Bereits im Mai 2024 hatte Stoppt die Rechten auf antisemitische Hetzpostings des Gloggnitzer FPÖ-Gemeinderats Thomas Hardteck aufmerksam gemacht. Das hinderte seine Partei nicht daran, Hardteck als Spitzenkandidat in die Gemeinderatswahl im Jänner 2025 zu schicken. Auch seither sind antisemitische Äußerungen von Hardteck auf dessen Facebook-Profil an der Tagesordnung. Dazu kommen Hetze gegen Geflüchtete, gegen Homosexuelle, Beleidigungen gegen andere Politiker (Finanzminister Marterbauer beschimpfte Hardteck als „Dreck Sack”, Andreas Babler als „rote Filzlaus”, Landeshauptfrau Mikl-Leitner als „Bums Dame”) und auch Geschichtsrevisionismus.

Noch gestern teilte Hardteck einen Artikel zu einem Vorfall in Deutschland über einen afghanischen Staatsbürger, der versucht haben soll, einen Zwölfjährigen, auf ein Zugsgeleise zu stoßen. Hardteck dazu: „Der gehört Standrechtlich Erschossen und sonst nichts“ Zu jenem mittlerweile ehemaligen ORF-Redakteur, der ein antisemitisches Posting veröffentlicht hatte, meinte Hardteck am 23. August: „So endet es wenn man die Wahrheit sagt, also auf zum Arbeitsamt und nie wieder was Arbeiten weil man könnte ja wider mal die Wahrheit sagen“
Mit Hardtecks Äußerungen konfrontiert, meinte die FPÖ Niederösterreich auf Nachfrage des „Kurier“ (26.8.25, S. 4):
Die FPÖ hat mit den Postings kein großes Problem. Vom KURIER auf die Inhalte hingewiesen, wird nur ein Posting problematisiert, in dem der FPÖ-Gemeinderat zum Erschießen eines möglichen Straftäters aufgerufen hat.
Im konkreten Fall wollte ein Afghane ein Kind vor den Zug stoßen. Das war der Auslöser für das emotionale Posting”, erklärt ein Sprecher der Landes-FPO dem KURIER.
Der Aufruf zur Selbstjustiz sei „unbedacht und falsch”. „Dafür entschuldigt er (Hardteck, Anm.) sich.” Das ändere aber nichts daran, dass Österreich ein massives Problem mit Massenzuwanderung habe.
Stoppt die Rechten hat einige seiner Postings gesammelt, der Grüne Nationalratsabgeordnete Lukas Hammer hat sie vor zwei Wochen zur Anzeige gebracht: Verdacht auf Verhetzung und Verstoß gegen das Verbotsgesetz.
„Die Postings von Thomas Hardteck sind an Widerlichkeit kaum zu überbieten”, sagt Hammer zum KURIER. Hardtecks Facebook-Profil sei öffentlich, durch die Thematisierung der Plattform „Stoppt die Rechten” hätte die FPÖ Bescheid gewusst, wen sie zum Spitzenkandidaten bei der Gemeinderatswahl mache. Aus diesem Grund müsse man davon ausgehen, „dass derartig abstoßende Geisteshaltungen in der FPÖ nicht nur akzeptiert, sondern sogar mit einem Mandat im Gemeinderat belohnt werden”.
Nun ist die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt am Wort.
Die angezeigten Postings
1. Video Israel von der Landkarte gelöscht, 1.8.25
Am 1.8.25 teilte Hardteck ein Video von „Iran Military“, in dem Israel von der Landkarte gelöscht wird. Beigefügt wurde der Text: „So sollte es sein“
2. Israel Parasiten 20.5.25
Am 20.5.25 teilte Hardteck ein Foto eines Zeitungsartikels mit dem Titel „Israel will Gaza besetzen“. Postingtext: „So sans die ethnische Minderheit oder anders gesagt die Parasiten, und alle schauen tepert zu [zwei Wein-Emojis]“
3. „J Kinder“ – Judenkinder 11.3.24
Am 11.3.24 teilte Hardteck das Foto eines Zeitungsartikels zum Besuch von Bundespräsident Van der Bellen in Amsterdam, wo er ein Holocaustmuseum eröffnete. Postingtext: „Und wider gewinnen die J Kinder und das Volk lest sich das gefallen“
4. Video „J Kinder“ Jerusalem 22.10.23
Am 22.10.23 teilte Hardteck ein Video über den Besuch einer Journalistin in Jerusalem, in dem zu sehen ist, dass sich jüdische Kinder aggressiv verhalten. Postingtext: „So sans die j Kinder“
5. Rassistisches Video 27.7.25
Am 27.7.25 teilte Hardteck ein Video, in dem zu sehen und zu hören ist, wie ein Mann mit dunkler Hautfarbe von einem Bayern wüst beschimpft wird, weil er angeblich eine Zugsfahrt aufhält. Postingtext: „Brauchst nur die Hautfarbe anschauen“

