Linz: Pegida-Demonstrant mit heftiger Vergangenheit (I)

Bei der Pegi­da-Kundge­bung in Linz am 8. Feb­ru­ar ver­suchte eine Redak­teurin von nachrichten.at, mehrere Teil­nehmerIn­nen zu befra­gen. Weit­ge­hend verge­blich, denn die meis­ten ver­weigerten selb­st auf sim­pel­ste Fra­gen eine Antwort. Ein Trans­par­ent­träger, so zwis­chen 40 und 50, kam uns bekan­nt vor. Kein Zweifel, bei dem Mann, der dur­chaus höflich, aber sehr ein­sil­big ein Gespräch mit der Redak­teurin ablehnte, han­delt es sich um Peter Paul R., den im Jahr 2000 wegen Mordes verurteil­ten früheren Poli­tik­er der Südtirol­er Freiheitlichen.

Markus Ripfl, der FPÖ Jungspund aus Niederöster­re­ich, der nach Peter Paul R. befragt wer­den hätte sollen, war über­haupt nicht fre­undlich. Mit einem “Und Tschüss — danke!“ bog er das Mikro der Redak­teurin nach unten, was dem Edwin neben ihm sichtlich gefiel. Peter Paul R. war da um einiges fre­undlich­er – ein Inter­view ver­weigerte er dennoch.

„Was ist Ihre Botschaft heute?“, fragte ihn die Redak­teurin. „Keine“, antwortete er, „es gibt die Organ­isatoren, mit denen kön­nen Sie da Inter­views führen“.- „Sie wollen nicht mit uns sprechen?“„Nein, das ist so vere­in­bart“. ‑Ende des Gesprächs, das in dem Video „Das Schweigen der Pegi­da-Unter­stützer“ von nachrichten.at zu sehen und zu hören ist.

Dabei hätte er einiges zu erzählen. Peter Paul R. ist näm­lich jen­er Südtirol­er Poli­tik­er, der im Feb­ru­ar 1997 einen anderen Poli­tik­er, den Land­tagsab­ge­ord­neten Chris­t­ian Wald­ner durch mehrere Schüsse aus einem Kleinkalibergewehr ermordet hat. Das Beson­dere an den Tatum­stän­den, die bei­den waren per­sön­lich und poli­tisch befre­un­det, bot in der Folge aus­re­ichend Stoff für Spekulationen.

Chris­t­ian Wald­ner war der erste Obmann der Südtirol­er Partei ‚Die Frei­heitlichen‘, die 1992 gegrün­det wurde. Wald­ner hat­te so wie Peter Paul R. zuvor die Jugen­dor­gan­i­sa­tion der Südtirol­er Volkspartei (SVP) im Stre­it ver­lassen. Die bei­den betra­chteten die Autonomie für Südtirol als nicht aus­re­ichend und fan­den in Jörg Haider einen bere­itwilli­gen Unter­stützer. Im Dezember1992 wurde in Anwe­sen­heit von Jörg Haider und Wal­ter Meis­chberg­er die Partei ‚Die Frei­heitlichen‘ im Reichriegler­hof gegrün­det, wo fünf Jahre später Chris­t­ian Wald­ner von Peter Paul R. erschossen wurde.

Wald­ner zog wenige Monate nach der Grün­dung der ‚Frei­heitlichen‘ gemein­sam mit Pius Leit­ner in den Südtirol­er Land­tag ein – die Partei hat­te auf Anhieb 6 Prozent erre­icht. Die blaue Kon­junk­tur dauerte nicht lange. 1994 löste Pius Leit­ner Wald­ner als Parteiob­mann ab und 1995 wurde der aus der Partei aus­geschlossen. Die offizielle Erk­lärung war, dass Wald­ner zu wenig gear­beit­et habe, die inof­fizielle, dass es finanzielle Unregelmäßigkeit­en gegeben habe.

Während der gemein­samen Zeit in der Jugen­dor­gan­i­sa­tion der SVP und danach bei den Frei­heitlichen waren Wald­ner und Peter Paul R. eng befre­un­det. R. war Bil­dungs- und Kul­tur­ref­er­ent des Südtirol­er Schützen­bun­des und Chefide­ologe der ‚Frei­heitlichen‘. Für die Recht­saußen-Pos­tille „Junge Frei­heit“ ver­fasste er Beiträge, eine Tätigkeit, die er dann Jahre später aus der Haft her­aus fortsetzte.


Die Frei­heitlichen — Südtirol: Biol­o­gisierung des Volks­gedanken. Ein wesentlich­es Merk­mal des Rechtsextremismus
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Die Zeitschrift „pro­fil“ beschrieb ihn so:


„Zu allen Leuten ist er fre­undlich, bemüht, verbindlich. Wenn es aber um die „Südtirol­er Sache” geht, wird er ver­bohrt, fast fanatisch.

Als er etwa im Dezem­ber 1994 glaubte, in Südtirol­er Patri­otenkreisen bewege sich ein öster­re­ichis­ch­er Pro­voka­teur, ging er mit ein­er Sachver­halts­darstel­lung zu Gericht und Medi­en und set­zte alle Hebel in Bewe­gung, um seine Südtirol­er Fre­unde vor dem Mann zu war­nen. Er befürchtete, der „Pro­voka­teur”, der öster­re­ichis­che Ex-Bun­desheerof­fizier Hel­mut St., wolle die Patri­oten­szene in den Auf­bau ein­er paramil­itärischen Unter­grun­dor­gan­i­sa­tion ver­wick­eln, um sie im Auf­trag eines ital­ienis­chen Geheim­di­en­stes zu kom­pro­mit­tieren. Rain­er bewegt sich gern unter „Südtirol-Aktivis­ten”, die an jed­er Ecke einen Ter­ror­is­ten oder Agen­ten wit­tern“ (pro­fil, 24.2.1997).


 
1996 schien Peter Paul R. kurzfristig auf der von den öster­re­ichis­chen Blauen ins Inter­net gestell­ten Kan­di­datIn­nen­liste für die Wahlen zum Europäis­chen Par­la­ment als Kan­di­dat der FPÖ mit der Zuord­nung Bun­des­land Südtirol auf. Eine Pro­voka­tion – so ganz nach den Vorstel­lun­gen der FPÖ, die nach öffentlichem Protest wieder entsorgt wurde.

Wald­ner, der auch nach seinem Auss­chluss bei den ‚Frei­heitlichen‘ sein Land­tags­man­dat behielt, näherte sich in der Folge der ‚Lega Nord‘ an, deren Koor­di­na­tor für Südtirol er hätte wer­den sollen. Wenige Wochen vor sein­er Ermor­dung erzählt er „Ich habe eine Geschichte, welche die Frei­heitlichen in Südtirol aus­löschen wird.” (profil,24.2.1997).

Fort­set­zung mor­gen!