht­sex­trem­is­ten unterstützte.

Nor­bert Burg­er und die NDP

„2004 fand die Inns­bruck­er Polizei bei ein­er Haus­durch­suchung dann nicht nur eine Hand­granate und eine Maschi­nen­pis­tole mit Muni­tion, son­dern in sein­er Bettzeuglade auch zehn Kilo ein­er bräun­lichen Masse, die von A. zunächst als „Fen­sterkitt“ beze­ich­net wurde . Der „Fen­sterkitt“ ent­pup­pte sich nach ein­er Unter­suchung als Sprengstoff, allerd­ings war er nicht mehr funk­tions­fähig. 2005 fol­gte dann die Ver­hand­lung vor dem Bezirks­gericht Inns­bruck, bei der A. auf die Frage nach seinem Ver­mö­gen lachend mit „Waf­fen“ antwortete. Die milde Geld­strafe für Ver­stöße gegen das Waf­fenge­setz (immer­hin war er ja mit Hand­granate und Maschi­nen­pis­tole angetrof­fen wor­den): 100 Tagsätze zu zwei Euro, davon die Hälfte bed­ingt.“ (Stoppt­dierecht­en)

Bei der Razz­ia im Vor­jahr fan­den die Ermit­tler „eine Pis­tole, einen Teil ein­er Hand­granate, Sprengstoff-Uten­silien und ein nicht ord­nungs­gemäß deak­tiviertes Maschi­nengewehr“ (Tirol­er Tageszeitung, 6.9.2017). Weil die Funk­tions­fähigkeit der Waf­fen in der Hauptver­hand­lung nicht gek­lärt wer­den kon­nte, wur­den die Anklagepunk­te zum Besitz von Kriegswaf­fen und Sprengstoff aus­geschieden und nach Klärung durch Experten möglicher­weise nachverhandelt.

So blieb die Anklage wegen des Hitler­bildes und der Hitler-Tasse. Das Bild will A., ein gel­ern­ter Tis­chler, von einem Kun­den, der mit­tler­weile ver­stor­ben ist, zum Rah­men erhal­ten haben. Weil der Kunde nicht mehr aufge­taucht sei, habe er es selb­st aufge­hängt. Als ihn der Richter fragte, warum antwortete A.: „Soll ich es auf den Boden stellen?“ (Kro­ne Tirol, 6.9.17).

Wäre wohl bess­er gewe­sen, denn die Geschwore­nen hat­ten kein Ein­se­hen mit den Ausre­den von A. und sprachen ihn – noch nicht recht­skräftig — schuldig: 24 Monate, davon acht unbe­d­ingt. Bei der Verkün­dung des Urteils hat­te A. dann noch einen starken Abgang:

„Er schmiss seine Hände in die Luft und tobte. „Das stimmt alles nicht”, schrie der son­st gebrech­lich wirk­ende grauhaarige Mann, pack­te den Zipfel seines grauen Steir­errock­es und stürmte aus dem Gerichtssaal; nicht ohne die Geschwore­nen und Richter noch mit wüsten Flüchen zu bele­gen“ (Tirol­er Tageszeitung, 6.9.2017).