Neonazis: Nicht alle sind blind!

Lesezeit: 2 Minuten

Nach Anga­ben des deut­schen Innen­mi­nis­ters Hans-Peter Fried­rich leben der­zeit mehr als hun­dert Neo­na­zis im Unter­grund. In die­ser Zahl natür­lich nicht ent­hal­ten sind jene ideo­lo­gi­sier­ten Ein­zel­per­so­nen, die als „ticken­de Zeit­bom­ben“ unter­wegs sind und so wie der „Brei­vik von Traun“ Atten­ta­te ver­üben und morden.

Das „Ter­ror-Trio“ des NSU zählt nicht zur Grup­pe der iso­lier­ten Ein­zel­tä­ter. Die medi­al stark insze­nier­te Vor­stel­lung von drei Men­schen, die völ­lig abge­kop­pelt von der Neo­na­zi­sze­ne, aus der sie kamen, Ban­ken über­fällt und Migran­ten (bzw. eine Poli­zis­tin) mor­det, hielt sich zwar nur weni­ge Tage, lebt aber in der Bezeich­nung „Trio“ hart­nä­ckig wei­ter. Mitt­ler­wei­le ver­fügt die Ankla­ge­be­hör­de Bun­des­an­walt­schaft über ein dich­tes Netz von Indi­zi­en zu den zahl­rei­chen „Außen­kon­tak­ten“ des NSU. Drei­zehn Per­so­nen wer­den mitt­ler­wei­le als Beschul­dig­te geführt und dane­ben tau­chen immer neue ille­ga­le Struk­tu­ren auf, die in einer Bezie­hung zum NSU stan­den: Blood & Honour, KuKlux­Klan-Able­ger und Hammerskins.

Der Jour­na­list Patrick Gen­sing, der im Blog „Publikative.org“ schreibt und jah­re­lang einen NPD-Watch­blog betrie­ben hat, beschäf­tigt sich in dem Bei­trag „Waren wir alle blind?“ mit der Bericht­erstat­tung über die rechts­ter­ro­ris­ti­sche Gefahr und weist dar­auf hin, dass in dem Chor all jener, die kei­ne Gefahr von rechts sahen, die Stim­men derer kaum gehört wur­den, die sich oft schon seit Jahr­zehn­ten mit den Neo­na­zis gründ­lich beschäf­tig­ten und fun­dier­te Hin­wei­se auf ihr Gefah­ren­po­ten­ti­al gaben.

Als Bele­ge dafür nennt Gen­sing die Arbeit von Anti­fa-Recher­che­grup­pen und die Arbei­ten von ein­zel­nen Jour­na­lis­ten. Einer von ihnen ist Anton Mae­ger­le, der im Jahr 2000 in einem „Spiegel“-Beitrag auf die 1998 unter­ge­tauch­ten „Jena­er Bom­ben­bast­ler“ und das ter­ro­ris­ti­sche Poten­ti­al der Neo­na­zis auf­merk­sam mach­te. Anton Mae­ger­le hat gemein­sam mit Mar­tin Dietzsch schon 1997 einen Bei­trag über das „Thu­le-Netz“ ver­fasst, der jetzt erneut online gestellt wur­de, weil er auch im Zusam­men­hang mit dem NSU rele­vant ist.

Für Öster­reich besitzt der Bei­trag noch eine ande­re Rele­vanz: Einer der Ange­klag­ten des NS-Ver­bots­pro­zes­ses zu „Alpen-Donau“ war Grün­der der damals ein­zi­gen „Thule“-Mailbox in Öster­reich. Unter dem Pseud­onym „Arisk“

lenk­te er die Dis­kus­si­on wie­der­holt auf die Brief­bom­ben und leg­te nahe, sie sei­en von jüdi­schen und frei­mau­re­ri­schen Geheim­diens­ten gelegt. Trotz die­ser kru­den The­sen muß man ihn zu den Intel­lek­tu­el­len im Netz zäh­len. Er fei­er­te Ros­tock als Volks­auf­stand und for­der­te frei­en Zugang zu Bom­ben- und Tötungs­an­lei­tun­gen, immer mit dem Zusatz ver­se­hen, er per­sön­lich distan­zie­re sich von der Gewalt. Ja, er sprach sich sogar aus­drück­lich gegen die Schän­dung jüdi­scher Fried­hö­fe mit Haken­kreu­zen aus – mit der infa­men Begrün­dung, dadurch wür­de ein ari­sches Heils­sym­bol entweiht.

2004 wur­de er nach einem merk­wür­di­gen Deal wegen Schän­dung des jüdi­schen Fried­hofs zu einer Frei­heits­stra­fe von vier Jah­ren ver­ur­teilt, die dann in der Beru­fung auf drei Jah­re redu­ziert wur­de. Jetzt ist A. Ange­klag­ter im „Alpen-Donau“-Prozess.

➡️ diss-duisburg.de — „Befrei­te Zone“ Thule-Netz?