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Lesezeit: 4 Minuten

Mélange KW 44/25 (Teil 2): Ein „Braunbuch“ und ein „NoAfD-Fonds“

Zwei bemer­kens­wer­te Initia­ti­ven: Mit fast 400 Sei­ten legen die Grü­nen im Baye­ri­schen Land­tag eine umfas­sen­de Samm­lung von AfD-Zita­ten vor, die ein AfD-Ver­bots­ver­fah­ren unter­stüt­zen soll. Die Platt­form „Cam­pact“ hat einen „NoAfD-Fonds“ gegrün­det und konn­te dafür bin­nen einer Woche fast 900.000 Euro sammeln.

4. Nov. 2025
"Braunbuch" und "NoAfD-Fonds"
"Braunbuch" und "NoAfD-Fonds"

Grüne Bayern legen ein „Braunbuch“ vor

Die Grü­nen im Baye­ri­schen Land­tag haben mit „Aus Wor­ten wer­den Taten. Aus­sa­gen der AfD-Frak­ti­on im Baye­ri­schen Land­tag“ (Okto­ber 2025) eine fast 400 Sei­ten star­ke Samm­lung vor­ge­legt, die zei­gen soll: Die AfD in Bay­ern betreibt im Par­la­ment sys­te­ma­tisch völ­kisch-ras­sis­ti­sche, ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche und demo­kra­tie­feind­li­che Agitation.

Nach Samm­lung der Zita­te wur­den die­se ein­ge­ord­net und anhand der Extre­mis­mus­kri­te­ri­en des Ver­fas­sungs­schut­zes und den Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts für ein Par­tei­ver­bot ana­ly­siert. Auf Basis von 21.880 Sei­ten Ple­nar­pro­to­kol­len und wei­te­ren Quel­len belegt die Ana­ly­se: Die AfD-Frak­ti­on ver­tritt ein geschlos­se­nes rechts­extre­mes Welt­bild – Ver­let­zung der Men­schen­wür­de, Ver­fol­gung anti­de­mo­kra­ti­scher Zie­le, Aus­höh­lung der Grund­rech­te. Die AfD ist damit eine rea­le Gefahr für die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung. (gruene-fraktion-bayern.de, 24.10.25; Her­vor­he­bun­gen im Original)

Basis sind 21.880 Sei­ten Ple­nar­pro­to­kol­le der letz­ten Wahl­pe­ri­ode (2018–23). Zen­tral ist die immer glei­che Erzäh­lung vom „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“. AfD-Abge­ord­ne­ter Oskar Atz­in­ger sag­te am 14.6.2023: „Wer nicht sieht, dass der Bevöl­ke­rungs­aus­tausch in vol­lem Gan­ge ist, der ist ent­we­der blind oder blöd oder Erfül­lungs­po­li­ti­ker der Besat­zungs­macht.“ (S. 22) Die Grü­nen ver­wei­sen hier auch auf die Nähe zu reichs­bür­ger­li­chen Souveränitätsmythen.

Beson­ders deut­lich wird die Über­nah­me iden­ti­tä­rer Codes dort, wo die AfD „Remi­gra­ti­on“ als Lösung anpreist. Im Face­book-Post der AfD-Land­tags­frak­ti­on vom 28.6.2023 heißt es: „Die­ser Aus­tausch der deut­schen Bevöl­ke­rung (…) muss end­lich gestoppt wer­den. Die Lösung heißt Remi­gra­ti­on und Abschie­bung nicht berech­tig­ter Migran­ten!“ (S. 74). Die Publi­ka­ti­on ord­net das aus­drück­lich als Euphe­mis­mus für eine Rück­füh­rung „im Mil­lio­nen­be­reich“ ein und sieht eine Par­al­le­le zur NSDAP-Pro­gram­ma­tik von 1920, in der es heißt: „Jede wei­te­re Ein­wan­de­rung Nicht-Deut­scher ist zu ver­hin­dern. Wir for­dern, daß alle Nicht-Deut­schen, die seit 2. August 1914 in Deutsch­land ein­ge­wan­dert sind, sofort zum Ver­las­sen des Rei­ches gezwun­gen wer­den.“ (S. 344f.)

Hin­zu kommt der offe­ne Rück­griff auf völ­ki­sche Staats­bür­ger­schaft: AfD-MdL Uli Hen­kel for­der­te am 7.2.2023, die Ein­bür­ge­rung „eher wie­der in Rich­tung Reichs- und Staats­an­ge­hö­rig­keits­ge­setz zu erschwe­ren“ (S. 111) Und Kat­rin Ebner-Stei­ner setz­te am 13.12.2022 Geflüch­te­te pau­schal mit „Ver­ge­wal­ti­gern, Mes­ser­ste­chern und Mör­dern“ gleich: „Ohne sie wür­de die klei­ne Ece (…) noch leben.“ (S. 81)

Das anti­fa­schis­ti­sche Por­tal „End­sta­ti­on Rechts“ (30.10.25) nennt die Publi­ka­ti­on „Braun­buch“ und wür­digt die Grü­nen-Arbeit als „unge­heu­re Fleiß­auf­ga­be“, merkt aber an, dass die Doku­men­ta­ti­on die AfD-Zita­te zu sel­ten mit bereits vor­lie­gen­den Bewer­tun­gen von Ver­fas­sungs­schutz und Gerich­ten ver­schnei­det – genau das wür­de „zusätz­li­che Unab­hän­gig­keit und Auto­ri­tät“ schaf­fen. Außer­dem sei­en Anfra­gen und schrift­li­che Mate­ria­li­en der AfD-Frak­ti­on, in denen etwa als „Pass­deut­sche“ abge­kan­zel­te deut­sche Staatsbürger*innen sys­te­ma­tisch abge­wer­tet wer­den, nur punk­tu­ell ein­ge­bun­den. Den­noch: Der Band belegt, dass nicht ein­zel­ne „Aus­rei­ßer“, son­dern die gesam­te Frak­ti­on einen eth­nisch defi­nier­ten Volks­be­griff im Land­tag verhandelt.

