Welche Vorstellungen haben Rechtsextreme und Neonazis von Partnerschaft? Auf dem rassistischen Datingportal „WhiteDate“ kann man ihren feuchten Träumen etwas näherkommen. Die transnationale braune Kontaktbörse existiert seit 2017. Durch einen Leak kamen vor wenigen Wochen die aktuell (Stand 8.10.25) rund 8.000 Profile von Kontaktsuchenden aus 88 Ländern an die Öffentlichkeit. Darunter auch eine beachtliche Zahl von Österreicher*innen.
Karte: Für mehr Infos auf Marker klicken! Daten entnommen aus okstupid.lol.
Für Deutschland hat die „Zeit“ (8.10.25) die Daten ausgewertet, für die Schweiz war es die WOZ (9.10.25). Anfang Oktober 2025 waren demnach 684 Personen aus Deutschland auf rassistischer Partner*innensuche, 39 gaben die Schweiz an. In Österreich warten 42 Personen, davon 38 Männer, teilweise schon seit Jahren darauf, die richtige rechte Partnerin zu finden.
Durchgängig findet sich der Wunsch nach Kindern – erwartbar in einer Szene, die das baldige Aussterben der „Weißen“ herbeifantasiert. Aber während der Kinderwunsch von den wenigen Frauen in der Runde eher verhalten formuliert wird, sind die männlichen Rassisten und Rechtsextremen sehr bestimmend: vier und mehr Kinder werden häufig angepeilt. Helmut aus Wilhelmsburg etwa hält derzeit bei drei Kindern, will aber noch vier weitere. „Traditionell“ will er leben – da weiß man(n), wo die Frau ihren Platz hat.

„WhiteDate“ formuliert im Vergleich zu früheren ähnlichen Datingportalen unverfrorener und offener den Anspruch, dass „Rasse“ und Fortpflanzung die ausgrenzenden Leitelemente für die Aufnahme in die Kontaktbörse sind. Schwule und lesbische Menschen, von anderen Varianten der Sexualität ganz zu schweigen, werden bei „WhiteDate“ bewusst ausgegrenzt – da können sie noch so weiß sein.
Von der Tierzucht zur Züchtung einer weißen Menschenrasse
In einer Stellungnahme der Gründerin und Eigentümerin von „WhiteDate“ (die sich Liv Heide nennt, aber real Christine H., ehemals Christiane S. heißt) zum „Zeit“-Artikel wird nicht lange herumgeredet:
„White Genocide“, bzw. „Weißer Völkermord“, ist in den USA ein geflügelter Ausdruck geworden, der den (gefühlt politisch gewollten) demographischen Rückgang der Weißen beschreiben soll, welche ab ca. 2040 bei gleichbleibenden Bedingungen in den USA in der Minderheit sein werden. Wenn man davon ausgeht, daß in 1900 ca. 20% der Weltbevölkerung europid, also weiß, war und es heute nur noch ca. 6%-8% sind, muß man kein Mathematiker sein, um das Aussterben dieser Gruppe innerhalb der nächsten 200–400 Jahre zu prognostizieren. Weiße bilden eine weltweite Minderheit, und es gibt weder eine politische Partei oder Regierungsabteilung noch irgendeine private Institution, welche die demographischen Interessen von europiden Menschen vertritt. Sich allein als zugehörig zur weltweiten weißen Rasse zu erklären, wird schon in die extreme Naziecke gestellt.
Wen wundert das bei den folgenden Sätzen?
Jeder Tierzüchter weiß, daß Züchtung, also rassische In-Gruppen-Präferenz, fundamental wichtig ist, um eine Nachkommenschaft mit gewünschten körperlichen und charakterlichen Eigenschaften in die Welt zu setzen. Das ist übrigens pure Eugenik, ein Prinzip welches die Menschen mehr oder weniger unbewusst auch jedes Mal verfolgen, wenn sie einen romantischen Partner auswählen.
Es ist anzunehmen, dass allen österreichischen Kontaktsuchenden, die auf „WhiteDate“ ihre Partner*innen zur Fortpflanzung der weißen Rasse suchen, klar ist, in welcher braunen Kloake sie sich herumtreiben.

