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Lesezeit: 5 Minuten

Mélange KW 37/25 (Teil 1): Viel Bissiges

Bis­se und „Sieg Heil“ für einen Wie­ner Park­s­her­rif, ein bis­si­ger Kom­men­tar zu Trump und Öster­reich und noch ein bis­si­ger Kom­men­tar zu Gerald Grosz.

16. Sep. 2025
Rückblick
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Inhalt

Togg­le
  • Wien-Leo­pold­stadt: Nazi-Paro­len vor Synagoge
  • Wien-Leo­pold­stadt: Feu­er gelegt und Hund auf Obdach­lo­sen gehetzt
  • Wien-Her­nals: Wie­der ein „pri­va­tes NS-Muse­um“ entdeckt
  • Wien-Mar­ga­re­ten: Park­she­riff gebis­sen und „Sieg Heil“ gebrüllt
  • Wien-Meid­ling: Imam wegen Ver­het­zung angeklagt
  • Wien: Bis­si­ger Kom­men­tar von Dani­el Wisser
  • Denis Scheck: Gerald Grosz ist kein Brückenbauer

Wien-Leopoldstadt: Nazi-Parolen vor Synagoge

Ein 58-Jäh­ri­ger wur­de fest­ge­nom­men, weil er vor der Syn­ago­ge in der Gro­ßen Schiff­gas­se (Leo­pold­stadt) natio­nal­so­zia­lis­ti­sche und anti­se­mi­ti­sche Paro­len gegrölt hat­te. Ein vor der Syn­ago­ge pos­tier­ter Secu­ri­ty rief die Poli­zei, die

den 58-jäh­ri­gen Öster­rei­cher mehr­fach auf[forderte], sein Geschrei sein zu las­sen. Doch die­ser mach­te unge­hin­dert wei­ter. In wei­te­rer Fol­ge sahen sich die Wie­ner Beam­ten gezwun­gen, den Mann fest­zu­neh­men. Bei einem Alko­test wur­de ein Pro­mil­le­wert von 1,5 fest­ge­stellt. Er muss nun mit einer Anzei­ge rech­nen. (krone.at, 10.9.25)

Wien-Leopoldstadt: Feuer gelegt und Hund auf Obdachlosen gehetzt

Am Abend des 10.9. zün­de­te ein 63-jäh­ri­ger öster­rei­chi­scher Staats­bür­ger beim Erd­ber­ger Steg einen Schal an, der als Sicht­schutz für den Schlaf­platz eines 46-jäh­ri­gen Obdach­lo­sen dien­te. Der Obdach­lo­se wach­te durch die Rauch­ent­wick­lung auf und lösch­te das Feu­er. Es folg­te eine ver­ba­le Aus­ein­an­der­set­zung, bei der der 63-Jäh­ri­ge laut Ermitt­lun­gen sei­nen Hund auf den 46-Jäh­ri­gen hetz­te, bevor er den Ort ver­ließ. Der mut­maß­li­che Täter wur­de festgenommen.

(Quel­le: wien.orf.at, 11.9.25)

Wien-Hernals: Wieder ein „privates NS-Museum“ entdeckt

Die Fäl­le, in denen die Besit­zer zahl­rei­cher NS-Reli­qui­en behaup­ten, nur aus his­to­ri­schem Inter­es­se ihre Woh­nung oder die Gara­ge mit brau­nen Devo­tio­na­li­en ange­füllt zu haben, häu­fen sich. Am 10.9. stell­te die Poli­zei bei einem 59-jäh­ri­gen Wie­ner aus Her­nals „zahl­rei­che“ NS-Objek­te sicher. Die Haus­ver­wal­tung soll im Zuge einer Bege­hung auf meh­re­re Gegen­stän­de aus der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus gesto­ßen sein und alar­mier­te des­halb die Polizei.

