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Lesezeit: 5 Minuten

Andreas Jurca, AfD-Experte für Gewalt und Vergewaltigung?

AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter Andre­as Jur­ca macht Gewalt gegen Frau­en zum Kam­pagn­en­the­ma gegen Geflüch­te­te – und beschäf­tigt seit 2023 einen ver­ur­teil­ten Ver­ge­wal­ti­ger. Dazu kom­men ein zyni­scher Pod­cast, eige­ne Gewalt­vor­wür­fe und ein Aus­flug zur FPÖ in die Steiermark.

26. Mai 2026
Andreas Jurca im Video-Podcast zu und mit seinem wegen Vergewaltigung verurteilten Mitarbeiter (Screenshot YT 2.4.26)
Andreas Jurca im Video-Podcast zu und mit seinem wegen Vergewaltigung verurteilten Mitarbeiter (Screenshot YT 2.4.26)

Andre­as Jur­ca (38) ist nicht unbe­dingt der typi­sche AfD-Poli­ti­ker. Oder doch? 2023 wur­de er in den Land­tag von Bay­ern gewählt. Für Jur­ca ist Gewalt, vor allem die Ver­ge­wal­ti­gung von Frau­en, ein wich­ti­ges The­ma – wenn er damit gegen Geflüch­te­te Stim­mung machen kann. Jetzt wur­de bekannt, dass Jur­ca einen ver­ur­teil­ten Ver­ge­wal­ti­ger als Mit­ar­bei­ter beschäf­tigt – seit 2023. Des­we­gen macht Jur­ca Stim­mung für sei­nen Mit­ar­bei­ter und ver­harm­lost des­sen Straf­tat – und sei­ne eigene.

Von wo soll man die Geschich­te des Andre­as Jur­ca erzäh­len? Begin­nen wir mit 2023. Jur­ca kan­di­diert auf der AfD-Lis­te für den baye­ri­schen Land­tag. Seit 2014 ist er in der Par­tei aktiv, hat 2020 in Augs­burg sogar für die Ober­bür­ger­meis­ter­wahl kan­di­diert, mit 4,8 % der Stim­men aber ziem­lich mau abge­schnit­ten. Drei Jah­re spä­ter erhält er als Direkt­kan­di­dat im Wahl­kreis Augs­burg-Ost aber schon 15,4 % der Stim­men und zieht im Okto­ber 23 über die Lan­des­lis­te in den Land­tag ein. Wie das?

Andreas Jurca mit „Veilchen“

Gehol­fen haben ihm dabei ver­mut­lich die Fotos, die Mit­te August 2023 in vie­len Medi­en erschie­nen sind. Sie zei­gen ihn mit zuge­schwol­le­nen Augen, rie­si­gen „Veil­chen“, die er erhal­ten haben will, weil ihm eine Per­son ansatz­los Schlä­ge ins Gesicht ver­passt habe. Jur­ca will dar­auf­hin das Bewusst­sein ver­lo­ren, aber vor­her noch den Ruf „Scheiß Nazi“ gehört haben. Für Jur­ca und die AfD war damit alles klar. Gro­ße Öffent­lich­keit und Empa­thie für den ver­prü­gel­ten AfD-Kan­di­da­ten. Nach einem hal­ben Jahr wur­den die Ermitt­lun­gen gegen zwei der tat­ver­däch­ti­gen Per­so­nen ein­ge­stellt, weil es kei­ner­lei objek­ti­ve Indi­zi­en gegen sie gab. Nach der Aus­wer­tung von Chats und eines Vide­os aus der Tat­nacht hat­ten die poli­zei­li­chen Ermitt­ler jeden­falls erheb­li­che Zwei­fel an der Tat­dar­stel­lung von Jurca.

Jurcas Mitarbeiter ein Vergewaltiger

Wie die „Augs­bur­ger All­ge­mei­ne“ (2.4.2026) vor eini­gen Wochen ent­hüll­te, beschäf­tigt Jur­ca seit 2023 einen Mit­ar­bei­ter, der kurz zuvor wegen der zwei­ma­li­gen Ver­ge­wal­ti­gung sei­ner dama­li­gen Freun­din zu einer zwei­jäh­ri­gen Bewäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt wor­den ist. Der Mit­ar­bei­ter Phil­ip P. leg­te vor Gericht ein Geständ­nis ab und zahl­te der Frau ein Schmer­zens­geld von 5.000 Euro. Die Bewäh­rungs­zeit ist mitt­ler­wei­le abge­lau­fen, die öffent­li­che Debat­te hat erst begonnen.

Der Podcast mit Täter-Opfer-Umkehr

Als Jur­ca und sein Mit­ar­bei­ter von den Recher­chen der „Augs­bur­ger All­ge­mei­nen“ erfuh­ren, pro­du­zier­ten sie Ende März 26 einen Video-Pod­cast, um der bevor­ste­hen­den Bericht­erstat­tung „offen­siv“ zu begeg­nen. „Offen­siv“, das war die zyni­sche Ver­harm­lo­sung einer ein­ge­stan­de­nen zwei­ma­li­gen Ver­ge­wal­ti­gung zu einer „Bezie­hungs­tat“, zu „Unge­reimt­hei­ten“ und zur Behaup­tung von Phil­ip P.: „Sie hat sel­ber gesagt, es war ganz o.k.“ und der dar­auf­fol­gen­den Bestä­ti­gung durch Jur­ca: „Also, sie woll­te das.“

