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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Braune Melange zu Breivik

Hel­mut Mül­ler, der lang­jäh­ri­ge „Schrift­lei­ter“ des Eck­art­bo­ten, der von der Öster­rei­chi­schen Lands­mann­schaft (ÖLM) her­aus­ge­ge­ben wird, Autor von Zur Zeit, bes­tens ver­netzt mit AfP und NPD, hat den 11. Sep­tem­ber dazu genutzt, um sei­ne ganz spe­zi­fi­schen Ver­schwö­rungs­theo­rien in einer brau­nen Melan­ge aufzutischen.

19. Sep. 2011

Auf Sache des Vol­kes und sei­nem eige­nen Blog prä­sen­tiert er auf den Jah­res­tag genau die Ergeb­nis­se sei­ner trü­ben Welt­sicht unter dem gewich­ti­gen Titel „In Zei­ten der Lügen“. Mit dem 11. Sep­tem­ber ist er schnell fer­tig: „Der offi­zi­el­le 9/11-Schmarrn ist so etwas von lächer­lich und als sol­cher publi­zis­tisch offen­ge­legt, daß es sich erüb­rigt an die­ser Stel­le noch näher dar­auf einzugehen.”

So ein­fach ist das manch­mal. Der nächs­te Geis­tes­blitz gilt dem Bür­ger­krieg in Liby­en, in dem es, vom Sicher­heits­rat der UNO man­da­tiert, seit Mona­ten Luft­ein­sät­ze von NATO-Mit­glieds­staa­ten gibt. Für Mül­ler eben­falls glas­klar: Weil Gad­dha­fi Liby­ens Gut­ha­ben von fran­zö­si­schen Ban­ken nach Chi­na trans­fe­rie­ren woll­te, hat Frank­reich den Auf­stand in Liby­en initi­iert. War­um sich aller­dings Chi­na (neben Russ­land) im Sicher­heits­rat nicht quer­ge­legt hat gegen den Luft­ein­satz, steht bei den selt­sa­men Ana­ly­sen des Ex-Schrift­lei­ters nicht in Betracht. Er hat ande­res im Sinn.

Den krö­nen­den Abschluss sei­ner Ver­schwö­rungs­be­trach­tun­gen bil­det näm­lich der Ter­ror­an­schlag von Anders Beh­ring Brei­vik, den er gleich ein­mal vor­sorg­lich als „von Neo­kon­ser­va­tis­mus und Zio­nis­mus begeis­ter­ten“ Atten­tä­ter in einer bei ihm sehr belieb­ten Ecke abstellt. Die wir­re Ideo­lo­gie von Brei­vik, sei­ne erwie­se­nen Kon­tak­te zu Neo­na­zis und Rechts­extre­men in aller Welt – das alles tut nichts zur Sache für Mül­ler. Für ihn und die zahl­rei­chen ande­ren rechts­extre­men Ver­schwö­rungs­an­hän­ge­rIn­nen zählt nur, dass und wie oft die Wör­ter „Jude“ und „Zio­nis­mus“ in Brei­viks Text vorkommen.

Jetzt wird gekonnt die Ein­zel­tä­ter­schaft in Zwei­fel gezo­gen: „[A]ls hät­te er allein alles aus­ge­dacht und gehan­delt.“ Natür­lich waren da Geheim­diens­te im Spiel, raunt er: „Seit 9/11 wird einem ja ein­ge­re­det: Geheim­diens­te sei­en nur zum Kren­rei­ben da. Jeder die­ser Atten­tä­ter sei sel­ber sein eige­ner Geheim­dienst.“ Wir kom­men der Sache schon näher. Die Nor­we­ger, weiß Mül­ler, woll­ten sich nicht nur gera­de aus dem Liby­en-Ein­satz zurück­zie­hen, son­dern haben den Deut­schen den Test von für Isra­el gebau­ten U‑Booten in nor­we­gi­schen Gewäs­sern unter­sagt und sich für einen eigen paläs­ti­nen­si­schen Staat aus­ge­spro­chen. Mül­ler: „Nicht nur für Isra­el, auch für des­sen Bewun­de­rer Brei­vik ein Affront.” Natür­lich spricht Mül­ler nicht klar aus, was er sich da an anti­se­mi­ti­scher bzw. anti­zio­nis­ti­scher Ver­schwö­rung vom 11. Sep­tem­ber bis Brei­vik zusam­men­ge­reimt hat.

Ein Blick auf die „Ver­wei­se“ in sei­nem Blog genügt: Da fin­det sich die schon erwähn­te „natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­re“ Neo­na­zi-Platt­form Sache des Vol­kes und das rechts­extre­me Thu­le-Semi­nar. Mül­ler macht wie­der dort wei­ter, wo er vor den eher kon­ven­tio­nel­len Jah­ren beim Eck­art­bo­ten und der ÖLM begon­nen hat­te: bei der Natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren Aufbauorganisation.

Jetzt heißt das Ding eben für Mül­ler Sache des Vol­kes oder SOS Hei­mat, auf­ge­schäumt durch „heid­ni­sche“ oder „iden­ti­tä­re“ Zuga­ben. Sieg­frieds­kopf und Der Fun­ke lie­fern ähn­li­che Brü­he. Namen tun da wenig zur Sache „in Zei­ten der Lügen“, denn im Prin­zip ste­cken immer die glei­chen Per­so­nen dahin­ter. Nur die brau­nen Fas­sa­den oder Ver­pa­ckun­gen wer­den manch­mal neu gestri­chen oder verziert.

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