Das von der LPD Wien zur Ver­fü­gung gestell­te Foto von den Fun­den zeigt nicht nur die beacht­li­che Men­ge der Devo­tio­na­li­en, son­dern auch der Waf­fen. Gegen den Mann wur­de Anzei­ge nach dem Ver­bots­ge­setz erstattet.

(Quel­le: meinbezirk.at, 11.9.25)

Wien-Margareten: Parksheriff gebissen und „Sieg Heil“ gebrüllt

In der etwas gestelz­ten Amts­spra­che hei­ßen die Park­she­riffs „Orga­ne der Park­raum­über­wa­chungs­grup­pe“. Deut­lich weni­ger gestelzt ging eine 32-jäh­ri­ge Frau am 11.9. gegen einen Park­she­riff bei der Stra­ßen­bahn­sta­ti­on Mar­ga­re­ten­gür­tel vor, der eigent­lich nur einen Streit zwi­schen ihr und einem Mann schlich­ten woll­te. Die Strei­ten­den hat­ten dabei auch die Türen einer Stra­ßen­bahn blockiert.

Die Frau „bespuck­te und biss das Opfer. Der Mann hielt sie aber fest, dabei brüll­te sie aus­län­der­feind­li­che Paro­len und schrie ‚Sieg Heil‘.“ (kurier.at, 12.9.25) Die Frau wur­de von einer Poli­zei­strei­fe vor­über­ge­hend fest­ge­nom­men und wegen schwe­rer Kör­per­ver­let­zung und nach dem Ver­bots­ge­setz angezeigt.

Wien-Meidling: Imam wegen Verhetzung angeklagt

Der Imam einer Moschee in Wien-Meid­ling hat­te nach dem Ter­rorüber­fall der Hamas auf Isra­el am 7.10.23 auf Face­book öffent­lich zum Hass gegen Juden auf­ge­ru­fen und damit laut Ankla­ge der Staats­an­walt­schaft Wien den Tat­be­stand der Ver­het­zung erfüllt. Der Pro­zess gegen den Imam soll am 8. Okto­ber am Lan­des­ge­richt Wien stattfinden.

Inkri­mi­niert sind zwei Pos­tings, die der Mann am 9. und am 15. Jän­ner 2024 als „Gebe­te an Gott“ auf Face­book abge­setzt hat­te und die 3.658 Fol­lower zu lesen beka­men. „Oh Gott, bestra­fe die kri­mi­nel­len Zio­nis­ten und deren Unter­stüt­zer und zer­streue sie. Oh Gott, zäh­le sie und töte sie alle und lass kei­nen ein­zi­gen von ihnen übrig“, schrieb er. Im zwei­ten, deut­lich län­ge­ren Bei­trag ver­brei­te­te er unter ande­rem: „Oh Gott, stär­ke die Mud­scha­hed­din in Gaza, len­ke ihre Pfei­le, mache ihre Schrit­te sicher, stär­ke ihre Her­zen und erschre­cke die Her­zen der Juden, der Besat­zer, und ver­wand­le Gaza und ganz Paläs­ti­na zu einem Fried­hof für die Juden und die­je­ni­gen, die sie unter­stüt­zen und mit ihnen kämp­fen. (wien.orf.at, 12.9.25)

Die isla­mi­sche Glau­bens­ge­mein­schaft in Öster­reich (IGGÖ) hat­te die­se Pas­sa­gen als „inak­zep­ta­bel“ ver­ur­teilt, der Imam hat sei­ne Funk­tio­nen inner­halb der Ara­bi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft zurück­ge­legt, bleibt aber Mit­glied der IGGÖ. Die Mög­lich­keit eines Aus­schlus­ses wäre erst nach einer rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lung zu einer Haft­stra­fe von über einem Jahr möglich.

