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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

„WhiteDate“: Braune Besamungsbörse?

Ein Leak legt „White­Da­te“ offen: 8.000 User*innen einer ras­sis­ti­schen Dating-Platt­form. Män­ner mit Zeu­gungs­wahn, Frau­en­man­gel, Euge­nik – eine Sze­ne, die Part­ner­schaft zur „Züch­tung“ macht und den wei­ßen Unter­gang beschwört. 42 sind aus Öster­reich, dar­un­ter offe­ne Neonazis.

5. Nov. 2025
WhiteDate: österreichische Accounts (© SdR)
WhiteDate: österreichische Accounts (© SdR)

Wel­che Vor­stel­lun­gen haben Rechts­extre­me und Neo­na­zis von Part­ner­schaft? Auf dem ras­sis­ti­schen Dating­por­tal „White­Da­te“ kann man ihren feuch­ten Träu­men etwas näher­kom­men. Die trans­na­tio­na­le brau­ne Kon­takt­bör­se exis­tiert seit 2017. Durch einen Leak kamen vor weni­gen Wochen die aktu­ell (Stand 8.10.25) rund 8.000 Pro­fi­le von Kon­takt­su­chen­den aus 88 Län­dern an die Öffent­lich­keit. Dar­un­ter auch eine beacht­li­che Zahl von Österreicher*innen.

Kar­te: Für mehr Infos auf Mar­ker kli­cken! Daten ent­nom­men aus okstupid.lol.

Für Deutsch­land hat die „Zeit“ (8.10.25) die Daten aus­ge­wer­tet, für die Schweiz war es die WOZ (9.10.25). Anfang Okto­ber 2025 waren dem­nach 684 Per­so­nen aus Deutsch­land auf ras­sis­ti­scher Partner*innensuche, 39 gaben die Schweiz an. In Öster­reich war­ten 42 Per­so­nen, davon 38 Män­ner, teil­wei­se schon seit Jah­ren dar­auf, die rich­ti­ge rech­te Part­ne­rin zu finden.

Durch­gän­gig fin­det sich der Wunsch nach Kin­dern – erwart­bar in einer Sze­ne, die das bal­di­ge Aus­ster­ben der „Wei­ßen“ her­bei­fan­ta­siert. Aber wäh­rend der Kin­der­wunsch von den weni­gen Frau­en in der Run­de eher ver­hal­ten for­mu­liert wird, sind die männ­li­chen Ras­sis­ten und Rechts­extre­men sehr bestim­mend: vier und mehr Kin­der wer­den häu­fig ange­peilt. Hel­mut aus Wil­helms­burg etwa hält der­zeit bei drei Kin­dern, will aber noch vier wei­te­re. „Tra­di­tio­nell“ will er leben – da weiß man(n), wo die Frau ihren Platz hat.

Auch schon frü­her kur­sier­ten Kon­takt­bör­sen für Neo­na­zis und ande­re Rechts­extre­me im Netz. „Odins Kon­takt­an­zei­gen“ war eine für den „deut­schen“ Raum. Oder „MA-Flirt“, das zu sei­nen bes­ten Zei­ten an die 600 Mit­glie­der zähl­te – bis 2009 ein Hack alle Kon­takt­da­ten offen­leg­te und das Ende besie­gel­te. Bei „White­Da­te“ hat nun Mar­tha Root dafür gesorgt, dass die User*innen-Daten öffent­lich wurden.
"Odin Kontaktanzeigen" "von Patrioten für Patrioten"
„Odin Kon­takt­an­zei­gen” „von Patrio­ten für Patrioten”

„White­Da­te“ for­mu­liert im Ver­gleich zu frü­he­ren ähn­li­chen Dating­por­ta­len unver­fro­re­ner und offe­ner den Anspruch, dass „Ras­se“ und Fort­pflan­zung die aus­gren­zen­den Leit­ele­men­te für die Auf­nah­me in die Kon­takt­bör­se sind. Schwu­le und les­bi­sche Men­schen, von ande­ren Vari­an­ten der Sexua­li­tät ganz zu schwei­gen, wer­den bei „White­Da­te“ bewusst aus­ge­grenzt – da kön­nen sie noch so weiß sein.

