Neunkirchen (NÖ): Dänischer Neonazi erscheint nicht vor Gericht

Leon, der dänische Neonazi (siehe etwa unseren Beitrag aus 2013), hätte sich eigentlich am Montag vor dem Bezirksgericht Neunkirchen verantworten sollen. Im Oktober 2015 hatte er in Breitenstein am Semmering eine Flüchtlingsfamilie und deren Betreuer mit Pfefferspray und Totschläger attackiert. Im Jänner 2015 war er wegen Wiederbetätigung und Verhetzung zu zwei Jahren Haft teilbedingt verurteilt worden. Jetzt erschien er gar nicht vor Gericht.

„Neonazi aus Dänemark narrt die Justiz“, titelte der „Kurier“ in seiner NÖ-Ausgabe vom 10.1.2017 den Bericht über die gescheiterte Verhandlung. Nicht zum ersten Mal übrigens. Als sich Leon „Reconquista“ M. im Dezember 2014 wegen Wiederbetätigung und Verhetzung vor einem Geschworenengericht in Wien verantworten sollte, tauchte er ebenfalls nicht auf. Damals ließ die Justiz nicht mit sich spaßen und verhängte Untersuchungshaft über ihn. „Als der Student im Dezember des Vorjahres kurzfristig in U-Haft genommen wurde, soll er im Gefängnis an die Spindtür Hakenkreuze gemalt haben“, schrieb der „Kurier“ damals.

Leon Reconquista fand rasch Freunde in Österreich - Ludwig Reinthaler und Werner Königshofer zum Beispiel...

Leon Reconquista fand rasch Freunde in Österreich – Ludwig Reinthaler und Werner Königshofer zum Beispiel…

Im Jänner 2015 fand dann der Prozess statt, bei dem Leon zu zwei Jahren Haft, davon 6 Monate unbedingt, verurteilt wurde. Weil er gegen das Urteil Revision einlegte, musste er die Haftstrafe nicht sofort antreten und konnte so im Oktober 2015 die Flüchtlinge attackieren. Auch seinen Blog, den er früher sinnigerweise „Ein Ort für Neonazis“ genannt hatte, betrieb er unter dem neuen Titel „Ein Ort für neue Widerstandskämpfer“ weiter. Der Eintrag vom September 2015 ist eine Drohung: „Bereiten wir uns auf eine Konfrontation vor, die eine neue Intensität erreichen wird“.

NS-Propagandabilder auf dem von Leon Reconquista betriebenen Blog und Facebook-Seiten

NS-Propagandabilder auf dem von Leon Reconquista betriebenen Blog und Facebook-Seiten

Am Montag sollte der Angriff auf die Flüchtlinge beim Bezirksgericht Neunkirchen verhandelt werden. Über seinen Anwalt ließ Leon M. das Gericht wissen, dass er zur Verhandlung nicht erscheinen könne, weil gegen ihn ein Aufenthaltsverbot bestehe. Auch eine Verhandlung beim Landesverwaltungsgericht, wo es um ein Waffenverbot gegangen wäre, hat er mit dieser Begründung platzen lassen. Tatsächlich ist Leon M. flüchtig. Wo er sich aufhält, ist unklar. Sein Blog „Ein Ort für neue Widerstandskämpfer“ findet sich noch immer unter der gleichen Adresse im Netz. Allerdings ist er auch dort ziemlich sprachlos geworden. „Also sprach Zarathustra“, lautet der einzige Eintrag aus 2016.

Leon Reconquistas Blog im Jahr 2013: Ein Ort für Neonazis...

Leon Reconquistas Blog im Jahr 2013: Ein Ort für Neonazis…

...später benannte Leon Reconquista den Blog in "Ein Ort für neue Widerstandskämpfer" um.

…später benannte Leon Reconquista den Blog in „Ein Ort für neue Widerstandskämpfer“ um.

Weitere Berichte:
– stopptdierechten.at, 6.7.2013: RFJ-Watch: Ein dänisches Nazi-Früchterl
– rfjwatch, 5.6.2013: Dänischer Neonazi studiert in Wien
– stopptdierechten.at, 18.12.2014: Wien: Wo ist Leon Reconquista, der Neonazi?
– stopptdierechten.at, 20.1.2015: Wien: Reconquista gestoppt