Strache, die FPÖ und Israel: Kotau und Kotzen

Drei Tage bereiste HC Stra­che mit Entourage Israel, besuchte israelis­che Siedler („Unser Herz ist mit euch”), das Par­la­ment Knes­set und in der Haupt­sache einen „Anti-Ter­ror”- Kongress, der sich gegen den islamis­chen Fun­da­men­tal­is­mus richtete. Die Reise – so der „Krone“-Journalist und Mitreisende Claus Pan­di – trug „bizarre Züge”.

Das find­en auch die Alpen-Nazis von Alpen-Donau, die in höch­stem Maße erregt sind und um eine Erk­lärung rin­gen: „Eine Sys­tem­partei wie die FPÖ kommt da um einen Kotau natür­lich nicht herum. Aber ganz so bil­lig muß man es auch nicht geben.”

Auch inner­halb der FPÖ wird gemur­rt über Stra­ches Reise. Auf Face­book teilt ein FPÖ-Funk­tionär dem anderen mit: „Also wenn einem da nicht das kotzen kommt!”

Dabei wis­sen die alten Kam­er­aden in der FPÖ und bei Alpen-Donau natür­lich, dass es Haider genau­so gehal­ten hat wie sein Klon Stra­che. 1996 wurde Peter Sichrovsky auf Vorschlag Haiders für die FPÖ in das Europäis­che Par­la­ment als Abge­ord­neter nominiert, später sog­ar zum Gen­er­alsekretär der FPÖ befördert. Sichrovsky sollte als Jude ein­er­seits gute Stim­mung für die Haider-FPÖ machen, ander­er­seits die FPÖ-kri­tis­chen jüdis­chen Gemein­den in Öster­re­ich und der BRD aufmis­chen und abblock­en. In der BRD grün­dete Sichrovsky 1999 den „Bund Geset­zestreuer Jüdis­ch­er Gemein­den”, der dem „Zen­tral­rat der Juden in Deutsch­land” die Legit­i­ma­tion absprechen wollte. In Öster­re­ich wurde der selb­ster­nan­nte Oberrab­bin­er Moishe Ariel Fried­man als Bünd­nis­part­ner und Kro­nzeuge gegen die Israelitis­che Kul­tus­ge­meinde aktiviert. Fried­man, der prak­tis­cher­weise auch dem HC und dessen run­derneuert­er FPÖ zur Ver­fü­gung ste­ht (z.B. in par­la­men­tarischen Anfra­gen der FPÖ), war auch Teil­nehmer der anti­semi­tis­chen Holo­caust-Kon­ferenz in Teheran 2006, bei der er nach eigen­er Darstel­lung etliche Male den iranis­chen Staat­spräsi­den­ten Ahmadine­jad küssen durfte.


FPÖ het­zt gegen ange­blichen Beitritt Israels. Quelle: think­out­sidey­our­box — „Das Anti-Israel Plakat der FPÖ”

Im Vor­feld der Regierungs­beteili­gung der FPÖ im Jahr 2000 bemühte sich Haider — mit Sichrovskys Hil­fe — sehr um ein pos­i­tives, nicht recht­sex­tremes Image der FPÖ, arrang­ierte nach dem Wahler­folg 1999 ein Tre­f­fen mit kon­ser­v­a­tiv­en jüdis­chen Gemein­de­v­ertretern in New York und erk­lärte im israelis­chen Fernse­hen „Ich bin ein Demokrat”. Das hin­derte ihn aber nicht daran, den Vor­na­men des Präsi­den­ten der Kul­tus­ge­meinde, Ariel (Muzikant), für einen prim­i­tiv­en anti­semi­tis­chen Kalauer im Jahr 2001 zu nutzen. 2002 beschuldigte ihn sein Ziehsohn Sichrovsky ein­er „krassen Form des Anti­semitismus” — das Ende der Sichrovsky-Ära in der FPÖ. Wie die Stim­mung in frei­heitlichen Kreisen tat­säch­lich ist, zeigen die zahlre­ichen Ver­schwörungs­the­o­rien nach Haiders Alko-Tod, in denen vor­rangig der israelis­che Geheim­di­enst Mossad, Peter Sichrovsky bzw. irgendwelche Logen als Mörder aus­gemacht werden.

Stra­che bewegt sich in Haiders Kiel­wass­er. Das zeigt auch seine Beru­fung auf den „Patri­oten und Burschen­schafter Theodor Her­zl”, mit dem er viele Gemein­samkeit­en sehen will. Dass Her­zl die Burschen­schaft Albia in Wien 1883 wegen ihres Anti­semitismus und des „Ari­er­para­graphen” (den die Deutschen Burschen­schaften in Öster­re­ich auch nach 1945 noch vertei­digt haben!) ver­lassen hat­te, spielt da keine Rolle.

Den Auf­putz für seine Israel-Reise wollte sich Stra­che durch die Teil­nahme von Philip Dewin­ter (Vlaams Belang-NL), Rene Stadtke­witz („Die Freiheit”-BRD) und Kent Ekeroth („Schwe­den Demokrat­en”) bzw. Patrik Brinkmann (schwedis­ch­er Mil­lionär und Recht­sex­trem­ist, Besuch­er des Burschi-Balls in der Wiener Hof­burg) sichern.

Brinkmann, in der recht­sex­tremen Szene Deutsch­lands bekan­nt und umstrit­ten, ste­ht symp­to­ma­tisch auch für das Spek­trum und die Band­bre­ite der FPÖ: zuerst Förder­er der NPD, dann der DVU des Ger­hard Frey, sodann der „Pro”-Bewegungen in Deutsch­land, die auch immer wieder von FPÖ-Funk­tionären unter­stützt wur­den (Vil­im­sky, Neubauer usw.) , hat er zulet­zt auch der dahin­siechen­den „Pro”-Bewegung abgeschworen und fordert einen anti­is­lamis­chen Kurs ohne Anti­semitismus ein.

Das ist das Dilem­ma des HC Stra­che: selb­st wenn er dem Anti­semitismus dreimal abschwören würde, wird das bei der derzeit­i­gen Ver­fas­sung der FPÖ und ihrer Funk­tionäre nicht gelingen.

Mit dem Anti-Islamis­mus als neuer ide­ol­o­gis­chen Klam­mer des Recht­sex­trem­is­mus lassen sich zwar da und dort Erfolge ein­fahren, doch spätestens bei der Bew­er­tung des iranis­chen Mul­lah-Regimes bzw. von Präsi­dent Ahmadine­jad ist dann wieder Sende­pause. Und so hat Stra­che zwar vielle­icht neue Fre­unde bei recht­sex­tremen Siedlern und den Ultra-Ortho­dox­en in Israel gefun­den, aber noch keine Lin­ie. Und aus der Geschichte der Haider-FPÖ wis­sen wir, dass mor­gen schon wieder alles anders sein kann….