Freistadt/Linz: Schüsse und falsche Verdächtigungen

Die Jus­tiz ist derzeit in mehreren Bun­deslän­dern mit Neon­azi-Prozessen beschäftigt. In Wien müht sie sich mit den Ini­tia­toren von Alpen­Donau ab, in Graz wurde der Prozess gegen Franz Radl und 9 weit­ere mut­maßliche Neon­azis ger­ade bis Anfang Juli vertagt, in Kla­gen­furt stand „Tyr“ aus dem Alpen-Donau-Forum vor Gericht und in Linz wird seit Dien­stag, 22.5. ein bish­er unbekan­nter Vor­fall abgehandelt.

2010 gin­gen die Has­s­wellen beson­ders hoch in Freis­tadt (OÖ). Die Bezirksstadt im Müh­lvier­tel ver­fügte zwar schon seit Jahren über ein islamis­ches Zen­trum mit Gebet­sraum, aber erst im Früh­jahr 2010 wollte man dem Zen­trum auch einen Namen geben: „Islamis­che Jugen­dor­gan­i­sa­tion Freistadt“(IJOF). Mehr hat es nicht gebraucht! Über eine Face­book-Gruppe „Islamis­che Jugen­dor­gan­i­sa­tion Freis­tadt – Nein Danke!“ wurde gegen die Beschilderung(!) und das ange­bliche Ver­hal­ten einiger Mit­glieder der IJOF mobil­isiert. Mehr als 1.000 Per­so­n­en sind der Gruppe, die vom örtlichen Ring Frei­heitlich­er Jugend inspiri­ert wurde, damals beigetreten!

Die Gruppe, die durch D. W. gegrün­det wurde, wollte zwar strikt alles Parteipoli­tis­che auf ihrer Seite löschen, hätte sich damit aber selb­st in Gefahr gebracht: “Es gibt einige Mit­glieder der IJOF, die andere — meist junge — Leute anstänkern, anrem­peln, beschimpfen, tlw. bespuck­en, Ein­rich­tun­gen der FPÖ bespuck­en, Leute ver­fol­gen und bedro­hen, usw.“, heißt es im Einleitungstext.

Für den 22. Mai 2010 war ein „Tag der offe­nen Tür“ bei der IJOF ange­sagt, aber schon im Vor­feld sind an vier Tagen einige Jugendliche vor dem Vere­ins­ge­bäude aufge­taucht , haben Nazi­parolen geschrien und den Hit­ler­gruß gezeigt. Zwei der vier Jugendlichen war das noch zu wenig. Der eine ballerte mit einem Jagdgewehr auf das Vere­ins- und Gebet­shaus, der andere mit ein­er Schreckschusspistole.

Jet­zt ste­hen die Jugendlichen als Angeklagte vor dem Geschwore­nen­gericht in Linz. Der Strafrah­men beträgt für sie bis zu fünf Jahre Haft. Der Prozess förderte auch eine weit­ere Über­raschung zutage: ein­er der schießen­den Jugendlichen war auch dafür ver­ant­wortlich, aus­gerech­net am 20. April 2010 gemein­sam mit drei Kom­plizen in einem Wohn­wa­gen­lager von campieren­den Roma eine soge­nan­nte Kugel­bombe gezün­det zu haben. Er ist dafür bere­its zu ein­er bed­ingten Haft­strafe verurteilt wor­den. Die Polizei verdächtigte laut „Kro­ne“ damals aus­gerech­net junge Roma als Täter! Kommt einem das nicht bekan­nt vor?

In Freis­tadt und Umge­bung gibt es eine recht­sex­treme Szene, die bis in den RFJ hinein­re­icht. Einige der blauen Jun­greck­en sind schon mehrmals ein­schlägig aufge­fall­en und haben auch gute Beziehun­gen zu den Reck­en der Heimat­partei (HPÖ).


HPÖ-Spitze unter sich
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Bericht zum Prozess in den OÖN.

Mehr zur HPÖ hier und hier.