Korneuburg/Eisenstadt: Die Nazi-Mutter und der Nazi-Keller

In Korneuburg wurde in der ver­gan­genen Woche eine junge Frau wegen Wieder­betä­ti­gung und Ver­het­zung zu ein­er Haft­strafe von 14 Monat­en bed­ingt verurteilt. In Eisen­stadt fand am Don­ner­stag der Prozess gegen jenen Bur­gen­län­der statt, der seinen Nazi-Keller für einen Auftritt in Ulrich Sei­dls Film „Im Keller“ zur Ver­fü­gung stellte. Über den Prozess in Eisen­stadt berichteten fak­tisch alle Medi­en, über den in Korneuburg fak­tisch niemand.

Was läuft da in der Repub­lik, wenn ein Prozess wegen NS-Wieder­betä­ti­gung — vom Geset­zge­ber mit der Auflage Geschwore­nen­gericht und mas­siv­er Strafan­dro­hung bedacht — fast unter Auss­chluss der Öffentlichkeit stat­tfind­et? Aber in Eisen­stadt war doch die medi­ale Öffentlichkeit ziem­lich kom­plett vertreten — so ver­mut­lich der Einwand.

Wir ver­muten mal: würde es nicht die ein­prägsamen Bilder von Ulrich Sei­dls Film geben, kön­nte der Nazi-Fre­und aus Marz im Bur­gen­land wohl noch viele braune Feste in seinem Keller feiern und dabei „Es zit­tern die morschen Knochen“ sin­gen, ohne deswe­gen vor Gericht zu lan­den. Immer­hin erfahren wir durch die Prozess­berichter­stat­tung, dass gegen den Angeklagten schon ein­mal wegen Wieder­betä­ti­gung ermit­telt wurde — weil er Hitler-Wein verkauft hat­te. Die Wein­flaschen tru­gen die Auf­schrift „Nur für Ari­er“ und „Ein Volk, ein Reich, ein Führer – Hitler, der Befreier Deutsch­lands“. Verurteilung gab es deswe­gen keine! Aber das ist ja nicht unbe­d­ingt etwas Neues. Auch der Vorarl­berg­er, den wir 2011 als Vertreiber von Hitler-Wein und Hitler-Schnaps geoutet haben, blieb straflos.


„Schnaps vom Führer” (2011)
-

Der Angeklagte aus Marz, der nur Samm­ler gewe­sen sein will, war also schon früher mehr, allerd­ings straf­frei. Jet­zt hat ihn die Jus­tiz in seinem Keller qua­si live erwis­cht und zu zehn Monat­en bed­ingter Haft verurteilt.

Was die junge Frau und zweifache Mut­ter (31) angetrieben hat, die in Korneuburg wegen NS- Wieder­betä­ti­gung angeklagt war, geht aus dem einzi­gen Bericht über den Prozess in der Gratiszeitung „heute“ (1.7.2015) nur unzure­ichend her­vor. Aus­gerech­net! Gäbe es das Gratis­blatt nicht, wür­den wir nicht ein­mal wis­sen, dass es in Korneuburg vorige Woche einen Wieder­betä­ti­gung­sprozess gegeben hat. Die Angaben sind dürftig: bere­its mit 15 Jahren war die Angeklagte mit der Nazi-Szene in Kon­takt gekom­men. Sei­ther ist sie ein­schlägig aktiv. Sie hat auch für einen Radiosender, der vor allem ein­schlägige braune Musik gespielt hat, mod­eriert und auf ein­er Web­seite het­zerische Post­ings abgesetzt.

Weil sie sich ange­blich von der Szene dis­tanziert hat, „kam sie mit 14 Monat­en bed­ingter Haft davon“ („heute“). Bei­de Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Quellen:

„heute“
„standard.at“