Das blaue Gold (II): Antisemitismus und Verschwörungsgerüchte

Dass der Ver­schwörungs- und Zusam­men­bruch­spezial­ist Wal­ter Eichel­burg aus Wien, der die Seite hartgeld.com betreibt, mit der Seite „unzensuriert.at“ so wun­der­bar har­moniert, dass dort erst vor weni­gen Tagen ein Inter­view mit Eichel­burg erschien, in dem die „ein­flussre­iche Stimme in der Gold­branche“ (unzensuriert.at) ein­mal mehr den Zusam­men­bruch des Euro kom­men sieht, ist kein Zufall.

Die Gesellschaftsvorstel­lun­gen Eichel­burgs sind so reak­tionär, dass in dessen Koor­di­naten­sys­tem sog­ar die FPÖ zu ein­er sozial­is­tis­chen Partei wird: “Von den Parteien in Öster­re­ich hat derzeit alleine die FPÖ eine vernün­ftige Auf­fas­sung, aber auch die ist sozial­is­tisch. Alle derzeit­i­gen Parteien sind sozial­is­tisch. Ich kann allen Lesern ver­sich­ern, der Sozial­is­mus wird ver­schwinden, da er nicht mehr finanzier­bar sein wird“ (Eichel­burg, unzensuriert.at, 29.11.2014).

Das einzige Post­ing zu dem Inter­view mit Eichel­burg, in dem er auch den Zusam­men­bruch der Wohlfahrtsstaat­en prophezeit („Das Bil­dungssys­tem, das Gesund­heitssys­tem und das Sozial­sys­tem dürfte man nicht mehr auf­bauen, denn das sind die großen Geld­fress­er und nicht mit einem Gold­stan­dard vere­in­bar“), illus­tri­ert wun­der­bar die blauen Zusammenbruchsphantasmen:

„Eine Wohltat nach dem Zusam­men­bruch wird das Ver­schwinden der diversen krim­inellen links-grü­nen Net­zw­erke wie z.B. des Les­ben-Net­zw­erks sein, weil ihnen die Finanzierung durch öffentliche Gelder weg­bricht. Diese Kreb­s­geschwüre durchziehen wie Metas­tasen die Gesellschaft und zer­stören nacheinan­der alle gesun­den Organe. Ich freue mich schon auf das Ver­schwinden dieser Geschwüre!“ („peter“ auf unzensuriert.at).


HCStrache.at über Gol­draub und Eichelburg
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Für die Vorstel­lungswel­ten von Eichel­burg, der sich das Ende eines jeden Bil­dungs- , Gesund­heits- und Sozial­sys­tems wün­scht, weil es mit dem Gold­stan­dard nicht vere­in­bar sei, genieren sich ver­mut­lich sog­ar einige Frei­heitliche. Nichts­destotrotz beruft sich die FPÖ gerne auf Eichel­burg. Gold dient bei­den als Treib­mit­tel für reak­tionäre poli­tis­che Vorstellungen.

Deut­lich zum Aus­druck kommt das auch bei der von „unzensuriert.at“ und Ger­hard Deimek angeleierten Peti­tion zur ange­blichen Gol­dret­tung. Seit April 2012 ist die Peti­tion online und hat trotz der lan­gen Dauer nur knapp 2.300 Unterze­ich­ner­In­nen gefun­den. Die Kom­mentare, die option­al abgegeben wer­den kön­nen, haben es allerd­ings in sich:

„Diese Ver­brech­er gehören ins Gefäng­nis oder vor ein Volks-(Stand-)gericht“, schreibt ein­er der Unterzeichner.

Ein ander­er ist der Mei­n­ung, dass das „öster­re­ichis­che und deutsche Volk…ausgeschlachtet (wird) wie kein zweites auf dieser Erde“. „Hochver­rat“, „Zige­uner­meth­o­d­en“, durch „Dummköpfe“, „Gauner“ und die „Sys­tem­parteien“, das hat zwar teil­weise schon eine ein­deutige Kon­no­ta­tion. Es wird aber noch ärger:

„Es sollte endlich hin­ter­fragt wer­den, wer sich hin­ter den Zen­tral­banken ver­steckt. Wem gehört die FED, wem gehört die EZB. Ich ahne furcht­bares“, raunt „Unterze­ich­n­er“.

Wir ahnen, „Unterze­ich­n­er“ ist nicht der einzige, der sich in üblen Ver­schwörungs­the­o­rien ver­sucht. Ein ander­er „Unterze­ich­n­er“ mit dem Zusatz „Gold­wäsch­er“ will schon die Antwort wis­sen, ver­schweigt sie aber wegen des Risikos:

„ich weis lei­der zu viel und kenne den Ursprung, also weis ich, welche Gewalt diese Frage haben wird, wenn es her­aus kommt“.

Bei Andreas St. (immer­hin ein­er, der mit Namen unterze­ich­net) kommt es ansatzweise her­aus: „habe die schnau­ze voll von judas parteien (spö+övp+grüne)“.

„Unterze­ich­n­er, Pen­sion­ist“ hat schon einen klaren Ver­dacht: „Die Geheimniskrämerei ist nur durch die wahrschein­liche Tat­sache begrün­det, dass kein Gold mehr da ist, bzw. das Gold in New York von den Juden­bankern schon längst ver­scher­belt wurde“. – In New York lagert zwar kein einziges Gramm der öster­re­ichis­chen Gol­dreser­ven, aber Fak­ten spie­len für anti­semi­tis­che Het­zer ohne­hin keine Rolle.

Auch Robert S. muss sich voll anti­semi­tisch erbrechen: “Das Gold ist längst weg….Wir zahlen noch immer für einen uns im Jahre 1933, vom Weltju­den­tum, aufgezwun­genen Krieg (….).Wir soll­ten ein­mal bei den Banken des inter­na­tionalen Finanzju­den­tum nach­fra­gen“. — Das ist nicht nur anti­semi­tis­che Het­ze, das ist Nazi-Pro­pa­gan­da pur!

Viele der hier zitierten Kom­mentare der Web­seite „goldrettung.at“ waren monate­lang auf der Seite zu sehen. Auch die zwei offen anti­semi­tis­chen bzw. nation­al­sozial­is­tis­chen Kom­mentare wur­den nicht gelöscht, son­dern wan­derten ein­fach in die Ablage. Im Inter­net sind sie aber weit­er­hin abruf­bar. Dur­chaus denkbar, dass unter den knapp 2.300 Unterze­ich­ner­In­nen noch weit­ere anti­semi­tis­che bzw. nazis­tis­che Kom­mentare zu find­en sind.

Für den Inhalt der Web­seite „goldrettung.at“ ver­ant­wortlich ist „Unzen­suri­ert – Vere­in zur Förderung der Medi­en­vielfalt“. Ger­hard Deimek, der Par­la­men­tari­er, stellt seinen Kopf zur Ver­fü­gung. Es liegt jet­zt an Ihnen, schle­u­nigst dafür zu sor­gen, dass die strafrechtlich rel­e­van­ten Kom­mentare defin­i­tiv gelöscht wer­den und ihre Ver­fass­er angezeigt wer­den. Die Dat­en dafür haben sie ja.