Wien-Leopoldstadt: Nazi-Parolen vor Synagoge
Ein 58-Jähriger wurde festgenommen, weil er vor der Synagoge in der Großen Schiffgasse (Leopoldstadt) nationalsozialistische und antisemitische Parolen gegrölt hatte. Ein vor der Synagoge postierter Security rief die Polizei, die
den 58-jährigen Österreicher mehrfach auf[forderte], sein Geschrei sein zu lassen. Doch dieser machte ungehindert weiter. In weiterer Folge sahen sich die Wiener Beamten gezwungen, den Mann festzunehmen. Bei einem Alkotest wurde ein Promillewert von 1,5 festgestellt. Er muss nun mit einer Anzeige rechnen. (krone.at, 10.9.25)
Wien-Leopoldstadt: Feuer gelegt und Hund auf Obdachlosen gehetzt
Am Abend des 10.9. zündete ein 63-jähriger österreichischer Staatsbürger beim Erdberger Steg einen Schal an, der als Sichtschutz für den Schlafplatz eines 46-jährigen Obdachlosen diente. Der Obdachlose wachte durch die Rauchentwicklung auf und löschte das Feuer. Es folgte eine verbale Auseinandersetzung, bei der der 63-Jährige laut Ermittlungen seinen Hund auf den 46-Jährigen hetzte, bevor er den Ort verließ. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen.
(Quelle: wien.orf.at, 11.9.25)
Wien-Hernals: Wieder ein „privates NS-Museum“ entdeckt
Die Fälle, in denen die Besitzer zahlreicher NS-Reliquien behaupten, nur aus historischem Interesse ihre Wohnung oder die Garage mit braunen Devotionalien angefüllt zu haben, häufen sich. Am 10.9. stellte die Polizei bei einem 59-jährigen Wiener aus Hernals „zahlreiche“ NS-Objekte sicher. Die Hausverwaltung soll im Zuge einer Begehung auf mehrere Gegenstände aus der Zeit des Nationalsozialismus gestoßen sein und alarmierte deshalb die Polizei.
Das von der LPD Wien zur Verfügung gestellte Foto von den Funden zeigt nicht nur die beachtliche Menge der Devotionalien, sondern auch der Waffen. Gegen den Mann wurde Anzeige nach dem Verbotsgesetz erstattet.
(Quelle: meinbezirk.at, 11.9.25)
Wien-Margareten: Parksheriff gebissen und „Sieg Heil“ gebrüllt
In der etwas gestelzten Amtssprache heißen die Parksheriffs „Organe der Parkraumüberwachungsgruppe“. Deutlich weniger gestelzt ging eine 32-jährige Frau am 11.9. gegen einen Parksheriff bei der Straßenbahnstation Margaretengürtel vor, der eigentlich nur einen Streit zwischen ihr und einem Mann schlichten wollte. Die Streitenden hatten dabei auch die Türen einer Straßenbahn blockiert.
Die Frau „bespuckte und biss das Opfer. Der Mann hielt sie aber fest, dabei brüllte sie ausländerfeindliche Parolen und schrie ‚Sieg Heil‘.“ (kurier.at, 12.9.25) Die Frau wurde von einer Polizeistreife vorübergehend festgenommen und wegen schwerer Körperverletzung und nach dem Verbotsgesetz angezeigt.
Wien-Meidling: Imam wegen Verhetzung angeklagt
Der Imam einer Moschee in Wien-Meidling hatte nach dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7.10.23 auf Facebook öffentlich zum Hass gegen Juden aufgerufen und damit laut Anklage der Staatsanwaltschaft Wien den Tatbestand der Verhetzung erfüllt. Der Prozess gegen den Imam soll am 8. Oktober am Landesgericht Wien stattfinden.
