Heute tanzt die Burschenschaft!

Uwe Sailer, engagierter Antifaschist , Datenforensiker und Kriminalpolizist aus Linz, hat bei der Kundgebung „Kein Salon dem Rechtsextremismus!“ der Initiative „Jetzt Zeichen setzen“ am 29.1.16 zum Ball der Burschis bzw. FPÖ – Akademikerball eine Rede gehalten, die wir hier dokumentieren. Alle Rechte liegen bei Uwe Sailer.

Österreich feiert alljährlich seinen Rechtsextremismus, einen Extremismus, der von Jahr zu Jahr salonfähiger und deshalb auch gefährlicher wird.

Wien lädt zum „Akademikerball“ hier in die Hofburg,

Graz zum Ball der Akademiker in den Grazer Congress und Linz zum Burschenbundball in das Palais Kaufmännischer Verein.

Schon früh nach 1945 legten die völkischen Verbindungen in Österreich einen auffälligen Drang an den Tag, sich mit Ballveranstaltungen wieder einschmeichelnd ins rechte Licht zu rücken. Von Anfang an versuchten sie, sich als elitäre Leistungsträger zu positionieren, denen die Wiener Hofburg selbstverständlich zur Verfügung zu stellen ist, die wohl symbolträchtigste Ballkulisse des Landes.

So wie damals, so auch heute, werden alle diese Bälle von völkischen Burschenschaftern organisiert, deren Lebenseinstellung sich orientiert an „Ehre, Freiheit, Vaterland“, die Glorifizierung der „eigenen, einer höher stehenden Rasse“.

Der rechte Extremismus tanzt den rechten Walzer.
Die Krake Faschismus süffelt Sekt.
Sie fühlt sich wohl in der Mitte der Gesellschaft.
Die Eiterbeule Neonazismus schleicht herbei in Frack, in Wichs und Anzug, will gesehen und gelobt sein.

Die Rechte hinterfragt man nicht,
auch wenn sie lügt und meint,
sie müßt gerade jetzt den Widerstand als Partisane
gegen diese Politik betreiben.

Sie lügt, weil just die Lüge,
die Basis und Prinzip ihr sei
und Taktik ihre Täuschung.

Sie rotzt und plärrt ganz ohne schlecht´s Gewissen
die Wahrheit nieder und mit viel Geschrei
„Wir sind das Volk“
und Du, der Du dich gegen diese da erhebst, brich nieder!

Wer in der Hofburg tanzt,
der kann doch nicht von schlechten Eltern sein,
das ist die Meinung vieler.
Die Gesellschaft nimmt´s gelassen hin,
nur die Krawallos da, sind ihr zuwider.

Die Demokratie stellt dieses Phänomen vor gewaltige Probleme. Wie begegnen wir Personen, die die Politik als Betrugsgeschäft betreiben, ganz ohne schlechtes Gewissen und verkünden, dass sie die liberale, demokratische Mehrheitsgesellschaft darstellen. Wo ist der Mut, der aufrechten Demokraten diese widerliche, menschenverachtende Ideologie der rechtsextremen Rattenfänger öffentlich zu entlarven.

Wo ist er?
Was fehlt, das ist die innere Erkenntnis vieler, sehr anfällig schon geworden zu sein, für diese rechten Parolen.
Wer stört sind diese Demonstrierenden, die sich für Demokratie, für Bürger- und Menschenrechte einsetzen und wehrhaft sie verteidigen.
Wer sich gegen diese Burschenschafter wehrt gilt als linksextrem, wer demonstriert gar als Terrorist.
Was heute als Event gesehen, verlangt morgen wieder nach Verantwortung.
Und wer heute den Faschismus kritisiert, wird schnell zum Staatsfeind deklariert.

In Österreich gibt es ca. 4000 Burschenschafter akademischer und pennaler Mittelschulverbindungen. Viele deutschnationale Korporationen sind wegen massiver Imageprobleme inaktiv, oder nur mehr ein versprengter Veteranenhaufen, weil nicht wenige einen ganz besonderen Rechtsdrall aufweisen.

Jeder Bursche, der einer derartigen Verbindung angehören will, muss sich einer radikalen Ideologisierung und pathologischen sadistischen Ausbildung unterziehen, damit er schon morgen das rassistische und antimuslimische Personalreservoir der FPÖ bedienen kann.

Die Burschis tanzen nicht,
sie treten nieder,
die immer zarte Pflanze unserer Demokratie.

Nicht der Prostest hier auf der Straße ist gefährlich
für unser Land
und mag er laut und auch verstörend wirken.
Es sind die Schmissgermanen jetzt,
da drüben in diesem Haus,
die uns der Freiheitsrechte jedes einzelnen berauben,
die Frack und Wichs und Anzug tragen
und verdeckte Kreuze, mit den Haken dran.
Sie alle wollen uns erklären
wer Volk ist und wer nicht.

Die alle nach viel Bier und Wein
wieder nach dem Führer schrei´n
und alles was nicht „Teutsch“ ist
hat gefälligst fern zu bleiben.