6. Ukrainer als Parasiten 21.6.25
Am 21.6.25 teilte Hardteck das Foto eines Zeitungsartikels mit dem Titel „Ukraine-Klausel“ lockt Großfamilien an. Postingtext: „Damit alle Österreicher wissen das sie sparen müssen, für die Parasiten“
7. Flüchtlinge Vergewaltiger und Mörder 15.5.25
Am 15.5.25 teilte Hardteck ein Foto eines Zeitungsartikels mit dem Titel „Rechtliche Kritik an Aus für die Familienzusammenführung“. Postingtext: „Wollen leicht die Gutmenschen noch mehr Vergewaltiger und Mörder Importieren, oder sind noch zuwenig da die die Christen da hin Morden und Vergwaltigen, das ist zum [Kotz- und Zorn-Emojis]“
8. Flüchtlinge terrorisieren Europa … 16.1.25
Am 16.1.25 teilte Hardteck ein Bild mit dem Text: „Was stimmt nicht mit euch? Eure Flüchtlinge terrorisieren Europa, randalieren in Freibädern, prügeln in Schulen, verticken Drogen, plündern die Sozialhilfe und werfen Menschen vor Züge. Und wer das nicht akzeptieren will, nennt ihr Nazi? #Wasstimmtnichtmiteuch?“
9. Homosexuelle als Parasiten 18.8.24
Am 18.8.24 kommentierte Hardteck zu einem Posting von Stefan L., der eine ÖBB-Werbung für die Vorteilscard Familiy mit dem Bild von zwei Männern (einer davon dunkelhäutig) mit einem Baby teilte: „Und für diese Parasiten zahlt der Steuerzahler und das finde ich Traurig“
10. Trauer-Emoji für Adolf Eichmann im Gefängnis 29.4.25
Am 29.4.25 reagierte Hardteck auf ein Posting von „Der Rote Palast“, das ein Foto von Adolf Eichmann im Gefängnis in Israel zeigt, mit einem Trauer-Emoji.
11. Video Geschichtsrevisionismus Rheinwiesenlager 23.2.25
Am 23.2.25 teilte Hardteck ein geschichtsrevisionistisches Video zu den Rheinwiesenlagern.
Erklärung: Ab April 1945 hatten die Alliierten unter US-amerikanischer Bewachung entlang des Rhein 23 Lager für deutsche Kriegsgefangene (Prisoner of War Temporary Enclosure, PWTE) errichtet, zuerst vorwiegend, um zu verhindern, dass Deutsche auf die Seite der noch nicht besiegten Teile von Nazi-Deutschland wechseln. Rechtsextreme stricken aus den Lagern gräuelpropagandistische Erzählungen und verbreiten, es seien Hunderttausende bis zu einer Million Häftlinge gezielt umgebracht worden. Schon alleine die im geposteten Video getätigte Behauptung, die Lager seien bis 1948 betrieben worden, ist falsch – sie wurden im Herbst 1945 aufgelöst (1). Daher ist die Aussage, es sei zum „einem mörderischen Höhepunkt im April 1946“ gekommen, schon alleine aufgrund des Datums eine Geschichtsfälschung. Der Vergleich mit Konzentrationslagern kommt einer geschichtsrevisionistischen Aussage gleich.
12. Huldigung an Rommel und an die Soldatenpflicht im 2. Weltkrieg 27.7.24
Am 27.7.24 teilte Hardteck ein Foto, das das Grab des NS-Offiziers Erwin Rommel zeigt, mit dem Zeilen: „Am Grab von Erwin Rommel…
‚Das Vaterland rief uns in grösster Not, wir zogen mutig aus zum frühen Tod.
Wir taten unsere Pflicht, vergesst uns nicht!’ ”
13. Über BP Van der Bellen 28.7.25
Am 28.7.25 teilte Hardteck ein Video einer Veranstaltung mit BP Alexander Van der Bellen im Jahr 2017 (2). Postingtext: „Der ist ziemlich hin in der Birn“
Update 26.8.25, 12:00: Der FPÖ NÖ ist die Causa nun doch zu heiß geworden. Sie gibt in einer Presseaussendung an: „Das Mitglied – das von sich aus die FPÖ nicht informiert hat – wurde mit sofortiger Wirkung aus der Partei ausgeschlossen und all seiner Funktionen enthoben.” Zuvor habe man das Ausmaß der Vorfälle nicht gekannt. Hardteck hat seinen Mandatsverzicht erklärt.
1 https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinwiesenlager
2 https://www.derstandard.at/story/2000056579232/van-der-bellen-sorgt-mit-statement-zu-kopftuch-fuer-aufregung
Unabhängige Recherche ermöglichen...
Jetzt unterstützen »