Inkriminiert sind zwei Postings, die der Mann am 9. und am 15. Jänner 2024 als „Gebete an Gott“ auf Facebook abgesetzt hatte und die 3.658 Follower zu lesen bekamen. „Oh Gott, bestrafe die kriminellen Zionisten und deren Unterstützer und zerstreue sie. Oh Gott, zähle sie und töte sie alle und lass keinen einzigen von ihnen übrig“, schrieb er. Im zweiten, deutlich längeren Beitrag verbreitete er unter anderem: „Oh Gott, stärke die Mudschaheddin in Gaza, lenke ihre Pfeile, mache ihre Schritte sicher, stärke ihre Herzen und erschrecke die Herzen der Juden, der Besatzer, und verwandle Gaza und ganz Palästina zu einem Friedhof für die Juden und diejenigen, die sie unterstützen und mit ihnen kämpfen. (wien.orf.at, 12.9.25)
Die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) hatte diese Passagen als „inakzeptabel“ verurteilt, der Imam hat seine Funktionen innerhalb der Arabischen Glaubensgemeinschaft zurückgelegt, bleibt aber Mitglied der IGGÖ. Die Möglichkeit eines Ausschlusses wäre erst nach einer rechtskräftigen Verurteilung zu einer Haftstrafe von über einem Jahr möglich.
Wien: Bissiger Kommentar von Daniel Wisser
Im Online-Magazin „Zackzack“ (23.9.25) kommentierte der Autor Daniel Wisser unter dem Titel „Später ist es zu spät“ die aktuelle politische Entwicklung in den USA und Österreich. Die wohl markanteste Passage:
Den vielen warnenden Stimmen und Analysen in Trumps erster Amtszeit, während des Wahlkampfs und schon nach Beginn seiner zweiten Amtszeit, die Trump Totalitarismus und Faschismus nachgewiesen haben, wurde wieder einmal Alarmismus und Übertreibung vorgeworfen. Jetzt plötzlich, in den letzten Tagen und Wochen, tauchen überall Artikel auf, die den Warnenden recht geben. Doch was passiert, nachdem festgestellt wurde, dass Trump den letzten Rest von Demokratie in den USA entfernt? Nichts. Wir gehen zur Tagesordnung über. Wir tun so, als wäre nichts passiert.
Ein Symbolbild der österreichischen Ignoranz wurde der Welt am 11. September 2025 ohne Genierer vor Augen gehalten: Am Jahrestag von 9/11 empfängt der österreichische Innenminister eine Delegation islamistischer Terroristen der Taliban. Das ist die Realität in diesem Land. Tja, wir Österreicher, die wir Shopping-Malls dort bauen, wo einst Konzentrationslager standen, haben eben Kontrolle über die Vergangenheit.
Denis Scheck: Gerald Grosz ist kein Brückenbauer
Periodisch kommentiert der deutsche Literaturkritiker und Journalist Denis Scheck an Sonntagen zu später Stunde die Spiegel-Bestseller-Listen. Am 14.9. war die neueste Spiegel-Sachbuchliste („Top-Ten“) dran, bei der es Gerald Grosz, früher FPÖ und BZÖ, jetzt parteiloser, aber den Blauen sehr zugewandter politischer Hetzer, mit seinem Buch „Merkels Werk — Unser Untergang“, erschienen im Leopold Stocker Verlag auf den Platz 2 geschafft hat. Der hetzerische Titel wird am Cover noch durch ein Händepaar unterstrichen, das zu einer Merkel-Raute gefaltet und in Blut getaucht ist.
Der einzige Fehler der Kurzrezension von Scheck bestand darin, dass er dem „sz“ in Grosz eine polnische Aussprache, also „sch“ verpasste. Gerald „Grosch“ attestierte er, wie ein Thilo Sarrazin auf Speed mit falschen Zahlen zu agieren und kanzelte das Machwerk ab, bevor er es in die Mülltonne warf:
Würde Gerald Grosz [Grosch] als Ingenieur Brücken konstruieren, möchte ich sie nicht befahren. Aber weil dies für das grobschlächtige Niveau dieser Hetzschrift vielleicht zu missverständlich formuliert ist, sage ich es gern deutlicher: Diese vor Häme und Hass triefende, hirnlose Wichsvorlage für Rassisten und Faschisten ist schlicht widerlich.
Gerald Grosz, der Austeiler, zeigt sich in diesem Fall mimosenhaft und ist not amused.
Druckfrisch, ARD 14.9.25 (Scheck zu Grosz ab Minute 19)
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