Es ist das die Ethnokratie, die sie im Vorfeld zur Autokratie verfolgen und der „teutsche Herrenmensch“ tanzt über alle. Und genau das bringt der Veranstalter Udo Guggenbichler mit seiner Lebenslüge und Opfer-Täter Umkehr zum Ausdruck, wenn er öffentlich hinausposaunt:

Die Straße frei den linken Bataillonen“ entnommen der zweiten Strophe des Horst Wessel Liedes, die Parteihymne der NSDAP und er weiter sinniert:

„Gerade in Zeiten, wie wir sie jetzt erleben dürfen, ist es wichtig an unseren Werten und Traditionen festzuhalten! Setzt ein Zeichen für unsere Grundrechte und besucht oder unterstützt den Wiener Akademikerball – den Ball der dafür steht das unsere Freiheitsrechte wie die Versammlungsfreiheit nicht nur eine Worthülse sind! „

Und genau das sind die Worte, mit denen unsere Demokratie zu Fall gebracht werden soll, wenn die Behauptung aufgestellt wird,
„Unternehmen, die für den Ball arbeiten, bekommen den Judenstern aufgeklebt“,
wenn etwa H.C. Strache die Regierung als „Linke Meinungs-Diktatur“ denunziert und den Bundeskanzler einen „Staatsfeind“ nennt.

Wenn er sich mit den Opfern der Nazis: „Wir sind die neuen Juden“ vergleicht und Angriffe auf Burschenschafter-Buden seien „wie die Reichskristallnacht gewesen.“

Wenn Herbert Kickl im Bundespräsidenten den „selbstgerechten Lehrer-Lämpel“ sieht und die Asylpolitik der Bundesregierung als „eine Einladung an alle Schlepper“ tituliert, „die ihr schmutziges Handwerk in Wien erledigen“ und „angesichts des derzeitigen Massenaufkommens an Geschleppten sich jedwedes Gutmenschen-Gesülze ad absurdum führt und die Innenministerin auffordert, nicht mehr länger vor Asy-Industriellen, wie der Caritas, SOS Mitmensch und Kumpanen auf die Knie zu gehen.“

Wenn Johann Gudenus es als „guten und notwendigen Schritt erachtet, ein „Österreich-Verbot für diese illegalen Zuwanderer“ zu fordern,
und für den Linzer Vizebürgermeister der FPÖ Detlef Wimmer „am 20. April die Sonne scheint“, obwohl es regnet.

Wenn Christian Höbart sowieso in allen Zuwanderern nur „Erd- und Höhlenmenschen“ sieht und eine Flucht über das Meer, „als lustige Seefahrt“ bezeichnet.

Werner Neubauer, eine seiner vielen grenzwertigen Reden damit beginnt:

„Liebe deutsche Landsleute, ich darf das sagen, weil ich Deutscher bin, ich entbiete ihnen auch nicht ein einfaches hallo, oder einen guten Tag, ich entbiete ihnen ein treudeutsches österreichisches Grüß Gott. Darf ich Ihnen auch sagen, warum ich das tu? Nicht, weil ich mir hier besonders wichtig machen will, nein, weil es in Österreich Sitte geworden ist und leider auch Realität, dass man diesen Gruß aus deutschen Schulbüchern mittlerweile schon verbannt hat. Es ist in vielen Schulen in Österreich mittlerweile verboten, „Grüß Gott“ zu sagen, denn man könnte dabei die religiösen Gefühle von Muslime verletzen.“

Ich rufe auf, „Schützt unser Demokratie mit Mitteln, die ihr gerecht werden und verteidigt sie, auch mit Demonstrationen, das ist unser legitimes Recht. Kämpft gegen die Ewiggestrigen an und nehmt ihnen den Raum, den sie uns rauben wollen, damit sie nicht wieder unter dem Deckmantel von „Ehre, Freiheit, Vaterland“, ihr mörderisches Gedankengut ausleben zu können.“

No Pasarán!
Wir weichen nicht!


 
No Pasarán! (Sie werden nicht durchkommen)

Dolores Ibárruri Gómez, genannt La Pasionaria (* 9. Dezember 1895 im Dorf Gallarta der Gemeinde Abanto y Ciervana , Bizkaia , Baskenland ; † 12. November 1989 in Madrid ) war eine spanische Revolutionärin und Politikerin der Arbeiterbewegung .

Sie war Abgeordnete der Kommunistischen Partei (PCE) im spanischen Parlament und eine wichtige Protagonistin des Spanischen Bürgerkriegs 1936–1939 . Ihr wird der Ausruf „¡No pasarán!“ („Sie werden nicht durchkommen!“) zugeschrieben, aber auch – unmittelbar vor Ausbruch des Bürgerkrieges – Morddrohungen gegenüber José Calvo Sotelo , dem Repräsentanten der Rechten im spanischen Parlament, und öffentlicher Jubel über dessen Tötung. [1]

Wikipedia – Dolores Ibárruri Gómez