Par­al­le­len zur FPÖ

Die Grü­nen-Befun­de las­sen sich mühe­los nach Öster­reich spie­geln: Im Natio­nal­rat sprach der FPÖ-Abge­ord­ne­te Peter Wurm am erst vor weni­gen Mona­ten offen von „Umvol­kung“, NR-Prä­si­dent Wal­ter Rosen­kranz (FPÖ) rüg­te das nicht. FPÖ-Chef Her­bert Kickl bewirbt seit 2024/25 „Remi­gra­ti­on unge­be­te­ner Frem­der“ als Teil einer „Fes­tung Öster­reich“. Die FPÖ ver­langt sogar einen „EU-Remi­gra­ti­ons­kom­mis­sar“, die AfD applau­diert dazu. Und schon Jah­re zuvor stell­ten Heinz-Chris­ti­an Stra­che und Johann Gude­nus Migra­ti­on in einen von „Globalisten/Soros“ gesteu­er­ten Zusam­men­hang – struk­tu­rell das­sel­be Freun­d/­Feind-Ras­ter wie im baye­ri­schen AfD-Band.

Die Publi­ka­ti­on der Grü­nen steht hier zum Down­load bereit.

Titelblatt "Aus Worten werden Taten. Aussagen der Abgeordneten der AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag (2018-2023)
Titel­blatt „Aus Wor­ten wer­den Taten. Aus­sa­gen der Abge­ord­ne­ten der AfD-Frak­ti­on im Baye­ri­schen Land­tag (2018–2023)

Ostdeutschland: Campacts „NoAfD-Fonds“ kontert AfD-Kriegskasse

2026 ste­hen in zwei deut­schen Ost­bun­des­län­dern Wah­len an: in Sach­sen-Anhalt und in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Umfra­gen sehen in bei­den Län­dern die AfD an der Spit­ze. „Cam­pact“ reagiert dar­auf mit einer bis­lang ein­zig­ar­ti­gen Spen­den­kam­pa­gne: Bin­nen einer Woche nach dem Start am 27. Okto­ber hat Cam­pact mit dem „NoAfD-Fonds“ mehr als fast 900.000 Euro ein­ge­sam­melt. Der Fonds ist eine direk­te Ant­wort auf die Ankün­di­gung der AfD, min­des­tens 1,5 Mil­lio­nen Euro in die anste­hen­den Wahl­kämp­fe in Ost­deutsch­land zu inves­tie­ren. Ziel: „jeden Euro der Rechts­extre­men kontern“.

Laut „Cam­pact“ sol­len 50 Pro­zent der Mit­tel loka­le Ver­ei­ne und Initia­ti­ven unter ande­rem in Sach­sen-Anhalt und Meck­len­burg-Vor­pom­mern stär­ken, die sich gegen Rechts­extre­mis­mus und für Demo­kra­tie enga­gie­ren. Die übri­gen 50 Pro­zent will die Orga­ni­sa­ti­on für eige­ne Kam­pa­gnen anläss­lich der Land­tags­wah­len ein­set­zen. Damit wird zivil­ge­sell­schaft­li­che Arbeit vor Ort und über­re­gio­na­le Gegen­kam­pa­gnen zugleich finan­ziert – ein dop­pel­ter Hebel gegen Nor­ma­li­sie­rung und Res­sour­cen­über­le­gen­heit der AfD.

„Campact“-Vorstand Felix Kolb wer­te­te die gro­ße Reso­nanz als Signal, dass die Mehr­heit für Demo­kra­tie und Mensch­lich­keit ein­tritt. Unter­stützt wird die Kam­pa­gne von Marc-Uwe Kling („Kän­gu­ru-Chro­ni­ken“), was zusätz­li­che Reich­wei­te in Milieus schafft, die rechts­extre­men Deu­tun­gen widersprechen.

Bemer­kens­wert ist nicht nur die Sum­me, son­dern auch die Rah­mung: Spen­den wer­den expli­zit stra­te­gisch ver­knüpft mit dem Ziel, AfD-Wahl­kampf­mit­tel auf Augen­hö­he zu matchen. Damit adres­siert der Fonds einen neur­al­gi­schen Punkt der kom­men­den Wahl­jah­re: die Finan­zie­rung demo­kra­ti­scher Gegen­macht in Regio­nen, in denen rechts­extre­me Akteur*innen über gewach­se­ne Netz­wer­ke ver­fü­gen. Details und Spen­den­mög­lich­keit bün­delt „Cam­pact“ auf der Akti­ons­sei­te zum „NoAfD-Fonds“.

Gespen­det wer­den kann selbst­ver­ständ­lich auch aus Österreich!

Der Campact "NoAfD-Fonds" (Screenshot Aktionsseite Campact)
Der Cam­pact „NoAfD-Fonds” (Screen­shot Akti­ons­sei­te Cam­pact, 3.11.25)

(Quel­len: tagesspiegel.de, 31.10.25; Akti­ons­sei­te von Cam­pact zum „NoAfD“-Fonds)

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