Der Hammer des Volkes

Fak­tisch ohne jede Öffentlichkeit fand am Lan­des­gericht Krems am 10.7. ein Geschwore­nen­prozess wegen NS-Wieder­betä­ti­gung gegen den früheren FPÖ-Bezirk­srat und mehrfachen Holo­caustleugn­er Wolf­gang Fröh­lich statt. Fröh­lich wurde aus der Haft, die er wegen NS-Wieder­betä­ti­gung in der Jus­ti­zanstalt Stein absitzt, zum Prozess vorge­führt, wo er nicht nur von den Geschwore­nen, son­dern auch von eini­gen Kam­er­aden erwartet wurde.

„Wenn der Ham­mer mal fällt, dann aber richtig“, schrieb der Admin­is­tra­tor „Nordglanz“ des früheren Neon­azi-Forums „Nationale Rev­o­lu­tion“ ahnungsvoll vor Jahren über die Hand­habung des NS-Ver­bots­ge­set­zes durch die öster­re­ichis­che Jus­tiz. Als er diese Zeilen schrieb, hat­te er ver­mut­lich nicht erwartet, dass ihn der Ham­mer just am gle­ichen Tag wie Wolf­gang Fröh­lich tre­f­fen würde. Drei Jahre unbe­d­ingt gab‘s für „Nordglanz“ in Korneuburg und drei Jahre wur­den wieder ein­mal fäl­lig für Wolf­gang Fröh­lich in Krems.


Nordglanz über Hämmer

Den hat der Ham­mer der Jus­tiz allerd­ings nicht zum ersten Mal getrof­fen. Der wievielte Prozess wegen NS-Wieder­betä­ti­gung gegen Wolf­gang Fröh­lich jet­zt stattge­fun­den hat, kön­nen wir nur unge­fähr bez­if­fern: Es dürfte der fün­fte gewe­sen sein.

Seit rund 20 Jahren ist Fröh­lich nun­mehr ein­schlägig auf­fäl­lig. 1994 war er aus der FPÖ aus­geschlossen wor­den, nach­dem er als FPÖ-Bezirk­srat einen Antrag auf versper­rbare Schul­spinde in der Bezirksvertre­tung einge­bracht hat­te. Der Skan­dal war nicht der Antrag, son­dern dessen Begrün­dung. Wir schrieben dazu:

Fröh­lich machte organ­isierte „Ban­den von Aus­län­derkindern“ für Dieb­stäh­le an Schulen ver­ant­wortlich und forderte: “Es wäre nur gerecht, die Kosten für die Schä­den, die die mul­ti­kul­turelle Bas­tar­disierung der Gesellschaft anrichtet, von jenen beglichen wer­den, die sie verur­sacht haben.” (Kuri­er, 23.2.1994). – Damals wurde man wegen solch­er Sätze noch aus der FPÖ ausgeschlossen!


Fak­sim­i­le, Quelle: das neon­azis­tis­che Online-Lexikon Meta­pe­dia, Zitat Meta­pe­dia: „Wolf­gang Fröh­lich, Friedrich Töben und Her­bert Schaller auf der Holo­caust-Kon­ferenz 2006.” (Anm.: in Teheran, Iran)

Von da an ging’s bergab. 2003, 2005, 2008 und 2010 gab’s Wieder­betä­ti­gung­sprozesse gegen Fröh­lich, die jew­eils mit mehrjähri­gen Haft­strafen ende­ten. 2012 drehte er dann eine Ehren­runde vor Gericht als Beteiligter in einem Betrugsprozess. Auch in der Haf­tanstalt kann man betrü­gen – die Mithäftlinge zum Beispiel.

Weil er aber schon eine ordentliche Pack­ung an Haft­strafen abzusitzen hat­te, sprach ihn das Gericht zwar schuldig, verzichtete aber auf die Ver­hän­gung ein­er zusät­zlichen Frei­heitsstrafe. Die deutschen Neon­azis, die ihn Anfang 2013 in der Haft besucht­en und über den Holo­caust mit ihm zu scherzen beliebten, waren daher schlecht ori­en­tiert, als sie ihm vor­bildliche Führung bescheinigten. Nicht nur Holo­caustleugn­er, son­dern auch noch ein­er, der seine Mithäftlinge betrügt!



Er kann’s nicht lassen:: Fröh­llich, „Nation­al Jour­nal” 2014

Jet­zt hat Fröh­lich neuer­lich der Ham­mer erwis­cht. Schuldig (das Urteil ist noch nicht recht­skräftig!), das befan­den die Geschwore­nen. Die Sym­pa­thisan­ten des verurteil­ten Neon­azi sind daher falsch ori­en­tiert, wenn sie – wie Sil­via M. – über die neuer­liche Verurteilung von Fröh­lich befind­en „Ein richtiger Drecksstaat eben!“. Cor­nelia B., die eifrige Pegi­da-Tante liegt auch daneben. “Ein Link­er… was son­st“, postet sie auf die Frage, wer das Urteil zu ver­ant­worten hat.

Dass Hel­mut P., der selb­st ger­ade wegen Ver­het­zung verurteilt wurde, den Mund schon wieder etwas über­voll nimmt, ver­wun­dert nicht weit­er, auch wenn die Dro­hung markant ist: “Auch richter­posten wer­den zur dis­po­si­tion ste­hen, wenn der bürg­er due sch­nautze (!) voll hat….“. Bei Bruno H. stellt sich die Frage, ob nicht vorher schon die Staat­san­waltschaft die Schnau­ze voll hat, wenn sie liest “eigene Henkerzellen für Richter“.

Und jet­zt die Auflö­sung: Es waren nicht die Richter, die über die Schuld­frage bei Fröh­lich neuer­lich entsch­ieden haben, son­dern die Geschwore­nen, sprich: eine Auswahl aus dem Volk. Sich­er eine repräsen­ta­ti­vere Auswahl als sie die anbi­eten kön­nen die „Wir sind das Volk“ rufen. Es war also der Volk­sham­mer, der wieder auf Fröh­lich gefall­en ist.