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Lesezeit: 3 Minuten

Muzicant kritisiert laschen Umgang mit Rechtsextremismus

Eine Aus­sendung des Jüdi­schen Medienforum:

24. Nov. 2011

Muzicant kritisiert laschen Umgang mit Rechtsextremismus

Erneut Kri­tik an „Kel­ler­na­zis” unter FPÖ-Funk­tio­nä­ren — Lob für Innen‑, Kri­tik an Justizministerium

Wien (APA) — Der Prä­si­dent der Israe­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de Wien (IKG), Ari­el Muzi­cant, hat ein­mal mehr den für ihn zu laschen Umgang Öster­reichs mit dem Rechts­extre­mis­mus kri­ti­siert. Vor allem die Aus­sa­gen man­cher „Kel­ler­na­zis” unter den FPÖ-Funk­tio­nä­ren wür­den mitt­ler­wei­le kaum jeman­den auf­re­gen, sag­te er am Don­ners­tag in einer Pres­se­kon­fe­renz. Wäh­rend Muzi­cant die Zusam­men­ar­beit mit dem Innen­mi­nis­te­ri­um als mus­ter­gül­tig bezeich­ne­te, sieht er Ver­säum­nis­se in der hei­mi­schen Jus­tiz bei der Ver­fol­gung Rechtsextremer.

„Die FPÖ und ihre Ver­tre­ter kön­nen tun und las­sen, was sie wol­len, es pas­siert nichts”, ärgert sich Muzi­cant. Als jüngs­tes Bei­spiel nann­te er unter ande­rem eine Aus­sa­ge des frei­heit­li­chen Gene­ral­se­kre­tärs Her­bert Kickl, der im Natio­nal­rat von „Davon­ge­lau­fe­nen”, die nun „ver­hät­schelt” wür­den, gespro­chen hat­te. Muzi­cant sieht dar­in eine kla­re anti­se­mi­ti­sche Aus­sa­ge, auch wenn Kickl sich im Nach­hin­ein auf „Schein­asy­lan­ten” bezo­gen hat­te. „Jeder, der es ver­ste­hen woll­te, hat es ver­stan­den”, so der IKG-Prä­si­dent. Wäh­rend sol­che Aus­sa­gen in Öster­reich hin­ge­nom­men wür­den, hät­te Kickl in Deutsch­land inner­halb weni­ger Sekun­den zurück­tre­ten müs­sen: „Der wäre im Müll der Geschich­te gelandet.”

Auch wenn Muzi­cant die FPÖ nicht als sol­che kri­ti­sie­ren will, sieht er den­noch auf der einen Sei­te „einen Kern von Kel­ler­na­zis”. Auf der ande­ren Sei­te wie­der­um ste­he Par­tei­chef Heinz-Chris­ti­an Stra­che, „der sich ganz unschul­dig vor die Kame­ra stellt und den Staats­mann spielt”. Da wür­de auch des­sen Rei­se nach Isra­el nichts nüt­zen: „Da glau­ben all die­se Herr­schaf­ten, dass sie einen Per­sil­schein krie­gen und plötz­lich kei­ne Kel­ler­na­zis mehr sind.” Und wei­ter: „Stra­che und Co. wür­den ohne die­sen rechts­extre­men Boden­satz nicht existieren.”

Mit­schuld an den Zustän­den sieht Muzi­cant nicht nur man­che Medi­en, für die vie­les schon hof­fä­hig und nor­mal sei: „Ich sehe sehr wohl eine Mit­schuld der Regie­rungs­par­tei­en.” Die­se wür­den sich eine Mög­lich­keit las­sen, even­tu­ell auch mit der FPÖ zu „fah­ren”. Dass die Frei­heit­li­chen demo­kra­tisch gewählt sind, ist für Muzi­cant kein ent­las­ten­der Grund. „Man ver­gisst, der Hit­ler ist zunächst auch demo­kra­tisch gewählt wor­den.” Einen dezi­dier­ten Ver­gleich Stra­ches mit die­sem will Muzi­cant aller­dings nicht ziehen.

Beim Umgang Öster­reichs mit rechts­extre­mem Ter­ror, mit dem etwa Deutsch­land zur Zeit zu kämp­fen hat, sieht Muzi­cant schon weni­ger schwarz. „Wir haben nicht den gan­zen Zir­kus, weil wir ein ordent­li­ches Ver­bots­ge­setz haben.” Die Zusam­men­ar­beit mit der Poli­zei klap­pe her­vor­ra­gend, Kri­tik gab es aller­dings an der Jus­tiz. Eine Anzei­ge gegen die vom Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv des Öster­rei­chi­schen Wider­stan­des (DÖW) als rechts­extrem ein­ge­stuf­te Zeit­schrift „Aula” lie­ge seit einem Jahr bei der Staats­an­walt­schaft. Hier müs­se es ein poli­ti­sches Inter­es­se geben, dass etwas pas­siert, ein Gespräch mit Jus­tiz­mi­nis­te­rin Bea­trix Karl (V) strebt die IKG an.

Eine wei­te­re, jün­ge­re Anzei­ge der IKG rich­tet sich gegen eine Web­site mit dem Namen „stolz und frei”. Die­se soll — wie die berüch­tig­te Neo­na­zi-Sei­te alpen-donau.info — natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Inhal­te transportieren.

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