Neonazis: Nicht alle sind blind!

Nach Angaben des deutschen Innenministers Hans-Peter Friedrich leben derzeit mehr als hundert Neonazis im Untergrund. In dieser Zahl natürlich nicht enthalten sind jene ideologisierten Einzelpersonen, die als „tickende Zeitbomben“ unterwegs sind und so wie der „Breivik von Traun“ Attentate verüben und morden.

Das „Terror-Trio“ des NSU zählt nicht zur Gruppe der isolierten Einzeltäter. Die medial stark inszenierte Vorstellung von drei Menschen, die völlig abgekoppelt von der Neonaziszene, aus der sie kamen, Banken überfällt und Migranten (bzw. eine Polizistin) mordet, hielt sich zwar nur wenige Tage, lebt aber in der Bezeichnung „Trio“ hartnäckig weiter. Mittlerweile verfügt die Anklagebehörde Bundesanwaltschaft über ein dichtes Netz von Indizien über die zahlreichen „Außenkontakte“ des NSU. Dreizehn Personen werden mittlerweile als Beschuldigte geführt und daneben tauchen immer neue illegale Strukturen auf, die in einer Beziehung zum NSU standen: Blood & Honour, KuKluxKlan-Ableger und Hammerskins.

Der Journalist Patrick Gensing, der im Blog „Publikative.org“ schreibt und jahrelang einen NPD-Watchblog betrieben hat, beschäftigt sich in dem Beitrag „Waren wir alle blind?“ mit der Berichterstattung über die rechtsterroristische Gefahr und weist darauf hin, dass in dem Chor all jener, die keine Gefahr von rechts sahen, die Stimmen derer kaum gehört wurden, die sich oft schon seit Jahrzehnten mit den Neonazis gründlich beschäftigten und fundierte Hinweise auf ihr Gefahrenpotential gaben.

Als Belege dafür nennt Gensing die Arbeit von Antifa- Recherchegruppen und die Arbeiten von einzelnen Journalisten. Einer von ihnen ist Anton Maegerle, der im Jahr 2000 in einem „Spiegel“-Beitrag auf die 1998 untergetauchten „Jenaer Bombenbastler“ und das terroristische Potential der Neonazis aufmerksam machte.

Anton Maegerle hat gemeinsam mit Martin Dietzsch schon 1997 einen Beitrag über das „Thule-Netz“ verfasst, der jetzt erneut online gestellt wurde, weil er auch im Zusammenhang mit dem NSU relevant ist.

Für Österreich besitzt der Beitrag noch eine andere Relevanz: einer der Angeklagten des NS-Verbotsprozesses zu „Alpen-Donau“ war Gründer der damals einzigen „Thule“-Mailbox in Österreich. Unter dem Pseudonym „Arisk“ „lenkte er die Diskussion wiederholt auf die Briefbomben und legte nahe, sie seien von jüdischen und freimaurerischen Geheimdiensten gelegt. Trotz dieser kruden Thesen muß man ihn zu den Intellektuellen im Netz zählen. Er feierte Rostock als Volksaufstand und forderte freien Zugang zu Bomben- und Tötungsanleitungen, immer mit dem Zusatz versehen, er persönlich distanziere sich von der Gewalt. Ja, er sprach sich sogar ausdrücklich gegen die Schändung jüdischer Friedhöfe mit Hakenkreuzen aus – mit der infamen Begründung, dadurch würde ein arisches Heilssymbol entweiht.“


Bildquelle: doew.at, Zitat DÖW: „Grabschändungen am jüdischen Friedhof in Eisenstadt, begangen von zwei ehemaligen Aktivisten der FPÖ-Jugendorganisation Ring Freiheitlicher Jugend am 30./31. Oktober 1992
(© Foto Newald)“

2004 wurde er nach einem merkwürdigen Deal wegen Schändung des jüdischen Friedhofs zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt, die dann in der Berufung auf drei Jahre reduziert wurde. Jetzt ist A. Angeklagter im „Alpen-Donau“-Prozess.

Hier noch einmal die wichtigsten Links:

diss-duisburg.de – „Befreite Zone“ Thule-Netz?
publikative.org – „Waren wir alle blind?“