Von der Tierzucht zur Züchtung einer weißen Menschenrasse

In einer Stel­lung­nah­me der Grün­de­rin und Eigen­tü­me­rin von „White­Da­te“ (die sich Liv Hei­de nennt, aber real Chris­ti­ne H., ehe­mals Chris­tia­ne S. heißt) zum „Zeit“-Artikel wird nicht lan­ge herumgeredet:

„White Geno­ci­de“, bzw. „Wei­ßer Völ­ker­mord“, ist in den USA ein geflü­gel­ter Aus­druck gewor­den, der den (gefühlt poli­tisch gewoll­ten) demo­gra­phi­schen Rück­gang der Wei­ßen beschrei­ben soll, wel­che ab ca. 2040 bei gleich­blei­ben­den Bedin­gun­gen in den USA in der Min­der­heit sein wer­den. Wenn man davon aus­geht, daß in 1900 ca. 20% der Welt­be­völ­ke­rung euro­p­id, also weiß, war und es heu­te nur noch ca. 6%-8% sind, muß man kein Mathe­ma­ti­ker sein, um das Aus­ster­ben die­ser Grup­pe inner­halb der nächs­ten 200–400 Jah­re zu pro­gnos­ti­zie­ren. Wei­ße bil­den eine welt­wei­te Min­der­heit, und es gibt weder eine poli­ti­sche Par­tei oder Regie­rungs­ab­tei­lung noch irgend­ei­ne pri­va­te Insti­tu­ti­on, wel­che die demo­gra­phi­schen Inter­es­sen von euro­p­i­den Men­schen ver­tritt. Sich allein als zuge­hö­rig zur welt­wei­ten wei­ßen Ras­se zu erklä­ren, wird schon in die extre­me Naziecke gestellt.

Wen wun­dert das bei den fol­gen­den Sätzen?

Jeder Tier­züch­ter weiß, daß Züch­tung, also ras­si­sche In-Grup­pen-Prä­fe­renz, fun­da­men­tal wich­tig ist, um eine Nach­kom­men­schaft mit gewünsch­ten kör­per­li­chen und cha­rak­ter­li­chen Eigen­schaf­ten in die Welt zu set­zen. Das ist übri­gens pure Euge­nik, ein Prin­zip wel­ches die Men­schen mehr oder weni­ger unbe­wusst auch jedes Mal ver­fol­gen, wenn sie einen roman­ti­schen Part­ner aus­wäh­len.

Es ist anzu­neh­men, dass allen öster­rei­chi­schen Kon­takt­su­chen­den, die auf „White­Da­te“ ihre Partner*innen zur Fort­pflan­zung der wei­ßen Ras­se suchen, klar ist, in wel­cher brau­nen Kloa­ke sie sich herumtreiben.

WhiteDate: "Remember who built the European castles, wrote symphonies and invented the bicycle, train, car, plane, light bulb, pen, can, match, printing press, phone, camera, phonograph, radio, TV, Aspirin, industrial steel, computer, water-tap, oven, stove, fridge, piano, and much more ? The White Man. Work With His Descendants" (Screenshot WhiteDate, 4.11.25)
White­Da­te: „The White Man. Work With His Des­cen­dants” (Screen­shot White­Da­te, 4.11.25)

Wer ist Christiane H.?

Über Chris­tia­ne H. ali­as „Liv Hei­de“ schreibt die „Zeit“: „Die 57-Jäh­ri­ge wähn­te sich 2022 in einem You­Tube-Inter­view mit einem Neo­na­zi im „Ras­sen­krieg” und hält Kon­tak­te in die Neo­na­zi- und Holo­caust­leug­ner­sze­ne – und zur völ­ki­schen Sek­te der Ludendorffer.“

Frü­her war H. mit einem fran­zö­si­schen Juden ver­hei­ra­tet. Ihr Ex-Mann beschrieb sie als kon­ser­va­ti­ve Part­ne­rin mit tra­di­tio­nel­len Rol­len­vor­stel­lun­gen. Zum Bruch kam es, nach­dem sie vom „gro­ßen Aus­tausch“ fan­ta­siert und ihre Vor­stel­lun­gen auch dem Freun­des­kreis prä­sen­tiert hat­te, schreibt die WOZ. Chris­tia­ne H. sieht die­se Zeit nach­träg­lich anders: „Als ich noch ver­hei­ra­tet war, war ich alles ande­re als auf­ge­wacht. Ich dach­te, Juden sei­en Euro­pä­er.“ Dann sei sie auf ent­spre­chen­de Vide­os gestos­sen, und ihr sei klar gewor­den: „Wir Weis­se sind ja schon fast weg vom Fens­ter.“ (WOZ)

„WhiteDeal“ gilt nicht für Christiane H.

