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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 2 Minuten

Günther Grass und der Antisemitismus

Patrick Gen­sing, Jour­na­list und unter ande­rem Nach­rich­ten­re­dak­teur und Autor für tagesschau.de, ver­sucht auf dem Blog publikative.org eine Zwi­schen­bi­lanz zu zie­hen, aus der seit Mitt­woch (vor allem in Deutsch­land, aber auch in Öster­reich) geführ­ten Debat­te über das Gedicht „Was gesagt wer­den muss” von Gün­ter Grass.

9. Apr. 2012

Dem­nach beinhal­te das Gedicht drei Ebe­nen: eine for­ma­le, eine mili­tä­ri­sche und eine (geschichts-)politische. Die for­ma­le ist das Gedicht an sich,

dann gibt es Leu­te, die betrach­ten iso­liert ein­zel­ne Aspek­te der Ebe­ne 2: Sie fin­den es ver­ständ­li­cher­wei­se fürch­ter­lich, dass Atom­waf­fen exis­tie­ren und hof­fen auf Frie­den, wenn alle ihre Waf­fen ver­schrot­ten. Sie kön­nen nicht ver­ste­hen, war­um auf Grass ver­bal ein­ge­prü­gelt wird, weil sie die Ver­dre­hun­gen von Grass sowie Ebe­ne 3 aus­blen­den. (publikative.org, 8.4.12)


Kom­men­tar aus dem Online-Forum der Kro­ne, Bild­quel­le: lindwurm.wordpress.com

Die drit­te Ebe­ne sei die (geschichts-)politische. Dem­nach habe die älte­re Gene­ra­ti­on in Deutschland

tat­säch­lich ein dickes Tabu im Kopf, wonach sie Isra­el nicht kri­ti­sie­ren dür­fe. Nun stellt sich die Fra­ge, wer die­ses Tabu auf­er­legt habe – und da kom­men wir nicht aus den Köp­fen der älte­ren Gene­ra­ti­on her­aus: Sie haben sich die­ses Tabu selbst ver­schrie­ben. Man kann es auch schlicht und ergrei­fend schlech­tes Gewis­sen nen­nen, was da noch immer an der deut­schen See­le knabbert.

Der in die­sen Tagen oft zitier­te Aus­spruch von Zvi Rex, „Die Deut­schen wer­den den Juden nie Ausch­witz ver­zei­hen”, sei daher pas­send so Gen­sing und weiter:

Ein schlech­tes Gewis­sen sorgt für schlech­te Stim­mung, Aggres­sio­nen gegen sich selbst, die dann nach außen ver­la­gert wer­den – und Wut. Wut auf die, die an das schlech­te Gewis­sen erin­nern – und das sind nun ein­mal die Juden, bzw. der ein­zi­ge jüdi­sche Staat auf der Erde – Israel.

So kommt Patrick Gen­sing zu dem Zwi­schen­fa­zit, dass das Gedicht auf der Ebe­ne 3 inter­es­sant wird, da auf dieser

ein­drucks­voll frei­ge­legt wird, was in der deut­schen See­le immer noch vor sich geht. Und so ist Grass Gesag­tes tat­säch­lich ein Tabu­bruch, denn nun kommt eine not­wen­di­ge Debat­te in Gang, auch wenn der Autor sich das teil­wei­se sicher anders vor­ge­stellt hat­te: End­lich wird über die laten­te Isra­el­feind­schaft, die – wie vie­le Bei­trä­ge in Netz­fo­ren nun zei­gen – bis­wei­len in offe­nen Anti­se­mi­tis­mus umschlägt, diskutiert.

➡️ publikative.org (8.4.12): Grass – eine Zwischenbilanz

Siehe auch:

↳ derstandard.at — Paul Lend­vai: Juden im Visier
↳ zeit.de — Der Anti­se­mi­tis­mus will raus
↳ faz.net — Was Grass uns sagen will
↳ spiegel.de- Euro­pas Pres­se über Grass
↳ faz.net — Mar­cel Reich-Rani­cki über Gün­ter Grass: Es ist ein ekel­haf­tes Gedicht
↳ taz.de — Der an sei­ner Schuld würgt
↳ diepresse.com — Gün­ter Grass hät­te schwei­gen sollen
↳ derstandard.at — Ver­se machen Schlagzeilen
↳ taz.de — Essay zur Grass-Debat­te: Lie­ber SS-Günni…
↳ welt.de — Natür­lich darf man Isra­el hier­zu­lan­de kritisieren

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Schlagwörter: Antisemitismus | Neonazismus/Neofaschismus | Weite Welt

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