Graz: 6 Monate für Drohbrief mit 666 Milliarden Euro

Schon aus dem Titel lässt sich erken­nen, dass es sich wohl um jeman­den aus der Abteilung Reichsheinis/Staatsverweigerer han­deln muss, der mit der Keule ein­er mil­liar­den­schw­eren Buße jeman­dem dro­hen will. In diesem Fall wollte ein Süd­steir­er die Ver­steigerung seines Haus­es ver­hin­dern, indem er ein­er Rich­terin mit dieser Forderung dro­hte. Das war nicht beson­ders schlau.
Eigentlich waren es exakt 666.666.666.666,00 Euro, die das „Amt der Men­schen auf Erden“ von ein­er ost­steirischen Rich­terin ein­forderte für den Fall, dass die die Zwangsver­steigerung des Haus­es durch­führen sollte. Der Angeklagte hat­te schon vor diesem Brief ziem­lich­es Pech gehabt: Arbeit­splatz ver­loren, Band­scheiben­vor­fälle, ein desas­trös­er Wasser­schaden und gezählte 31 Exeku­tio­nen. Wegen zwei Vorstrafen kön­nte auch ein gewiss­er Eigenan­teil an diesen Ereignis­sen ver­mutet werden.

Als es in der Folge wegen 60.000 Euro Schulden zur Zwangsver­steigerung seines Haus­es kom­men sollte, wandte er sich nicht an die Schuld­ner­ber­atung, son­dern an die Chefin des „Staaten­bun­des“, Moni­ka Unger. Die hat ihm den Brief vom „Amt der Men­schen auf Erden“ ver­fasst. Der Richter: „Das ist ja an Gren­zde­bil­ität nicht zu über­bi­eten, was da ste­ht“ (Kleine Zeitung, 6.9.2017). Die Ein­schätzung des Richters wird die Laune der Präsi­dentin nicht sehr verbessert haben, aber sie hat jet­zt ohne­hin ganz andere Sor­gen, seit sie in U‑Haft sitzt.

Der Angeklagte stimmte dem Richter zu. Den Brief habe er nicht ein­mal gele­sen, und: “Das sind ja alles Psy­chopa­then“, bei denen ihn nicht wun­dere, „dass die da (in U‑Haft) sitzen“ (Kleine Zeitung). Dabei war er da ursprünglich noch ander­er Ansicht: „Ich hab mich mit der Präsi­dentin von den Staatsver­weiger­ern auf einen Kaf­fee getrof­fen, die war ganz nett. Aber jet­zt dis­tanziere ich mich kom­plett von denen, sowas würde ich nie wieder tun! Da lese ich lieber das Kanon­is­che Recht, das ist gar nicht ein­mal so blöd“ (Kro­ne Steier­mark, 6.9.2017)

Die Lek­türe des Kanon­is­chen Rechts kön­nte allerd­ings zu weit­er­er Ver­wirrung führen, denn auch das Kirchen­recht sieht für viele Angele­gen­heit­en eine eigene Gerichts­barkeit vor. Vom Staaten­bund ist der Angeklagte mit­tler­weile geheilt. Seit wann, ist allerd­ings auch nicht ganz klar, denn die erste Ladung zur Ver­hand­lung schlug der Angeklagte aus und auch bei der am 5. Sep­tem­ber gab es zu Beginn noch Ver­wirrung. Die „Kleine Zeitung“ berichtet das so:

„Nehmen Sie da Platz“, sagt Richter Hel­mut Wlasak und deutet auf das Tis­cherl vor seinem Richter­tisch. – „Wie ein Angeklagter …“, meint der 48-jährige Süd­steir­er. – „Sie sind mein Angeklagter. Das wis­sen Sie schon?“, fragt der Richter.

Tipp für die werte Leser­schaft: „Wenn Sie eine Ladung vom Gericht bekom­men, die Sie ignori­eren, und wenn dann zwei Polizis­ten kom­men und Sie höflich, aber bes­timmt ins Gericht begleit­en, dann sind die Chan­cen groß, dass Sie der Angeklagte sind.”

Mit­tler­weile laufen viele Ver­hand­lun­gen gegen Reichshei­nis wie das „Heit­ere Bezirks­gericht“ ab. Der Richter fasste die Äußerun­gen des Angeklagten schließlich so zusam­men: „Es tut Ihnen leid und kommt nie mehr vor“. Der Angeklagte: “Nie!“. Das Urteil: 6 Monate bed­ingt wegen ver­sucht­en Wider­standes gegen die Staats­ge­walt. Ein weit­er­er Mahn­brief würde sich­er teur­er kom­men, auch wenn die Forderung geringer wäre.