Wenn’s ums Geld geht, ist Chris­tia­ne H. nicht ganz so prin­zi­pi­en­fest. Neben der Adop­ti­ons­platt­form „White­Child“ für wei­ße Kin­der und Samen­spen­der betreibt sie auch noch „White­Deal“. Auf die­ser Platt­form wer­den wei­ße Frei­be­ruf­ler und wei­ße Unter­neh­men ver­mit­telt und beworben.

Das gilt für Chris­tia­ne H. nicht: Ihre Web­sites wer­den „aus Bud­get­grün­den“ von Indern pro­gram­miert, für die Buch­hal­tung beschäf­tig­te sie nach eige­nen Anga­ben „frü­her mal einen Buch­hal­ter in Mada­gas­kar. Einer unse­rer Ser­ver wird aus­schließ­lich von Ara­bern gema­nagt.“

„WhiteDate“ fast ohne Frauen

Das augen­schein­lichs­te Pro­blem von „White­Da­te“: Der Zweck der rechts­extre­men Kon­takt­bör­se, die Fort­pflan­zung der Wei­ßen zu sichern, funk­tio­niert ohne Frau­en schlecht. Frau­en tum­meln sich auf „White­Da­te“ jedoch kaum her­um. In Öster­reich buh­len 38 rechts­extre­me Män­ner um vier rechts­extre­me Frauen.

WhiteDate: "We follow classic roles where strong men take the lead and graceful women play the game. Wisely." (Screenshot WhiteDate, 4.11.25)
White­Da­te: „We fol­low clas­sic roles whe­re strong men take the lead and graceful women play the game. Wise­ly.” (Screen­shot White­Da­te, 4.11.25)

Das Por­tal und die Män­ner könn­ten sich natür­lich fra­gen, ob das an ihren rigi­den und dürf­ti­gen Vor­stel­lun­gen von „tra­di­tio­nel­ler“ Part­ner­schaft liegt. Oder an ihren Prä­sen­ta­tio­nen, die so – mit gering­fü­gi­gen Ände­run­gen – auch im „Völ­ki­schen Beob­ach­ter“ als Kampf­auf­ru­fe hät­ten erschei­nen kön­nen. Der User mit dem Nick­na­me „Graz“ tönt etwa:

Die weis­se Welt befin­det sich seit den euro­päi­schen Bru­der­krie­gen in einer per­ma­nen­ten Rück­wärts­be­we­gung. Gewis­sen­lo­se, inter­na­tio­na­le Sub­jek­te pro­pa­gie­ren (medien)öffentlich, wonach es das erstre­bens­wer­tes­te wäre in einer gemischt­ras­si­gen Bezie­hung zu leben. Scho­ko­ba­bys und ande­re Ver­nied­li­chun­gen von Pro­duk­ten zwi­schen Groß­ras­sen fin­den Ein­zug in den Dis­kurs und gel­ten als cool und zeit­ge­mäß. Die­sen Wahn­sinn zu stop­pen ist unse­re Pflicht. Euro­pa bleibt weiß.

Ein zwei­ter Gra­zer bei „White­Da­te“ ist Martin_83. Imker Mar­tin von der Uni Graz sucht aktu­ell eine natio­na­lis­ti­sche Frau mit ger­ma­ni­schen Wur­zeln. „Bell­tower“, das bereits 2021 über die ras­sis­ti­sche Dating­platt­form berich­te­te, zitiert den Imker, dass er eine „natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Frau mit ger­ma­ni­schen Wur­zeln sucht und min­des­tens vier Kin­der will“ suche.

