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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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„Deutsches Reich” oder Österreichisches Parlament?

Unse­re Recher­che zur Mit­glied­schaft von den bei­den FPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten Edith Mühl­berg­hu­ber und Peter Gerst­ner bei der Face­book-Grup­pe „Deut­sches Reich“ hat zahl­rei­che Reak­tio­nen aus­ge­löst – am vor­läu­fi­gen Ende stan­den faden­schei­nig klin­gen­de Distan­zie­run­gen und der Grup­pen­aus­tritt der zwei nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten. Inzwi­schen tau­chen mehr zwei­fel­haf­te Grup­pen auf, in denen sich FPÖ-Funk­tio­nä­rIn­nen tummeln.

14. März 2019
"Berufsvernaderer", "ausrangierter Politiker" – Hafenecker über SdR, respektive Karl Öllinger
"Berufsvernaderer", "ausrangierter Politiker" – Hafenecker über SdR, respektive Karl Öllinger

Der Stan­dard leg­te am Mon­tag mit einem Bericht über die vom Reichs­bür­ger Karl Dett­mer gegrün­de­te geschlos­se­ne Face­book-Grup­pe „Deut­sches Reich“ vor: „Zwei FPÖ-Abge­ord­ne­te in NS-ver­herr­li­chen­der Face­book-Grup­pe“ Eini­ge Medi­en zogen mit Online­be­rich­ten, die sich auf den Stan­dard-Arti­kel stütz­ten, nach.

Die SPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Sabi­ne Schatz bezeich­ne­te in einer Pres­se­aus­sendung die Face­book-Umtrie­be der FPÖ-Kol­le­gen­schaft als „inak­zep­ta­bel“ und for­der­te Kanz­ler Kurz auf, „‚end­lich sein Schwei­gen zu die­sen per­ma­nen­ten Grenz­über­schrei­tun­gen, die das Kli­ma in die­sem Land ver­gif­ten‘, zu bre­chen. ‚Nicht nur die FPÖ ver­liert an poli­ti­scher Glaub­wür­dig­keit, wenn es kei­ne Abgren­zung zu die­ser rechts­extre­men Geis­tes­hal­tung gibt.’“

Auch Alma Zadić von der Lis­te Jetzt for­der­te in ihrer Pres­se­aus­sendung den Rück­tritt von Gerst­ner und Mühlberghuber:

Die Erklä­rung von Abge­ord­ne­ten Gerst­ner, er sei ohne sein Wis­sen zu die­ser Grup­pe hin­zu­ge­fügt wor­den, scheint eher eine Aus­re­de zu sein. Wie ‚stopp­die­rech­ten‘ doku­men­tiert hat, wur­den bei­de Abge­ord­ne­te auf Face­book als ‚bei­getre­ten‘ gekenn­zeich­net. ‚Gerst­ner und Mühl­berg­hu­ber wer­den auf der Face­book-Grup­pe als ‚bei­getre­ten‘ bezeich­net. Das geht nur, wenn man eine Ein­la­dung (in dem Fall von Karl Dett­mer) in die Grup­pe bestä­tigt.’ Zadic for­dert von Vize­kanz­ler Stra­che und Bun­des­kanz­ler Kurz ange­sichts die­ser anti­se­mi­ti­schen und rechts­extre­men Umtrie­be, die bei­den Abge­ord­ne­ten vor die Wahl zu stel­len: ‚Deut­sches Reich‘ oder Öster­rei­chi­sches Parlament.

Auch der FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär Chris­ti­an Hafenecker sah sich offen­bar gezwun­gen, mit einer Pres­se­aus­sendung zu kal­mie­ren. Er schwa­dro­nier­te über die Vor­tei­le der Sozia­len Medi­en, um dann als gra­vie­ren­den Nach­teil zu nennen:

Näm­lich dann, wenn man zu einer Grup­pe hin­zu­ge­fügt wird, mit der man bei­lei­be nichts zu tun haben möch­te. Ob die­ses Hin­zu­fü­gen mit böser Absicht pas­siert, um dem Poli­ti­ker zu scha­den, ist eine Mög­lich­keit, die nicht von der Hand zu wei­sen ist. Grup­pen­na­men sind auch jeder­zeit mani­pu­lier­bar und eine unver­däch­ti­ge Grup­pe, der man arg­los bei­getre­ten ist, wan­delt sich zum ‚poli­ti­schen Super­gau‘. ‚So wur­den zwei frei­heit­li­che Abge­ord­ne­te zum Natio­nal­rat, näm­lich Edith Mühl­berg­hu­ber und Peter Gerst­ner, Opfer einer sol­chen Ver­leum­dungs­ak­ti­on. Die­se Per­so­nen in ein rechts­ra­di­ka­les Eck zu stel­len und in die Nähe von Reichs­bür­gern zu brin­gen, ist an Per­fi­die nicht zu über­tref­fen. Bei­de Man­da­ta­re sind sofort aus der genann­ten Grup­pe aus­ge­tre­ten und beto­nen, dass sie mit dem dort ver­tre­te­nen Gedan­ken­gut nichts zu tun haben und ver­bie­ten sich wei­te­re Anschul­di­gun­gen in die­se Richtung’.

