Hitlers Geburtstag 2016

Hitlers Geburt­stag – das ist seit Jahren ein merk­würdi­ges Ereig­nis in den sozialen Net­zw­erken. Weil etwa Face­book mit­tler­weile offene Huldigungs­seit­en weit­ge­hend löscht, weichen die Hitler-Fans auf mehr oder weniger phan­tasievolle Umschrei­bun­gen und Codes aus. Für einige scheint an diesem Tag die Sonne beson­ders schön, auch wenn es reg­net, anderen fällt seit Jahren immer wieder Hitlers Lieblings­gericht Eier­nock­erl ein. Heuer war es beson­ders arg.


Braune Eier­nock­erl mit Salat

Möglich, dass die Aufmerk­samkeit zugenom­men hat. Der „Eiernockerl“-Schmäh, den wir 2015 etwas genauer beschrieben haben, hat immer­hin dazu geführt, dass Han­na Herb­st von Vice Alps dem Code zu Hitlers Geburt­stag etwas genauer nachge­gan­gen ist und dabei her­aus­ge­fun­den hat, dass jede Menge Leute aus­gerech­net am 20. April Eier­nock­erl mit grünem Salat ver­speisen, was Hitlers Lieblingsspeise gewe­sen sein soll.

Hop­pala! Philip­pa Beck, „FPÖ-TV-Mod­er­a­torin und Stra­ches aktuelle Fre­undin“ (Vice Alps) hat auch eines der Eier­nock­erl-Post­ings geliket. Zufall? „Vice“ veröf­fentlichte aber nicht nur „Eiernockerl“-Postings, son­dern fragte auch bei Gast­stät­ten nach, ob und warum sie am 20.4. Eier­nock­erl auf der Tageskarte haben. Tat­säch­lich scheint es einige Gasthäuser in Wien zu geben, die extra zu Hitlers Geburt­stag Eier­nock­erl anbieten.

Nicht nur Gast­stät­ten! Auch die Werk­skan­tine eines sehr großen Dien­stleis­tung­sun­ternehmens in Wien bot zu Hitlers Geburt­stag heuer Eier­nock­erl an. Kann natür­lich pur­er Zufall gewe­sen sein. Die Post­ings einiger Mitar­beit­er zeigen allerd­ings an, wie sie das Ange­bot ver­standen haben.

Her­bert M. verkün­det das – zunächst unverdächtige – Ange­bot: „HEUTE gabs in der Kan­tine mit­tags Eiernockerl.“

Alex M.antwortet: „Hast wenig­stens 88 Stück gegessen?“

Sollte noch jemand Zweifel haben, was mit den Eier­nock­erln assozi­iert wird, Andreas H. räumt sie aus: „mit grünem Salat wie es Onkel Adi gemocht hatte“

Den zynis­chen Höhep­unkt schafft Peter H.: „Und nochher gasstaund olesn ned vergessen.…“

Her­bert M. hat übri­gens bis heute (26.4.16) keinen der Kom­mentare zu seinem Eier­nock­erl-Post­ing gelöscht. Auch das ist kein Zufall.

Vere­inzelt sind auch Grußbotschaften wie die von Roland H. aus Amstet­ten zu find­en. „Alles Gute zum 127. Geburt­stag!“, ist da zu lesen, ohne dass der Adres­sat erwäh­nt wird. Immer­hin fünf Per­so­n­en liken diese Botschaft.

In Deutsch­land sind die Aktiv­itäten der Neon­azis zu Hitlers Geburt­stag kaum codiert. Ein Gasthaus in Thürin­gen bot am 20.4. ein Schnitzel mit Kartof­fel­salat um 8,88 Euro an. Wenig trittsich­er, der Nazi-Wirt, denn Hitler war bekan­ntlich Vegetarier.

In Jena, eben­falls in Thürin­gen, marschierten am 20.4. rund 200 Neon­azis mit Fack­eln durch die Stadt. Die Stadt wollte den Ter­min ver­hin­dern und die Neon­azi-Demo auf den näch­sten Tag ver­legen: „Nach Infor­ma­tio­nen des MDR hat­ten die Anmelder des Thügi­da-Marsches jedoch auf den 20. April bestanden. Die Anmelder hät­ten das Gespräch abge­brochen und mit Klage gedro­ht, um zu zeigen, dass am Geburt­stag von Hitler marschiert wer­den dürfe.“ (Thüringer All­ge­meine)