Mädelschaften: „Mit Schwung ins neue Semester“

Dass Deutschnationalismus nicht nur Männersache ist, belegt in Österreich u.a. die Existenz mehrerer sogenannter Mädelschaften bzw. Damenverbindungen. Sie sind im deutschsprachigen Bereich gut vernetzt und vertreten ähnliche Positionen wie ihr männliches Äquivalent, Burschenschaften. Vergangenes Wochenende fand das jährliche Damenverbindungstreffen (DVT) in Erlangen statt.

Verbindungstreffen
Einmal im Jahr wird von den Mädelschaften im deutschsprachigen Raum ein so genanntes Damenverbindungstreffen (DVT) organisiert, das jährlich an einem anderen Hochschulort stattfindet. So lud letztes Jahr die ADV Bavaria Aurea München zum 26. Damenverbindungstreffen nach Bayern, um sich, wie es auf ihrer „Heimatseite“ heißt, „über Probleme, neueste Entwicklungen und typisch weibliche Themen auszutauschen“.

Auch aus Österreich gab es Beteiligung und so rühmte sich beispielsweise die ADV Barbara zu Leoben auf Facebook damit, vor Ort gewesen zu sein. Vertreter_innen aus Österreich sind dabei jedoch deutlich in der Minderheit, da die große Mehrzahl der farbentragenden Teilnehmerinnen in der Regel aus Deutschland, vereinzelt auch aus der Schweiz oder Polen, kommt.

Das mag einerseits daran liegen, dass sich in Deutschland bundesweit schlichtweg auch mehr Mädelschaften und Damenverbindungen antreffen lassen. Andererseits werden derartige Events ohnehin nicht unbedingt von Besucherinnen überrannt und so nahmen beispielsweise 2012, als das Treffen in Wien stattfand, laut Angaben der Veranstalterinnen gerade mal 90 „Schwestern“ aus dem ganzen deutschsprachigen Raum teil. Dennoch lässt sich auch in Österreich ein gewisser „Trend“ zu derartigen Organisationsformen feststellen, da es hierzulande seit 2011 zur Neugründung von drei Mädelschaften kam, zu denen die pennale Verbindung Sigrid (Wien) und die akademischen Verbindungen Iduna (Linz) und Nike (Wien) zählen.

„Alte Traditionen pflegen, neue Wege gehen“
Unter diesem Motto entschieden sich letztes Jahr gleich drei Verbindungen aus Franken, zu denen die ADV Eostarae Erlangen, die ADV Carolina Wilhelmina zu Ansbach-Triesdorf und die ADV Thalia Bamberg zählen, das Treffen 2016 in Erlangen auszurichten. Obwohl Erlangen mit seinen rund 100.000 Einwohner_innen eigentlich eher eine kleine Stadt ist, lassen sich an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg insgesamt 19 Studentenverbindungen antreffen, die in unterschiedlichen Korporationsverbänden organisiert sind.

Gleich neun der 19 Erlanger Verbindungen sind pflichtschlagende Verbindungen, was bedeutet, dass sie Mensuren fechten müssen, eine weitere ist fakultativ schlagend und stellt ihren Mitgliedern frei, ob sie fechten oder nicht. Hinzu kommen außerdem zwei relativ „junge“ Damenverbindungen. So wurde die ADV Nova 2011 gegründet und die ADV Eostarae Erlangen überhaupt erst letztes Jahr ins Leben gerufen. Die sich ohnehin als „unpolitisch, überkonfessionell, nichtschlagend“ präsentierende Akademische Damenverbindung Nova dürfte jedoch nicht an der Organisation des Damenverbindungstreffens beteiligt gewesen sein.

Die Akademische Damenverbindung Barbara zu Leoben lädt demnächst ihre Schwesternverbindungen aus dem "deutschen Sprach- und Kulturkreis" nach Österreich...

Die Akademische Damenverbindung Barbara zu Leoben lädt demnächst ihre Schwesternverbindungen aus dem „deutschen Sprach- und Kulturkreis“ nach Österreich…

Nächste Station: Leoben
Auch seitens österreichischer Verbindungen wurde im Vorfeld für das Damenverbindungstreffen in Erlangen geworben. So kündigte beispielsweise die aktuell etwas aktivere Mädelschaft Nike aus Wien das Event nicht nur im Rahmen ihres Veranstaltungskalenders an, sondern nahm auch aktiv daran teil. „Wieder viele interessante und nette Gespräche am DVT 2016 in Erlangen geführt. Wir freuen uns über viele neue Bekanntschaften und starten mit Schwung ins neue Semester“ resümieren sie das Wochenende auf Facebook. Für die mitveranstaltende ADV Thalia Bamberg wiederum dürfte es das letzte Event gewesen sein, da es ihr (wie sooft) nicht gelungen ist, neue Mitglieder anzuwerben und sie sich daher von der Verbindungslandschaft verabschiedet. Das Damenverbindungstreffen 2017 dürfte im Übrigen wieder in Österreich stattfinden und diesmal von der ADV Barbara zu Leoben organisiert werden – ein weiterer Grund, sich auch hierzulande mit den konservativen Damen auseinanderzusetzen.

Zum Nachlesen: Artikel „Mädelsache Deutschnationalismus“ in der Zeitschrift an.schläge