Na schön, Hafenecker tut das, wor­in die FPÖ sich als Meis­te­rin eta­bliert hat: Die FPÖ-Abge­ord­ne­ten wur­den Opfer einer Ver­leum­dungs­ak­ti­on. Dass Gerst­ner zwei Tage benö­tigt hat, um aus der Grup­pe aus­zu­tre­ten, Mühl­berg­hu­ber noch lan­ge nach Hafenecker Aus­sendung im „Deut­schen Reich“ weil­te, ist eine Neben­sa­che. Wie die bei­den aber dazu kom­men, Grup­pen­bei­trit­te, Freund­schafts­an­fra­gen von der­ar­ti­gen Accounts zu bestä­ti­gen, ist eine gra­vie­ren­de­re Ange­le­gen­heit. Was Hafenecker völ­lig ver­schweigt, ist die Mit­glied­schaft von zahl­rei­chen ande­ren FPÖ-Funk­tio­nä­rIn­nen in die­ser Grup­pe, aber auch in unzäh­li­gen ande­ren, in denen Het­ze, Ras­sis­mus, Anti­se­mi­tis­mus bis hin zu neo­na­zis­ti­schem Gedan­ken­gut zum nor­ma­len Reper­toire gehören.

Aber auch die bei­den Abge­ord­ne­ten selbst spie­len die Unschuldslämmer:

Edith Mühl­berg­hu­ber gab gegen­über KURIER zu Pro­to­koll, dass sie Karl Dett­mer sofort als Freund ent­fern­te, als die von der Grup­pe erfuhr. Sie habe zu wenig recher­chiert und Dett­mer des­we­gen als Freund gehabt, ver­mu­tet sie. ‚Ich bin nie bei­getre­ten’, sag­te sie zur Grup­pe ‚Deut­sches Reich’. ‚Ich habe mit so etwas nichts zu tun und möch­te auch nichts damit zu tun haben.’ Sie sei wenig auf Face­book aktiv und wür­de dort nur ihre über ihre poli­ti­sche Arbeit infor­mie­ren wol­len. (…) Ihr Par­tei­kol­le­ge Peter Gerst­ner betont eben­falls, er sei der Grup­pe nie aktiv bei­getre­ten und hät­te sich dort auch nicht betei­ligt. ‚Ich war da ein biss­chen schlei­ßig’, sag­te er zum KURIER. Auch er nüt­ze sein Face­book-Pro­fil für sei­ne poli­ti­sche Arbeit und sei gera­de dabei, sämt­li­che Grup­pen zu kon­trol­lie­ren, denen er bei­getre­ten ist. (kurier.at, 11.3.19)

Wir kon­sta­tie­ren: Abge­ord­ne­te sind mit Karl Dett­mer befreun­det, was – wie wir wis­sen – nicht auto­ma­tisch geht. Wer nun an wen eine Freund­schafts­an­fra­ge ver­schickt hat, sei dahin­ge­stellt. Abge­ord­ne­te wer­den von Dett­mer zur Grup­pe hin­zu­ge­fügt – die eine, Mühl­berg­hu­ber, bereits im Juni 2015, der ande­re, Gerst­ner, im August 2017. Doch das Hin­zu­fü­gen allei­ne war es nicht, der Bei­tritt wur­de aktiv bestä­tigt. Dett­mer änder­te den Grup­pen­na­men unzäh­li­ge Male – auch hier benach­rich­tigt Face­book alle Grup­pen­mit­glie­der. Aber wir wis­sen: Alles fällt vom blau­en Him­mel, und wenn’s auf­schlägt, waren die ande­ren Schuld. Dass es bei dubio­sen Mit­glied­schaf­ten, Befreun­dun­gen aus­ge­rech­net per­ma­nent FPÖ-Mit­glie­der erwischt, ist natür­lich zufäl­lig, nicht gewollt oder gar auf Fal­se Flag-Aktio­nen von poli­ti­schen Geg­ne­rIn­nen zurückzuführen.

Inzwi­schen haben wir begon­nen, über die Grup­pe „FPÖ Sei­ten­ad­mi­nis­tra­to­ren“ zu berich­ten. Mor­gen gibt es dazu eine Fort­set­zung über die Inhal­te und wer sich da noch getum­melt hat. So viel kön­nen wir schon sagen: sehr „schlei­ßig“ (© Gerst­ner), was sich da drin­nen abge­spielt hat. Der FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär hat dazu schon Erklä­run­gen … Aber: Auch von wei­te­ren dubio­sen Grup­pen mit FPÖ-Betei­li­gung wur­de uns berich­tet. Viel­leicht lässt sich die FPÖ ein­mal neue Erklä­run­gen einfallen?

"Berufsvernaderer", "ausrangierter Politiker" – Hafenecker über SdR, respektive Karl Öllinger
„Berufs­ver­nade­rer”, „aus­ran­gier­ter Poli­ti­ker” – Hafenecker über SdR, respek­ti­ve Karl Öllinger
"So ist der Falter." "Sie schreiben ohnehin nur, was sie wollen." Christian Hafenecker zur Falter-Journalistin Anna Goldenberg (zur Gruppe "FPÖ Seitenadmnistratoren")
„So ist der Fal­ter.” „Sie schrei­ben ohne­hin nur, was sie wol­len.” Chris­ti­an Hafenecker zur Fal­ter-Jour­na­lis­tin Anna Gol­den­berg (zur Grup­pe „FPÖ Seitenadmnistratoren”)

 

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