Christian Fuchs, Journalist der "Zeit": "Wir haben 6 AfD-Funktionäre gefunden - vom Lokalpolitiker bis zum Landtagsabgeordneten" (Screenshot Bluesky, 9.10.25)
Chris­ti­an Fuchs, Jour­na­list der „Zeit”: „Wir haben 6 AfD-Funk­tio­nä­re gefun­den — vom Lokal­po­li­ti­ker bis zum Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten” (Screen­shot Blues­ky, 9.10.25)

Unverhohlene Neonazis auf „WhiteDate“

Hat sich „Bell­tower“ ver­schrie­ben, oder hat Martin_83 sei­ne Prä­sen­ta­ti­on leicht modi­fi­ziert? Grö­ße­re Unter­schie­de sind nicht zu erken­nen, denn auch jetzt will Martin_83 mehr als vier Kin­der und beschreibt sich so:

[U]nd ich ver­ab­scheue es, wenn Wei­ße sich mit Schwar­zen oder Men­schen ande­rer Ras­sen ver­mi­schen. Es ist höchs­te Zeit, Gegen­stra­te­gien zu ent­wi­ckeln, wie bei­spiels­wei­se die­se her­vor­ra­gen­de Dating-Platt­form, und sich auf eine Zeit (die bevor­ste­hen­de Wirt­schafts­kri­se und ihre Fol­gen) vor­zu­be­rei­ten, in der wir eini­ge der nega­ti­ven Ent­wick­lun­gen der letz­ten Jahr­zehn­te rück­gän­gig machen kön­nen.

Wenig ver­wun­der­lich ist, dass Martin_83, der pas­sen­der­wei­se die Züch­tung von rein­ras­si­gen Bie­nen pro­pa­giert, auch bei der FPÖ Graz-Pun­ti­gam und den Iden­ti­tä­ren in der Süd­ost­stei­er­mark auf­ge­tre­ten ist, wie Stoppt die Rech­ten recher­chiert hat.

Ein ande­rer Neo­na­zi (72) aus Wien – er nennt sich „doo­mer“ – will, dass sei­ne zukünf­ti­ge Part­ne­rin sei­nen fünf Kin­dern „Mein Kampf“ vor­liest. Wei­te­re Kin­der will er auch noch zeu­gen. Das gilt auch für Stbf (22) aus Salz­burg. Er, der eben­falls mehr als vier Kin­der zeu­gen will, gibt als poli­ti­sche Über­zeu­gung „Natio­nal­so­zia­lis­mus“ an. Das ist inso­fern über­ra­schend, weil das kla­re Bekennt­nis zum Natio­nal­so­zia­lis­mus den Ver­dacht auf ein Ver­bre­chen nach § 3g Ver­bots­ge­setz begründet.

Noch ein dekla­rier­ter Nazi aus Salz­burg tum­melt sich im Forum von „White­Da­te“: Wolf (27), der sich so prä­sen­tiert: „Treue zu Fami­lie, Volk und Vater­land, Gerad­li­e­nig­keit (sic!), Ehr­lich­keit, Ras­sen­be­wusst­sein, Brauch­tum und Tra­di­tio­nen, Ahnen­eh­re, Ger­ma­nen­tum, Hei­mat­lie­be, furcht­los“ Sei­ne poli­ti­sche Ori­en­tie­rung: „Pro-White, Alt-Right, Tra­di­tio­na­lism, Vol­kism, Natio­nal Socia­lism“

Propagandaplattform für Neonazis?

Ver­mut­lich sind nicht alle Kon­takt­su­chen­den Neo­na­zis. Eini­ge sind „nur“ Rechts­extre­me oder Rassist*innen. So blöd, sich auf eine ganz offen­sicht­lich ras­sis­ti­sche Platt­form ver­irrt zu haben, ist aber nie­mand, oder? Wie aber ist eine Platt­form zu beur­tei­len, die Raum für Per­so­nen bie­tet, die sich selbst als Nazis bezeich­nen? Auch dazu wird ein öster­rei­chi­sches Gericht hof­fent­lich eine kla­re Ant­wort fin­den. Anzei­gen nach dem NS-Ver­bots­ge­setz sind jeden­falls unterwegs.

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