Wer ist Christiane H.?
Über Christiane H. alias „Liv Heide“ schreibt die „Zeit“: „Die 57-Jährige wähnte sich 2022 in einem YouTube-Interview mit einem Neonazi im „Rassenkrieg” und hält Kontakte in die Neonazi- und Holocaustleugnerszene – und zur völkischen Sekte der Ludendorffer.“
Früher war H. mit einem französischen Juden verheiratet. Ihr Ex-Mann beschrieb sie als konservative Partnerin mit traditionellen Rollenvorstellungen. Zum Bruch kam es, nachdem sie vom „großen Austausch“ fantasiert und ihre Vorstellungen auch dem Freundeskreis präsentiert hatte, schreibt die WOZ. Christiane H. sieht diese Zeit nachträglich anders: „Als ich noch verheiratet war, war ich alles andere als aufgewacht. Ich dachte, Juden seien Europäer.“ Dann sei sie auf entsprechende Videos gestossen, und ihr sei klar geworden: „Wir Weisse sind ja schon fast weg vom Fenster.“ (WOZ)
„WhiteDeal“ gilt nicht für Christiane H.
Wenn’s ums Geld geht, ist Christiane H. nicht ganz so prinzipienfest. Neben der Adoptionsplattform „WhiteChild“ für weiße Kinder und Samenspender betreibt sie auch noch „WhiteDeal“. Auf dieser Plattform werden weiße Freiberufler und weiße Unternehmen vermittelt und beworben.
Das gilt für Christiane H. nicht: Ihre Websites werden „aus Budgetgründen“ von Indern programmiert, für die Buchhaltung beschäftigte sie nach eigenen Angaben „früher mal einen Buchhalter in Madagaskar. Einer unserer Server wird ausschließlich von Arabern gemanagt.“
„WhiteDate“ fast ohne Frauen
Das augenscheinlichste Problem von „WhiteDate“: Der Zweck der rechtsextremen Kontaktbörse, die Fortpflanzung der Weißen zu sichern, funktioniert ohne Frauen schlecht. Frauen tummeln sich auf „WhiteDate“ jedoch kaum herum. In Österreich buhlen 38 rechtsextreme Männer um vier rechtsextreme Frauen.

Das Portal und die Männer könnten sich natürlich fragen, ob das an ihren rigiden und dürftigen Vorstellungen von „traditioneller“ Partnerschaft liegt. Oder an ihren Präsentationen, die so – mit geringfügigen Änderungen – auch im „Völkischen Beobachter“ als Kampfaufrufe hätten erscheinen können. Der User mit dem Nickname „Graz“ tönt etwa:
Die weisse Welt befindet sich seit den europäischen Bruderkriegen in einer permanenten Rückwärtsbewegung. Gewissenlose, internationale Subjekte propagieren (medien)öffentlich, wonach es das erstrebenswerteste wäre in einer gemischtrassigen Beziehung zu leben. Schokobabys und andere Verniedlichungen von Produkten zwischen Großrassen finden Einzug in den Diskurs und gelten als cool und zeitgemäß. Diesen Wahnsinn zu stoppen ist unsere Pflicht. Europa bleibt weiß.
Ein zweiter Grazer bei „WhiteDate“ ist Martin_83. Imker Martin von der Uni Graz sucht aktuell eine nationalistische Frau mit germanischen Wurzeln. „Belltower“, das bereits 2021 über die rassistische Datingplattform berichtete, zitiert den Imker, dass er eine „nationalsozialistische Frau mit germanischen Wurzeln sucht und mindestens vier Kinder will“ suche.

Unverhohlene Neonazis auf „WhiteDate“
Hat sich „Belltower“ verschrieben, oder hat Martin_83 seine Präsentation leicht modifiziert? Größere Unterschiede sind nicht zu erkennen, denn auch jetzt will Martin_83 mehr als vier Kinder und beschreibt sich so:
[U]nd ich verabscheue es, wenn Weiße sich mit Schwarzen oder Menschen anderer Rassen vermischen. Es ist höchste Zeit, Gegenstrategien zu entwickeln, wie beispielsweise diese hervorragende Dating-Plattform, und sich auf eine Zeit (die bevorstehende Wirtschaftskrise und ihre Folgen) vorzubereiten, in der wir einige der negativen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte rückgängig machen können.
Wenig verwunderlich ist, dass Martin_83, der passenderweise die Züchtung von reinrassigen Bienen propagiert, auch bei der FPÖ Graz-Puntigam und den Identitären in der Südoststeiermark aufgetreten ist, wie Stoppt die Rechten recherchiert hat.
Ein anderer Neonazi (72) aus Wien – er nennt sich „doomer“ – will, dass seine zukünftige Partnerin seinen fünf Kindern „Mein Kampf“ vorliest. Weitere Kinder will er auch noch zeugen. Das gilt auch für Stbf (22) aus Salzburg. Er, der ebenfalls mehr als vier Kinder zeugen will, gibt als politische Überzeugung „Nationalsozialismus“ an. Das ist insofern überraschend, weil das klare Bekenntnis zum Nationalsozialismus den Verdacht auf ein Verbrechen nach § 3g Verbotsgesetz begründet.
Noch ein deklarierter Nazi aus Salzburg tummelt sich im Forum von „WhiteDate“: Wolf (27), der sich so präsentiert: „Treue zu Familie, Volk und Vaterland, Geradlienigkeit (sic!), Ehrlichkeit, Rassenbewusstsein, Brauchtum und Traditionen, Ahnenehre, Germanentum, Heimatliebe, furchtlos“ Seine politische Orientierung: „Pro-White, Alt-Right, Traditionalism, Volkism, National Socialism“
Propagandaplattform für Neonazis?
Vermutlich sind nicht alle Kontaktsuchenden Neonazis. Einige sind „nur“ Rechtsextreme oder Rassist*innen. So blöd, sich auf eine ganz offensichtlich rassistische Plattform verirrt zu haben, ist aber niemand, oder? Wie aber ist eine Plattform zu beurteilen, die Raum für Personen bietet, die sich selbst als Nazis bezeichnen? Auch dazu wird ein österreichisches Gericht hoffentlich eine klare Antwort finden. Anzeigen nach dem NS-Verbotsgesetz sind jedenfalls unterwegs.
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