Wien: Bissiger Kommentar von Daniel Wisser

Im Online-Maga­zin „Zack­zack“ (23.9.25) kom­men­tier­te der Autor Dani­el Wis­ser unter dem Titel „Spä­ter ist es zu spät“ die aktu­el­le poli­ti­sche Ent­wick­lung in den USA und Öster­reich. Die wohl mar­kan­tes­te Passage:

Den vie­len war­nen­den Stim­men und Ana­ly­sen in Trumps ers­ter Amts­zeit, wäh­rend des Wahl­kampfs und schon nach Beginn sei­ner zwei­ten Amts­zeit, die Trump Tota­li­ta­ris­mus und Faschis­mus nach­ge­wie­sen haben, wur­de wie­der ein­mal Alar­mis­mus und Über­trei­bung vor­ge­wor­fen. Jetzt plötz­lich, in den letz­ten Tagen und Wochen, tau­chen über­all Arti­kel auf, die den War­nen­den recht geben. Doch was pas­siert, nach­dem fest­ge­stellt wur­de, dass Trump den letz­ten Rest von Demo­kra­tie in den USA ent­fernt? Nichts. Wir gehen zur Tages­ord­nung über. Wir tun so, als wäre nichts passiert.

Ein Sym­bol­bild der öster­rei­chi­schen Igno­ranz wur­de der Welt am 11. Sep­tem­ber 2025 ohne Genie­rer vor Augen gehal­ten: Am Jah­res­tag von 9/11 emp­fängt der öster­rei­chi­sche Innen­mi­nis­ter eine Dele­ga­ti­on isla­mis­ti­scher Ter­ro­ris­ten der Tali­ban. Das ist die Rea­li­tät in die­sem Land. Tja, wir Öster­rei­cher, die wir Shop­ping-Malls dort bau­en, wo einst Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger stan­den, haben eben Kon­trol­le über die Vergangenheit.

Denis Scheck: Gerald Grosz ist kein Brückenbauer

Peri­odisch kom­men­tiert der deut­sche Lite­ra­tur­kri­ti­ker und Jour­na­list Denis Scheck an Sonn­ta­gen zu spä­ter Stun­de die Spie­gel-Best­sel­ler-Lis­ten. Am 14.9. war die neu­es­te Spie­gel-Sach­buch­lis­te („Top-Ten“) dran, bei der es Gerald Grosz, frü­her FPÖ und BZÖ, jetzt par­tei­lo­ser, aber den Blau­en sehr zuge­wand­ter poli­ti­scher Het­zer, mit sei­nem Buch „Mer­kels Werk — Unser Unter­gang“, erschie­nen im Leo­pold Sto­cker Ver­lag auf den Platz 2 geschafft hat. Der het­ze­ri­sche Titel wird am Cover noch durch ein Hän­de­paar unter­stri­chen, das zu einer Mer­kel-Rau­te gefal­tet und in Blut getaucht ist.

Der ein­zi­ge Feh­ler der Kurz­re­zen­si­on von Scheck bestand dar­in, dass er dem „sz“ in Grosz eine pol­ni­sche Aus­spra­che, also „sch“ ver­pass­te. Gerald „Grosch“ attes­tier­te er, wie ein Thi­lo Sar­ra­zin auf Speed mit fal­schen Zah­len zu agie­ren und kan­zel­te das Mach­werk ab, bevor er es in die Müll­ton­ne warf:

Wür­de Gerald Grosz [Grosch] als Inge­nieur Brü­cken kon­stru­ie­ren, möch­te ich sie nicht befah­ren. Aber weil dies für das grob­schläch­ti­ge Niveau die­ser Hetz­schrift viel­leicht zu miss­ver­ständ­lich for­mu­liert ist, sage ich es gern deut­li­cher: Die­se vor Häme und Hass trie­fen­de, hirn­lo­se Wichs­vor­la­ge für Ras­sis­ten und Faschis­ten ist schlicht wider­lich.

Gerald Grosz, der Aus­tei­ler, zeigt sich in die­sem Fall mimo­sen­haft und ist not amused.

Druck­frisch, ARD 14.9.25 (Scheck zu Grosz ab Minu­te 19)

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Schlagwörter: Antisemitismus | Körperverletzung | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Wiederbetätigung | Wien

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