Ulrichsberg: „Ohne Zwischenfälle“, nur Nazis ?

Wie zu erwarten, führte der Auf­marsch der Ulrichs­berg­er nicht in die Mitte, son­dern wie gewohnt in den braunen Sumpf. Als Red­ner trat genau der SS-Mann auf, der zuvor von der Ulrichs­bergge­mein­schaft zurück­ge­zo­gen wurde. Deren Obmann wet­terte gegen die „Sys­temme­di­en“, und für den Ver­fas­sungss­chutz war das Ganze eine Ver­anstal­tung ohne Zwis­chen­fälle.

Spätestens nach­dem der Obmann der Ulrichs­berg­er, Her­mann Kan­dus­si, die rhetorische Frage gestellt hat: “Was soll denn Schlecht­es an der SS sein?“ (Öster­re­ich, 15.9.2012), hät­ten bei der Exeku­tive die Alar­m­glock­en läuten müssen.

„Er war ein Sol­dat wie jed­er andere“ (Kärnt­ner Tageszeitung, 14.9.2012) set­zte Kan­dus­si über den Fes­tred­ner Her­bert Belschan Milden­burg hinzu, der sich frei­willig zur Waf­fen-SS gemeldet hat­te. Es gibt also nicht nur ein Prob­lem mit dem Fes­tred­ner, der sich in den let­zten Jahren als Fre­und von Holo­caust-Leugn­ern pro­fil­iert hat, son­dern auch mit dem Obmann Kan­dus­si und seinen Aus­sagen zu SS bzw. Waf­fen-SS. Dass er noch den Nazi-Jar­gon mit den „Sys­temme­di­en“ ver­wen­det, kön­nte man ihm ‑fast! – nach­se­hen: den kön­nte er auch den Poli­tik­ern der FPÖ nachge­plap­pert haben. Seine Pro­voka­tio­nen zu SS und Waf­fen-SS entsprechen aber dem gewohn­ten Muster der Ver­harm­lo­sung und sind nach­weis­lich falsch.


„Arbeit­skreis gegen den kärnt­ner Kon­sens” (Hg.), Friede, Freude, deutsch­er Ein­topf — Rechte Mythen, NS-Ver­harm­lo­sung und antifaschis­tis­ch­er Protest, ISBN: 978385476–601‑8, Man­del­baum Verlag
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Für den Graz­er Recht­shis­torik­er Mar­tin Polaschek sind solche Aus­sagen auch strafrechtlich beden­klich: „Zu leug­nen, dass Mit­glieder der Waf­fen-SS Kriegsver­brechen began­gen haben, fällt eigentlich unter das Ver­bots­ge­setz. Die Gräueltat­en der Waf­fen-SS sind doku­men­tiert, auch bei Holo­caust-Ver­brechen“ (Kuri­er, 17.9.2012).

Rolf Hol­ub, Klubob­mann der Grü­nen im Kärnt­ner Land­tag, will die Frage der NS-Wieder­betä­ti­gung anhand solch­er Aus­sagen jet­zt über­prüfen lassen: “Diese unbelehrbaren Zausel da oben auf dem Berg machen Jahr für Jahr das Gle­iche. Die ler­nen nicht dazu“ (Kuri­er, 17.9.2012).

Auch andere Fra­gen sind noch offen und bedür­fen nach dem Auf­marsch, der zahlen­mäßig weit hin­ter den Erwartun­gen der Ver­anstal­ter geblieben ist, eben­so drin­gend ein­er Klärung: warum fördert das Land Kärn­ten mit zumin­d­est 11.000 Euro den Auf­marsch? Warum sub­ven­tion­iert die Stadt Kla­gen­furt das Vere­inslokal der Ulrichs­berg­er und gewährt außer­dem Sach­sub­ven­tio­nen in ähn­lich­er Höhe wie das Land?

Den­noch haben sich nur rund 300 Per­so­n­en am Ulrichs­berg ver­sam­melt, das ergibt allerd­ings eine ordentliche Pro-Kopf-Sub­ven­tion­squote! Der Aufruf über Face­book „Bitte zeigt eure Sol­i­dar­ität, scheint (sic!) zahlre­ich“ dürfte tat­säch­lich wörtlich ver­standen wor­den sein von den Kameraden.

Auch Neon­azis waren am Berg und am Vor­abend schon in Krumpen­dorf bei der Abend­ver­anstal­tung zuge­gen, bei der der verblich­ene Jörg Haider 1995 die alten Waf­fen-SSler als „anständi­ge Men­schen“ beze­ich­net und damit weltweit­en Protest aus­gelöst hat­te. Nach Infor­ma­tio­nen des Arbeit­skreis­es gegen den Kärnt­ner Kon­sens haben die Neon­azis eine antifaschis­tis­che Kundge­bung bedro­ht, sodass die Kundge­bung abge­brochen wer­den musste. Die Polizei zeigte sich „wed­er Wil­lens noch in der Lage (…), die angemeldete Demon­stra­tion vor den immer dro­hen­der auftre­tenden Neon­azis, die sich zur Feier der Ulrichs­bergge­mein­schaft einge­fun­den hat­ten, zu schützen“.

Keine Zwis­chen­fälle eben, nur Nazis! Und davon gibt es in Kärn­ten ja etliche!