Wölfnitz (Ktn): 88 auf Socken und im Hirn?

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Bei einem Fuß­ball-Match zwi­schen den Mann­schaf­ten der Kärnt­ner Unter­li­ga Ost Wölf­nitz und Sele/Zell spiel­ten sich Sze­nen ab, die jetzt zu einer Ver­län­ge­rung vor einem Geschwo­re­nen­ge­richt in Kla­gen­furt füh­ren. Die Ankla­ge wirft einem Wölf­nit­zer Spie­ler NS-Wie­der­be­tä­ti­gung vor. Er ist von Spie­lern der geg­ne­ri­schen Mann­schaft nach dem Spiel am 17. Okto­ber 2015 ange­zeigt wor­den. Bei einer Haus­durch­su­chung wur­de anschei­nend auch belas­ten­des Mate­ri­al gefunden.

Die Ver­si­on der Beschimp­fung, die der Wölf­nit­zer Spie­ler gegen­über den Spie­lern von Sele/Zell damals abge­las­sen und durch Ges­ten unter­stützt hat, war noch hef­ti­ger als jene, die sich jetzt in der Ankla­ge fin­det. Die Ankla­ge­schrift zitiert ihn mit: „Es gibt nur einen Füh­rer und ihr gehörts alle ver­gast und erschos­sen”, wobei er,  so die Klei­ne Zei­tung am 15.3.2016, zur Unter­maue­rung sei­ner Aus­sa­ge die rech­te Hand zum Hit­ler­gruß hob.


Beim Foot­ball nicht unge­wöhn­lich, bei Soc­cer eher schon

Kurz nach dem Match war er noch so zitiert wor­den: „Scheiß Jugos, ihr gehört’s alle ver­gast und erschos­sen“ und „Es gibt nur einen Füh­rer“ (ORF Kärn­ten, 19.10.15). Das ist auch des­halb nicht irrele­vant, weil Het­ze gegen einen Klub aus einer mehr­heit­lich slo­we­ni­schen Gemein­de häu­fi­ger vorkommt.

Ein Spie­ler, der selbst einen slo­we­ni­schen Namen trägt und gegen Slo­we­nen hetzt. Ein Fuß­ball­klub aus einer gemischt­spra­chi­gen Gemein­de, der seit 2007 schon drei Anzei­gen (erfolg­los) wegen ras­sis­ti­scher Vor­fäl­le und Äuße­run­gen ein­ge­bracht hat und nicht zuletzt die Stel­lung­nah­me des Kapi­täns von DSG Sele/Zell in der „Klei­nen Zei­tung“ zei­gen, dass Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus auch gegen­über Spie­lern der slo­we­ni­schen Min­der­heit sehr viru­lent sind: „Auf eini­gen Plät­zen ist es schlim­mer als auf ande­ren“, erklärt Kapi­tän Miran Kelih und zählt dabei Wölf­nitz auch nach dem Vor­fall zu den freund­li­che­ren Ver­ei­nen. Der Obmann der DSG Sele/Zell fügt noch hin­zu, als „Slo­we­ne kriegst eine dicke Haut. Einer schnel­ler als ande­re.“ (Klei­ne Zeitung)

Bei der Haus­durch­su­chung, die im Rah­men der Ermitt­lun­gen durch geführt wur­de, ist jeden­falls auch ein­schlä­gi­ges Bild­ma­te­ri­al bei dem Spie­ler gefun­den wor­den. Fotos von Hit­ler, von einem Toten­kopf­ban­ner, von einem Juden­stern. Dann wäre da noch die Sache mit der „88”. Unter sei­nen (durch­sich­ti­gen) Fuß­ball­so­cken, mit denen er ein­ge­lau­fen ist, trug er die Zahl „88”. Zunächst recht­fer­tig­te sich der Spie­ler damit, dass es sich dabei seit Kin­des­jah­ren um sei­ne Glücks­zahl hand­le, spä­ter dann ver­fiel er auf die beson­ders ori­gi­nel­le Idee, die „88” ver­wen­det zu haben, damit er sei­ne Sport­so­cken nach der Rei­ni­gung wie­der zurück­be­kom­me. Die Staats­an­walt­schaft sieht das anders: „Die Zahl 88, die der Mann bei dem Spiel gegen Ange­hö­ri­ge der slo­we­ni­schen Volks­grup­pe zur Schau gestellt hat, ist als Aktua­li­sie­rung natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gedan­ken­gu­tes auf­zu­fas­sen.“ (Klei­ne Zei­tung, 15.3.2016)