Die Befun­de der Rechts­me­di­zin hät­ten gegen eine Ver­ge­wal­ti­gung gespro­chen. Die Kratz­spu­ren auf sei­nem Rücken („Spricht halt wie­der doch für mich“) lös­ten bei den Pod­cas­tern Geläch­ter aus. Über die gericht­li­che Ver­ur­tei­lung urteil­te Jur­ca schließ­lich: „In west­li­chen Län­dern ist oft der Mann im Nach­teil.“ Jur­cas Con­clu­sio gegen­über der „Augs­bur­ger All­ge­mei­nen“: „Der Mann ist kein Ver­ge­wal­ti­ger“, und die Ver­ur­tei­lung sei­nes Mit­ar­bei­ters sei ein „Rie­sen-Jus­tiz­irr­tum“ gewe­sen. An sei­nem Mit­ar­bei­ter hält Jur­ca wei­ter­hin fest.

Die ver­ge­wal­tig­te Frau reagiert auf den zyni­schen Pod­cast mit einer Anzei­ge wegen Ver­leum­dung gegen Jur­ca und sei­nen Mit­ar­bei­ter, ihre Anwäl­tin spricht von einer „wider­li­chen Täter-Opfer-Umkehr“. Was Jur­ca und sein Mit­ar­bei­ter aller­dings nicht erwähnen:

Die Ermitt­ler hat­ten nach Infor­ma­tio­nen unse­rer Redak­ti­on auch Chat-Nach­rich­ten gesi­chert, die der Mann dem Opfer direkt nach der Tat geschrie­ben hat­te. Er schrieb der Frau unter ande­rem, er habe danach „gemerkt, dass du noch geschla­fen hast und ich mie­se Schei­ße gebaut hab“. Er bit­te um Ent­schul­di­gung. Sei­ne Lust sei „über­greif­lich“ gewor­den; er habe „kei­ne Kon­trol­le“ über sich gehabt. Er wol­le über sei­ne Feh­ler nach­den­ken. (augsburger-allgemeine.de, 20.5.26)

Jurca mit Gewalt gegen Frauen

Die „Augs­bur­ger All­ge­mei­ne“ setz­te mit einer wei­te­ren Ent­hül­lung am 20.5.26 nach. „Nach gesi­cher­ten Infor­ma­tio­nen“ habe Jur­ca selbst im Jahr 2018 zwei Frau­en in einer Dis­co mit fla­cher Hand ins Gesicht geschla­gen und dafür nach einer Anzei­ge einen Straf­be­fehl in der Höhe von 60 Tag­sät­zen zu 15 Euro erhal­ten. Der Straf­be­fehl ist ein Spe­zi­fi­kum der deut­schen Jus­tiz, eine Stra­fe, die das Gericht auf Antrag der Staats­an­walt­schaft ohne Ver­hand­lung ver­hän­gen kann. Man gilt damit nicht als vor­be­straft. Jur­ca erhob kei­nen Ein­spruch und zahl­te, bestrei­tet jetzt jedoch gegen­über der „Augs­bur­ger All­ge­mei­nen“ eine Ver­ur­tei­lung. Das sei „abso­lu­ter Quatsch“ und ein Ver­such, ihn zu diffamieren.

Die baye­ri­sche AfD-Spit­ze, die sich zu dem Pod­cast und der Beschäf­ti­gung des ver­ur­teil­ten Mit­ar­bei­ters bis­lang nicht geäu­ßert hat, geht wegen der Gewalt gegen Frau­en zum ers­ten Mal ver­bal auf Distanz zu Jur­ca – Kon­se­quen­zen müs­sen aber auch jetzt weder er noch sein Mit­ar­bei­ter befürchten.

Der Nachschlag: Mit der FPÖ unterwegs

Die Lage für Jur­ca könn­te sich aus ande­ren Grün­den ver­schlech­tern. Es gibt näm­lich nicht nur die Anzei­ge wegen Ver­leum­dung, son­dern auch eine wegen des Ver­dachts auf Betrug und Untreue, die gegen ihn und den AfD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Schei­rich schon im Vor­jahr ein­ge­bracht wur­de. Jetzt ermit­telt die Staats­an­walt­schaft – auch gegen wei­te­re Per­so­nen wegen des Ver­dachts, öffent­li­che Gel­der zweck­ent­frem­det zu haben.

Ob die­se gemein­sa­me Betrof­fen­heit der Anlass für die AfD-Frak­ti­on im baye­ri­schen Land­tag war, sich im Okto­ber 2025 mit den Kamerad:innen des stei­ri­schen Land­tags – FPÖ samt Bei­wa­gerl Gerald Grosz aus­zu­tau­schen, wis­sen wir nicht. Der Titel des gemein­sa­men Tref­fens war jeden­falls viel­ver­spre­chend: „Mit der FPÖ unter­wegs – Geschich­te, Archi­tek­tur & Poli­tik haut­nah erlebt!“ Es gilt auch in die­sem Fall die Unschuldsvermutung!

AfD-Landtagsfraktion im steirischen Landhaus: "Mit der FPÖ unterwegs – Geschichte, Architektur & Politik hautnah erlebt!" – Rechts im blauen Sakko: Andreas Jurca (Screenshot Insta 17.10.25)
AfD-Land­tags­frak­ti­on im stei­ri­schen Land­haus: „Mit der FPÖ unter­wegs – Geschich­te, Archi­tek­tur & Poli­tik haut­nah erlebt!” – Rechts im blau­en Sak­ko: Andre­as Jur­ca (Screen­shot Ins­ta 17.10.25)

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