Martin Graf auf antisemitischen Spuren. Wo war Martin Graf?

Martin Graf war Ende Oktober in Südamerika. Eine OTS-Aussendung gibt Auskunft, dass er bei seinem Aufenthalt in Paraguay auch die Siedlung San Bernardino besuchte: „eine Gründung der Schwester des Philosophen Friedrich Nietzsche“.

Was so unproblematisch klingt, ist etwas komplizierter. Wohl gibt es eine Siedlung San Bernardino, aber die wurde nicht von Nietzsches Schwester Elisabeth gegründet, sondern von Jakob Schaerer im Jahr 1881 und hieß damals Nueva Baviera (Neubayern). An diesem Ort ist Bernhard Förster, der Gatte von Elisabeth Förster (Nietzsche) begraben, nachdem er dort Selbstmord begangen hat.


Nueva Germania

Bernhard Förster und seine Frau Elisabeth (Nietzsche) haben eine andere Siedlung gegründet: Nueva Germania (Neugermanien). Mit dieser Kolonie-Gründung sollte ein rassisch reines neues Germanien aufgebaut werden. Das Projekt scheiterte sehr rasch – Förster beging in San Bernardino Selbstmord. Bernhard Förster war ein rabiater Antisemit und Deutschnationaler.

Friedrich Nietzsche hatte übrigens für den Kolonialismus und Rassismus seines Schwagers nichts übrig.


Angeblich fand auch Josef Mengele mehrere Jahre lang Zuflucht in Nueva Germania, im Bild: Josef Mengele, Richard Baer (letzter Kommandant in Auschwitz), Karl Hoecker, und Walter Schmidetski

Martin Graf ist ein deutschnationaler Burschenschafter – auf der Suche wonach?

Wo war Martin Graf also wirklich? War Graf in San Bernardino, dann kann er dort höchstens am Grab von Bernhard Förster getrauert haben (Elisabeth Förster-Nietzsche hat mit dieser Siedlung nichts zu tun). Am Grab des gescheiterten Germanen und Antisemiten? Warum erwähnt er Elisabeth Förster-Nietzsche?

War er aber in Nueva Germania, wo Bernhard und Elisabeth Förster tatsächlich die Siedlung gegründet haben, ja, dann stellen sich andere Fragen – etwa: Warum fährt der Dritte Präsident nach Neugermanien und warum gibt er nicht den wirklichen Namen der Siedlung an?